Februar 2006 – mein Monatsrückblick

Wenn ich in der Geschwindigkeit meinen Jahresrückblick 2006 weitermache, werd ich dieses Jahr nicht mehr fertig. Wobei ich mich gerade frage, ob das so schlimm wäre. Nun ist also der Februar an der Reihe.

Landtagskandidaten Henning Schürig (Grüne) und Werner Simmling (FDP)Alles begann am 1. Februar mit einer Podiumsdiskussion der GEW in Süßen. Wir erinnern uns: Ich war im Wahlkampf. Es ging um Bildungspolitik und im Mittelpunkt stand das achtjährige Gymnasium (G8). Das war genau mein Bereich.

Für den 3. Februar war ich in die Kaufmännische Schule Göppingen eingeladen, die zum Schulzentrum “Öde” gehört. Der Saal war voll, 250 Schüler waren gekommen und stellten auch sehr interessiert Fragen. Der WASG-Kandidat kam dort überhaupt nicht an. Er wurde meist mehr oder weniger ausgelacht.
Im Publikum saß auch Jenny, die ich vor kurzem über’s Bloggen kennen gelernt habe. Die Welt kann so klein sein.

Ländliche IdylleEine Pressekonferenz stand am 6. Februar im Kalender. Der Kreisverband Esslingen stellte seine Kandidaten vor. Da ich ja aber nur mit einem kleinen Zipfel meines Wahlkreises zu Esslingen gehörte, interessierte sich die Presse nur sehr mäßig für mich. Kein Wunder, einer der anderen Kandidaten in Esslingen war Winfried Kretschmann, der Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzende. Der Weg zum Umweltzentrum in Plochingen, wo die Pressekonferenz stattfand, war quasi mitten durch die Landschaft und auch nicht besonders kurz. Aber so hab ich ein paar schöne Fotos schießen können.

Am gleichen Tag gab’s noch einen Termin in Lauterstein im Kreis Göppingen. Dort tagte der hiesige Kreisverband des Winter in Plochingen (2006)Gemeindetags Baden-Württemberg. Lauter Kommunalpolitiker, insbesondere Bürgermeister waren also da. Inhaltlich kamen wir sehr gut an, aber die meisten haben wohl trotzdem konservativ gewählt. Obwohl die Landesregierung ein sehr löchriges Konnexitätsprinzip in der Landesverfassung hat.

Jetzt wird’s lückenhaft: Am 7. Februar gab’s eine grüne Kreismitgliederversammlung in Göppingen und in der Nacht war ich noch bei Freunden. Hab immer wieder im Wahlkampf versucht, zwischendurch ein bisschen privat aufzutanken. Vom 9. Februar konnte ich nur noch rausfinden, dass ich nach dem Wahlkampf-Tag noch kurz für 1-2 Stunden auf ner Party an der Uni vorbeigeschaut habe.

Etwas Besonderes, nämlich eine Generationenkonferenz, die vom Kreisjugendring und dem Kreisseniorenrat veranstaltet wurde, stand am 10. Februar an. Nach Diskussionen in Workshops gab’s ne Podiumsdiskussion und am Ende noch eine herrliche Aufführung von einem Improvisationstheater. Wir haben Tränen gelacht.

Beim Verteilen von Briefen für eine Veranstaltung von uns (ja, auch das machen mitunter die Kandidaten selbst) habe ich am 11. Februar dann in Süßen einen seltsamen Straßennamen entdeckt: An der Türkei.

Und wieder etwas lückenhafter: In Stuttgart war ich am 15. Februar bei einer Schule als Vertreter der Grünen Jugend eingeladen und am 17. Februar hatte ich mal Zeit für einen richtig netten und sehr lustigen Abend mit ein paar Freunden. Erst wurde in einer WG gefeiert und dann haben wir zu zweit noch in Stuttgart das Oblomow unsicher gemacht. Ob ich am nächsten Tag für den Wahlkampf zu gebrauchen war, kann ich nicht mehr genau sagen. Allerdings würde es mich wundern. ;-)

Drei Tage später war ich aber definitiv wieder fit. Denn am 20. Februar kam Boris Palmer zu uns in den Kreis und diskutierte mit den Gästen über Verkehrspolitik. Das Interessante war, dass vor allem eher Konservative gekommen waren. Auch der Süßener Bürgermeister war dabei.

Am Tag danach ging’s nach Geislingen, in den Nachbarwahlkreis. Dort fand eine Podiumsdiskussion des Landesschülerbeirats statt zu der zunächst Vertreter der Jugendorganisationen der Parteien und dann die lokalen Kandidaten eingeladen waren. Knappe 24 Stunden vorher, nämlich kurz vor Beginn der Veranstaltung mit Boris, haben wir davon erfahren. Der Geislinger Kandidat konnte nicht und hat gleich mich gebeten, ihn zu vertreten. Praktischerweise stand ich neben ihm als der Anruf kam. Da ich am nächsten Tag erst noch Grüne-Jugend-Flyer aus der Landesgeschäftsstelle holen musste, verpasste ich den Zug. Kein großes Problem, verpasse ich halt die Jugendvertreterrunde und bin aber zur Kandidatenrunde pünktlich.
Podiumsdiskussion vom Landesschülerbeirat, GeislingenAls ich dann im Zug saß, es war gerade kurz vor 15 Uhr und um 15 Uhr sollte es losgehen, klingelte mein Handy. Unser Jugendvertreter sagte ab, ob ich seinen Part mit übernehmen kann. Tjaaaa… also, erstmal Veranstalter angerufen. Ich wurde dann auch gleich zu Fuß am Bahnhof abgeholt, damit ich den Weg nicht verfehlen kann. Ich kam dann 25 Minuten zu spät dort an und war Zweiter! Nur der Vertreter der Jusos (SPD-Jugendorganisation) war da. Der von der Jungen Union (JU, CDU-Nachwuchs) war mit dem Zug in die falsche Richtung gefahren und der Juli (FDP-Jugend) war verschollen. Man hatte noch Hemmungen nun mit einem rot-grünen Podium zu beginnen, da tauchte dann plötzlich der verschollene auf. Wir fingen also an. Nach etwa zehn Minuten kam eine kurzfristig organisierte JU-Vertreterin auf die Bühne.
Ich war ja so nun zunächst als Jugendvertreter und dann als Kandidat auf dem Podium und ich muss ganz klar sagen, dass die Jugendrunde viel angenehmer war. Da wurde klar, kurz und knapp geantwortet, es wurde lebhaft diskutiert, während in der Kandidatenrunde sich kaum jemand an die Zeit hielt und die Beiträge so immer länger wurden. Da man dann den ganzen Käse der Vorredner ja nicht unwidersprochen so stehen lassen will, war das bei mir dann auch nicht anders.

Und obwohl das jetzt schon so lang war, gibt’s über den Tag noch was, denn abends hatten wir noch eine eigene Veranstaltung zum Thema G8-Reform?! – Schüler brauchen mehr. Es waren vor allem jüngere bis mittlere Eltern, insbesondere Frauen, gekommen, die sich großteils schon mit dem Thema Bildungssystem beschäftigt haben und unseren Positionen gegenüber auch sehr aufgeschlossen waren. Das Hochschule 2012hab ich immer wieder erlebt, dass unsere Bildungspolitik bei Frauen viel besser ankommt als bei Männern.

Am 23. Februar war dann der große Hochschulkongress der Landesregierung: Hochschule 2012. Interessanterweise mitten im Wahlkampf. Da das Wissenschaftsministerium mich bei den Studiengebühren-Protesten 2005 als harten, aber sachlich-konstruktiven Kritiker erlebt hatte, luden sie mich als Studentenvertreter auf’s Podium ein. Wohl wissend, dass ich Grüner bin und auch für den Landtag kandidiere. Mein CDU-Gegenkandidat Hochschule 2012(inzwischen Staatssekretär im Wissenschaftsministerium) war auch erst etwas verwundert. Für mich war es eine sehr interessante Erfahrung. Vor allem habe ich mich gefreut, dass ich damals lange mit Manfred Ehrhardt unterhalten konnte, der mal Wissenschaftssenator in Berlin war. War sehr angenehm. Unangenehm fand ich, dass es auf allen anderen Podien keine Studenten gab und auch im Abschlusspodium nicht.

SelbstporträtDen nächsten Tag, am 24. Februar, war ich beim Kreisbauernverband. Brauch ich wohl nicht viel zu sagen: Grüner, Kreisbauernverband, ein Heimspiel war das definitiv nicht.

Zum Abschluss des Monats hatte ich am 28. Februar einen Besuch in der Redaktion der Lokalzeitung. Der NWZ-Redakteur Helge Thiele wollte ein Porträt über mich schreiben. Während er sich mit mir über mich und mein Leben unterhält, soll ich mich malen. Zunächst waren wir Mittagessen zum gegenseitigen Kennenlernen und dann Stifte kaufen. Aber am Ende musste ich wirklich malen. Das Ergebnis seht ihr hier links. Aber dafür ist sein (Text-)Porträt von mir ganz nett geworden und er erkennt an, dass mein Bild tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit mir hat.
Helge Thiele, NWZAch ja, und das Foto links, wo er selbst drauf ist, entstand als ich sagte, dass ich gerne auch Fotos mache. “Ich habe die Kamera eigentlich immer dabei und kann so jederzeit schnell ein Foto machen.” Klick. Schon passiert. :-)

Abends hab ich dann noch bei Freunden einen Film angesehen.

Fazit

Der Februar 2006 war ganz klar wahlkampfdominiert. Ein paar Mal habe ich es zum Glück trotzdem geschafft, auch was mit Freunden zu unternehmen. Aber auch der Wahlkampf hat echt Spaß gemacht. Meine persönlichen Highlights in dem Monat sind nicht ganz einfach zu benennen. Dazu gehört auf jeden Fall der Besuch in der Öde, der Kongress Hochschule 2012 und das NWZ-Porträt über mich. Sowas erlebt man wirklich nicht alle Tage und es war auch einfach nett.

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7 Responses to “Februar 2006 – mein Monatsrückblick”

  1. Der WASG-Mensch war schon ein lustiger. Er hatte nie eine genaue Antwort auf die Fragen gegeben und auch beim Nachhaken nicht. Das war schon etwas enttäuschend und auch der Grund, warum er mehr oder weniger von allen belächelt wurde.

    Der WASG-Menschen war aber nicht der schlimmste optische Anblick, der bot schon ein anderer, um auch mal einen Insider aufzugreifen. ;)

  2. Besteht Dein Leben nur aus Politik? Ist Dein Leben die Poltik? Oder bloggst Du den Rest nicht (was ja vollkommen okay wäre)?

  3. Jetzt verstehe ich, wieso plötzlich lauter Februar-Fotos in Deinem FlickR-Account aufgetaucht sind … war also doch nicht die Sehnsucht nach dem Schnee, wie irgendwer anders vermutete.

  4. @Nessy
    Ich war ja damals Landtagskandidat. Da war das tatsächlich so, dass das Leben fast nur aus Politik bestand. Dazu kommt natürlich ein bisschen, dass sich diese Dinge am einfachsten nachrecherchieren lassen, da sie in meinem Wahlkampfterminkalender stehen.
    Manches hab ich natürlich auch bewusst nicht gebloggt. Ab Monat April dürfte sich das Verhältnis von Politik zu privat sehr ändern. Allerdings bin ich selbst mal gespannt, ob ich da auch noch so viel zusammenkriege.

    @Till
    :-)

  5. Mmmm, ja…ziemlich viel zu tun hast Du…! Gibt´s dann irgendwann noch März bis Dezember? Bist Du noch aktiv in der Gesellschaft? Fragen über Fragen!

  6. Klar gibt’s den Rest noch. Ich komme gerade nur nicht so richtig dazu. Zwischen Januar und Februar waren ja auch fünf Tage. Ups, dann wird’s jetzt wieder Zeit.

    In der Gesellschaft aktiv bin ich nach wie vor. Jetzt halt unter anderem auch durch den Blog. Grün ist gerade deutlich weniger (kein Wunder, der Wahlkampf ist vorbei und damit bin ich ja auch nicht mehr Kandidat), aber derzeit gibt’s an der Uni wieder so einiges zu tun: Umstellung auf Bachelor/Master, Studiengebühren-Verwendung bzw. -Freistellungskriterien. Sitze gerade im Fachschaftsbüro und habe neben mir den Scherbenhaufen einer Fakultätsratssitzung auf Papier. Dabei bin ich vor gut einem Jahr dort bewusst ausgestiegen. Drei Jahre waren mir erstmal genug, aber jetzt geht’s gerade um wirklich wichtige Dinge und da nehmen leider einige ihren Job derzeit nicht ernst. Jetzt beschäftige ich mich halt außerhalb der Gremien hinter den Kulissen mit den Dingen, aber das ist nicht immer so einfach. In den Gremien werden halt die Entscheidungen letztlich getroffen.

    Aber ich schweife ab… Der Jahresrückblick geht definitiv weiter, auch wenn ich nicht sicher bin, ob ich dieses Jahr noch alle Monate schaffe. Der März wird auch wieder sehr politisch und dicht bepackt, aber danach wird sich das ändern (siehe auch mein Kommentar über deinem).

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