Haufenweise Fehler in Fachliteratur

Seit Tagen (für meinen Betreuer: seit Wochen Monaten) wälze ich Literatur für meine Seminararbeit. Da könnte ich jetzt viel zu schreiben, von hab im Studium noch nie so viel in so kurzer Zeit gelernt über jetzt, wo’s echt interessant wird, läuft mir die Zeit davon bis zu warum sind da so entsetzlich viele Rechtschreibfehler in der Literatur? Und genau um Letzteres soll es nun gehen.

Nicht nur, dass manche Autoren – meist Professoren – in der alten Rechtschreibung steckengeblieben sind, nein, manche wechseln auch munter zwischen alt und neu. In einem Satz „muss“ und zwei Sätze später das alte „muß“. Andere schöne Dinge, die mir in der Seminararbeit – zu Recht – um die Ohren gehauen würden: „Ergebniss“ (mit zwei s), „stragisch“ (statt strategisch), „erleichern“ (statt erleichtern) oder „4 P’s“ (Deppenapostroph).

Manchmal fehlt auch ein Punkt am Satzende oder bei einer Aufzählung mit Spiegelstrichen steht hinter dem letzten einfach nichts mehr. Manchmal sind sie nicht mal in der Lage, die Autorennamen oder Buchtitel, die sie zitieren, richtig abzuschreiben.

In einem Buch waren die Seitenzahlen links immer in der Schriftart Times New Roman und rechts in Arial. Einmal war in einem kursiven Text mittendrin ein Buchstabe normal.

Und ich rede hier tatsächlich nicht von Schüleraufsätzen, sondern von wissenschaftlichen Büchern, die in der Regel Professoren geschrieben haben (jedenfalls tun sie so). Namen nenne ich jetzt keine, weil ich nicht mehr genau weiß, was wo stand, aber es waren schon auch große Namen aus dem Bereich Marketing dabei.

Klar, ich mach auch Fehler, aber das sind Bücher. Wissenschaftlich. Von Professoren. Darf man da nicht etwas mehr erwarten?

P.S.: Wer von euch sucht eigentlich nach seminararbeit blog oder henning in aktion?

6 Responses to “Haufenweise Fehler in Fachliteratur”

  1. Vermutlich sind das Bücher, die in wissenschaftlichen Fachverlagen erschienen sind (Layout und Korrektur kostet extra), weswegen ProfessorInnen das dann lieber bei sich am Lehrstuhl machen lassen (HiWi oder so, ist billiger, bzw. im Haushalt drin, während ein externer Lektoratsauftrag nicht drinne wäre, außerdem können die ja eh alle mit dem Computer umgehen). Das selbst genau durchzuschauen, haben die Profs keine Zeit — dann steht da halt im teuer erkauften und teuer verkauften Buch „Ergebniss“; die Publikationsliste ist auch so um eins länger geworden, und wenn es sich um eher technische Fächer handelt, sind Bücher für die Reputation eh uninteressant, da zählen nur Aufsätze in reviewten Zeitschriften.

  2. Wenn es nur Wechsel zwischen der alten und neuen Rechtschreibung wären. Das passiert mir selbst öfters (wobei ich bei meinen Buch da schon drauf achten würde), aber schlimmer sind für mich Layout-Fehler (Schriftarten usw.) oder noch besser unverständliche Sätze, weil da mal schnell ein Satzteil verloren ging.

    Allerdings kommt sowas in der germ. Fachliteratur eher selten vor und auch die Historiker sind da meist recht gut (nur mit der neuen Rechtschreibung können sie sich nicht anfreunden *g*).

    Aber Till hat schon recht. Ein Lektor kann sich heute kaum noch jemand leisten. Das sollen Autoren (egal welcher BEreich) selbst leisten. Die HiWis und Mitarbeiter an den Lehrstühlen dürfen es leider ausbaden.

  3. niels | zeineku.de

    Das mit dem Selbstlektorieren würde ich auch als Fehlerquelle vermuten. Dissertationsschriften erscheinen ja auch häufig müttergetippt und selbstverlegt. Da bin ich als Leser nicht so streng mit Layout-Schwächen und Tippfehlern.

    Ich wechsele meine Schreibweisen zwar nicht von Satz zu Satz, aber meine eigene Haus-Rechtschreibung verwende ich auch. Eigentlich schreibe ich unreformiert, aber bestimmte Regeln der reformierten Schreibung habe ich übernommen, weil sie mir gut gefallen und schlüssig erscheinen: Zum Beispiel die ss/ß-Regeln. Eine Ausnahme mach ich da wiederum bei „daß“, weil es mit „ß“ schöner aussieht. :-)

  4. Ich denke mal, dass die Professoren das Layout nicht so ernst nehmen, weil sie enorm in ihrem Fachwissen stecken und den Rest mehr als untergeordnet betrachten. Schade eigentlich, denn sie sollen ja Wissen vermitteln und das geht meistens nicht ohne eine entsprechende grafische Aufbereitung.

    Manche machen sich auch richtig lustig darüber, wenn man ihnen den Ernst der Lage erklärt.

    Und wenn es Bücher sind, müssen ja noch mehr Schlafmützen daran beteiligt sein.

    Oki Doki

  5. Linda aus HH

    Ich muss zugeben, dass ich auch vom aktuellen BDK-Leitantrag in Hinsicht auf Grammatik und Rechtschreibung ziemlich geschockt war/bin!

  6. @Linda/HH
    Autsch! Den hab ich noch gar nicht gelesen. Allerdings ist das auch nochmal was anderes als ein tausendfach gedrucktes (wissenschaftliches) Buch. Ich muss dabei wieder an den Artikel Rechtschreibung und Glaubwürdigkeit denken. Wie ich dort schon geschrieben habe: Man fragt sich eben, ob der Rest denn dann so sauber recherchiert ist oder ob da ebenfalls gespart wurde.

    Gerade wo ich in der Seminararbeit ja über Marketing schreibe: Ein Buch, das für sich in Anspruch nimmt, ein hohes Niveau zu haben, muss das auch mit allen Merkmalen ausstrahlen. Falsche Rechtschreibung, Schriftarten oder gar fehlende Spiegelstriche bieten da ein unstimmiges Bild der „Marke“ Autor.

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