Zusammenfassung: StudiVZ – Worum geht’s?

Ich hatte bereits hier, hier und hier über das Thema geschrieben und fand das eigentlich mehr als genug. Aber viele scheinen gar nicht zu wissen, worum es bei der ganzen Sache geht. Wie stille Post scheint sich da einiges zu verbreiten. Und wie das bei stiller Post so ist: Vieles ist falsch. Vorab gesagt: Ehssan Dariani ist kein Nazi.

Ich wurde nun gefragt, ob ich das mal zusammenfassen kann. Ich hab’s dort in einem Kommentar beantwortet und orientiere mich bei dieser Zusammenfassung nun daran.

Was ist das StudiVZ?

Das StudiVZ ist eine Kommunikationsplattform, ähnlich wie openBC/Xing, aber halt auf Studenten und Spaß ausgelegt statt auf das Geschäftsleben. Dort kann man sich eintragen mit Vor- und Nachnamen, Uni, Studiengang und wenn man will auch Musikgeschmack, politische Richtung, Beziehungsstatus und mehr. Andere User kann man „gruscheln“. Was das genau ist, weiß man nicht, aber genau das gehört dazu. Bei gemeinsamen Interessen kann man sich zu Gruppen zusammenschließen. Über eine Million Studenten machen bereits mit und es macht echt Spaß, insbesondere weil man so viele Leute dort wiederfindet (oder auch kennen lernt).

Wo ist das Problem?

Es gibt gleich mehrere Probleme: Es heißt zum Beispiel, das StudiVZ solle verkauft werden und damit natürlich auch die Userdaten. Der Pressesprecher gibt auch schon zu, dass es um die Daten geht. Was genau weiß man nicht, aber wenn man liest, was der genannte und nicht dementierte Kaufinteressent Facebook für einen seeehr großen Datenhunger hat, stehen einem schon etwas die Haare zu Berge.

So richtig zum Thema wurde das aber erst als mehrere Sachen zusammengetragen wurden. Nämlich eine Geburtstagseinladung durch StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani im Stile der früheren Nazizeitung „Völkischer Beobachter“, die unter der gleichnamigen Domain zu finden war. Er sieht das als Satire und besseren Umgang mit dem Nationalsozialismus als die Dämonisierung. Diese Aussagen geistern nun teilweise verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen im Netz herum und Ehssan wird als Nazi dargestellt. Wenn man sich seinen Rechtfertigungsversuch durchliest, wundert man sich zwar sehr über das geringe Gespür dafür, dass andere das (natürlich) anders sehen, aber es ist klar und deutlich, dass er kein Nazi ist.

Dazu kamen Videos von Mädels, die offenbar nicht damit einverstanden waren, gefilmt zu werden, was sie nicht davor bewahrte im (sehr stark besuchten) StudiVZ-Blog gezeigt zu werden.

Außerdem wurde im Blog sehr offen gesagt, dass bestimmte Kommentare nicht erwünscht sind, weil sie „keinen Mehrwert für die Leser dieses Blogs“ haben. Freigeschaltet wird nur, was in den Kram passt.

Schon vor einiger Zeit war rausgekommen, dass das Studiverzeichnis sich Domainnamen seiner Mitbewerber und/oder ähnlich klingenden Namen unter den Nagel gerissen hatte.

Diese (und evtl. noch ein paar andere kleinere) Dinge mehr wurde dann zum großen Thema in den Blogs. Ich weiß jetzt nicht, wer da Erster war, aber Don Alphonso war jedenfalls definitiv einer der aktivsten.

Die Reaktionen

Zunächst wurde alles gerechtfertigt, dann wurde sich doch noch entschuldigt und Fehler zugegeben und kurz darauf die Liste der Investoren bekannt gegeben. Das wurde in den Blogs dann natürlich positiv aufgenommen. Damit hatte man nicht gerechnet.

Dennoch bleiben große Fragen in Bezug auf den Datenschutz offen. Diese großen Wellen, die die Summe von Verfehlungen geschlagen hat, und die späte Zugabe von Fehlern, haben dafür sorgt, dass das Thema Datenschutz überhaupt breit aufgegriffen wurde.

Die ganze Diskussion hat inzwischen auch die klassischen Medien erreicht wie den SPIEGEL, die Frankfurter Rundschau, die Süddeutsche Zeitung und den Berliner Kurier.

Die Folgen

Der Wert vom StudiVZ dürfte in den letzten Tagen stark gesunken sein. Der Ruf ist ziemlich ruiniert, die ersten User melden sich ab und auch im Ausland fragt man sich schon, was da los ist. Genau das kann man natürlich gar nicht gebrauchen, wenn man gerade dabei ist, international zu expandieren und noch dazu in Verkaufsgesprächen steckt.

Es sind vor allem Dummheiten, die zu dieser Lage geführt haben. Bleibt die Frage, ob die offenen Fragen zum Thema Datenschutz auch eher was mit Fahrlässigkeit zu tun haben oder eher mit Geld verdienen. Natürlich ist es eine Mischung, es kommt nun darauf an, in welchem Verhältnis diese Mischung existiert.

Was nun wünschenswert wäre

Wichtig wäre nun eine ganz klare und rechtlich verbindliche Erklärung zum Thema Datenschutz. Und zwar eine, die auch nach einem Verkauf vom StudiVZ gilt. Sonst muss man wirklich über eine Abmeldung nachdenken und das fände ich sehr schade. Die Plattform gefällt mir sehr gut und so schnell kann es auch keine Alternative geben, denn die Anzahl der User ist ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität der Plattform.

Ein anderer ist natürlich der Datenschutz.

Diese Zusammenfassung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich hab einfach nur auf eine Bitte hin mal das runtergeschrieben, was ich weiß und ein paar Links dazu rausgesucht, damit man sich selbst weiter informieren kann. Die Fakten und der Datenschutz sind sehr wichtig, aber genauso wichtig finde ich, dass jetzt nicht Halbwahrheiten bzw. falsche Dinge in Umlauf gebracht werden wie die Behauptung Ehssan Dariani sei ein Nazi. Daher diese Zusammenfassung, um Menschen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema befassen, einen möglichst sachlichen Überblick zu geben.

7 Responses to “Zusammenfassung: StudiVZ – Worum geht’s?”

  1. Wie schon gesagt: Danke, dass Du es mal Zusammengefasst hast. Bleibt wirklich zu hoffen, dass es eine Regelung zum Datenschutz geben wird, aber das hast Du ja schon erwähnt.

  2. Alexander Dill

    Guten Tag, Herr Schürig! Danke für Ihren aufschlußreichen Beitrag zu dem gehypten Thema StudiVZ! Ich habe daraufhin auch Ihre Website gesehen und würde mich freuen, von Ihnen zu hören. Ich kenne Oswald Metzger und habe einmal mit Hasso Mansfeld 1998 vergeblich versucht, einen Wirtschaftsbeirat der Grünen zu gründen. Schönen Tag wünscht Ihr Alexander Dill.

  3. hep-cat.de

    Sehr schöne Zusammenfassung die ich an uninformierte StudiVZ-Mitglieder weiter geben kann, danke!

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