Gerechtergeschlechtigkeit in Freiburg

Gerechtergeschlechtigkeit ist das Wort des Tages. Ansonsten wurde mal wieder eindrucksvoll gezeigt, dass Befürworter einer Richtung mehr Ablehnung für ihre Richtung erzeugen können als es der beste Gegenredner je könnte. Der Referent zum Thema Grundeinkommen war leider sehr schlecht. Ich hatte mir ja ein paar neue Erkenntnisse erhofft, aber leider argumentierte er zu 70 % mit Argumenten, die eigentlich am Thema vorbeigingen bzw. zumindest nicht nötig für eine Argumentation pro Grundeinkommen wären und somit einfach nur die Angriffsfläche vergrößerten. Hab mich ziemlich viel aufgeregt während der Diskussion. Aber sonst ist es wieder mal sehr nett hier.

11 Responses to “Gerechtergeschlechtigkeit in Freiburg”

  1. Messetunnel

    Das mit dem Grundeinkommen vs. bedarfsgerecht ist doch eh nur ein Neuaufguss der Gerechtigkeitsfrage. Ist es gerecht, wenn jeder das gleiche bekommt, oder jeder das bekommt, was er braucht?

  2. @Messetunnel: Ich würde dagegenhalten, es geht nicht um diese Frage, sondern darum, ob es gerecht ist, wenn alle genügend bekommen, oder ob es gerecht ist, wenn die, die nichts leisten, nichts bekommen.

  3. @niels
    Zum Beispiel, dass jede Arbeit, die von Maschinen erledigt werden kann, kein Mensch machen soll. Dass niemand eine Kaufentscheidung danach ausrichtet, ob etwas von Menschen oder Maschinen hergestellt wird (selbst bei Dienstleistungen wie Massage meinte er, es sei doch egal, ob das ne Maschine macht). Dass es ein neues Feudalsystem wäre, wenn Menschen bei anderen Menschen in den Haushalten arbeiten. Wobei er das etwas später relativierte und irgendwie nur nicht wollte, dass das bei der breiten Masse so wird. Für schwer beschäftigte Manager sei das schon in Ordnung. Jedenfalls kam das so rüber. Sehr schräg das alles.

    @Messetunnel
    Matthias Dilthey war das.

    Für mich ist das mehr die Frage, wie wir ein soziales Netz aufbauen. Mit enormer Geldverschwendung für Bürokratie oder ohne (bzw. mit extrem viel weniger). Meine Vision ist dabei erstmal ein Grundeinkommen, dass 90 % der Menschen materiell genau so dastehen lässt wie heute – nur eben anders organisiert. Erhöhen oder senken oder ähnliche Diskussionen sollten unabhängig von der Art der Absicherung sein. Ich hab das ja auch in dem Blog-Eintrag Gedanken zum Grundeinkommen mal näher ausgeführt.

    @TillWe
    Beschlossen wurde ein Grundeinkommen von 930 EUR. Änderungsanträge auf „900 EUR plus Wohngeld“, „800 EUR“ bzw. „generell zusätzliches Wohngeld“ (unabhängig vom Betrag) wurden mal mehr (Wohngeld-Anträge), mal weniger (800 EUR) deutlich abgelehnt.

    Kinder sollen jeweils die Hälfte bekommen, wobei nicht definiert wird, wer „Kind“ ist. Es gab einen Antrag, das zu konkretisieren und mit dem Auszug aus dem Elternhaus den Kinder-Status zu beenden. Dieser Antrag bekam aber ebenfalls nicht die Mehrheit.

  4. Lena Schwelling

    Henning ich muss dir zustimmen, der Vortrag über das Grundeinkommen war wirklich unglaublich schlecht, er hat mich eher davon überzeugt dass das Grundeinkommen noch zu viele Schwachstellen hat, auch rethorisch war der vortrag eine einzige katastrophe, er hat ihn ja einfach nur abgelesen.
    Was ich aber sehr gut fand, war dass du mit ihm in die direkte diskusion gegangen bist (und das war wenigstens rethorisch und inhaltlich gut :-) ), vielleicht hat er ja was daraus gelernt und wird seinen nächsten vortrag besser überarbeiten.

    Liebe junggrüne Grüße aus Tübingen
    Lena

  5. Von der Website des Vortragends her klingt das ja durchaus nicht uninteressant, was sich Matthias Dilthey so überlegt hat — aber es klingt auch sehr theoretisch-philosophisch. Wäre interessant zu wissen, warum die GJ gerade ihn eingeladen hat.

    Anyways — eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich es schade finde, dass der GJ-Antrag noch immer nicht online verfügbar ist und auf das von mir und anderen vertretene „Sockelgrundeinkommen“ in Höhe von 420 Euro hinweisen (Eintrag in meinem Blog dazu, Antragsübersicht LDK im Grundsicherung-bw-Blog).

  6. BTW: Erst beim Blick auf die URL ist mir aufgefallen, dass es hier die ganze Zeit um „Gerechtergeschlechtigkeit“ und nicht um „Geschlechtergerechtigkeit“ geht. Also eigentlich auch nicht, aber eben doch.

  7. Matthias Dilthey

    Laßt uns doch mal nüchtern zusammenfassen, wofür ich in Freiburg referiert habe: Pro BGE.

    Mir war wichtig, Euren Beschluss zu erreichen. Wäre das gelungen, wenn ich wirtschaftsliberal und rhetorisch aalglatt aufgetreten wäre?
    Daß darauf der Eine oder die Andere spekuliert haben, hatte ich schnell gemerkt.

    Es wäre ein Pyrrhussieg für das BGE gewesen, hätte ich die Veranstaltung als glänzender Rhetoriker, jedoch ohne Glaubwürdigkeit bei den BGE-Zweiflern verlassen.
    Trotz meiner angeblich erdenklich schlechten rhetorischen Leistung ist in der Politik angesagt, Abstimmungen zu gewinnen. Und dazu habe ich beigetragen. Rabulistik heißt, das Schamützel bewusst verlieren zu können, aber in der Gesamtheit zu gewinnen.

    Jedenfalls freue ich mich, daß die BGE-Diskussion auch hier noch lebt. Danke!

    Matthias Dilthey

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