Klimawandel, Hollywood und Wahlumfragen

„Grün in Hollywood: Das Öko-Alibi der Superstars“ ist die Überschrift eines Artikels bei Spiegel Online. Da geht es unter anderem darum, dass die Filmindustrie Hollywoods nach der Mineralölindustrie der größte Umweltverschmutzer im Großraum Los Angeles ist. Es geht auch darum, dass viele Stars lediglich grün sind, wenn die Kameras dabei sind. Als Ausnahmen werden Cameron Diaz, George Clooney und vor allem Leonardo DiCaprio genannt.

Und dann kommt folgendes:

Ist grün also sexy? Auf jeden Fall ist es derzeit massentauglich.

Gefolgt von:

Arnold Schwarzenegger zog mit diesem Thema in seinen zweiten Wahlkampf als Gouverneur von Kalifornien und gewann die Wahl. Auch Al Gores Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ lockte stattliche vier Millionen Besucher ins Kino und wurde sogar mit einem Oscar ausgezeichnet. Und das in einem Land wie den USA, in dem man bisher dachte, dass Umweltschutz gegenüber wirtschaftlichen Interessen zweitrangig sei.

Grün ist also derzeit massentauglich. Ist es das? Seit längerem warte ich darauf, dass die grünen Umfragewerte in Deutschland steigen, also so richtig steigen. Kürzlich dachte ich, es wäre soweit. Aber das war wohl ein Irrtum. Die Grünen stehen zwar in Umfragen so bei 9-12 %, was definitiv gut ist, in anbetracht des Klimawandels und seiner öffentlichen Aufmerksamkeit jedoch irgendwie nicht ganz angemessen erscheint.

Nach wie vor geben die Menschen den Grünen die höchsten Kompetenzwerte, was Umweltschutz angeht. Mehr und mehr klettert auch der Klimaschutz nach oben, wenn es um die dringend anzupackenden Aufgaben geht. Nur die grünen Umfragewerte stagnieren.

Wieso?

Oft fordern jetzt Politiker von CDU, SPD und CSU genau das, was Grüne schon vor langer, langer Zeit gefordert haben. Man hat sie bis vor kurzem nicht ernst genommen. Und jetzt werden hier und da von den Volksparteien populistisch einzelne Maßnahmen ins Spiel gebracht, wo auf der anderen Seite sofort wieder Dinge gefordert werden, die das konterkarieren. Und trotzdem profitieren sie offenbar in den Umfragen davon.

Oder vielleicht gerade deshalb? Ein bisschen alibimäßig was tun, damit das Gewissen beruhigt ist? Haben die Leute doch noch zu viel Angst davor, einigermaßen radikal die Gesellschaft und die Wirtschaft umzubauen, so dass wir über einen längeren Zeitraum noch auf diesem Planeten leben können?

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5 Responses to “Klimawandel, Hollywood und Wahlumfragen”

  1. Einen ähnlichen Bericht gab er vor kurzem auch in der ARD. Als Star der nicht nur vor den Kameras „grün“ ist, wurde u.a. Daryl Hannah vorgestellt, die schon lange einen Öko-Hof hat und sogar ihr eigenen Bio-Diesel erzeugt oder zumindest verwendet. Es ist schon toll, das die Medien das Thema endlich mal entsprechend pushen – aber die meisten sind wohl einfach zu träge und bequem was zu ändern – zumal, wenn es auch noch entsprechend mächtige Interessensgruppen gibt, die einen Systemwechsel nicht wirklich wollen? Da frage ich mich z.B. schon, warum alle Hybrid-Autos anpreisen (die im Wechsel doch auch nicht helfen und mehr verbrauchen als mancher Kleinwagen) und z.B. Autos mit Brennstoffzellen, deren H² man mit reg. Energien erzeugen könnte immer noch nicht verfügbar sind…

    Das es den Grünen nicht so viel besser in den Umfragen geht, wie man erwarten würde könnte doch vielleicht auch mit an den sich nicht grünen Doppelspitzen liegen und das ein Sympathieträger wie Fischer fehlt? ;) Außerdem habe ich in letzter Zeit von mehreren Leuten gehört, von den Grünen würde man insgesamt zu wenig hören nachdem sich sonst alle gerade mit Vorschlägen überschlagen…

  2. Außerdem habe ich in letzter Zeit von mehreren Leuten gehört, von den Grünen würde man insgesamt zu wenig hören nachdem sich sonst alle gerade mit Vorschlägen überschlagen…

    Wir dringen nicht durch, ist eher mein Eindruck. Es ist für die Medien eben nicht so interessant, wenn die Grünen eine Maßnahme fordern, die sie schon seit 27 Jahren fordern. Wenn die CSU aber das gleiche fordert, dann ist das interessant.

    Paradoxe Situation. Nur mit dieser Hybrid-Sache ist man mal richtig durchgedrungen – weil das neu war.

  3. Auch wenn Klimaschutz/Umweltschutz ein wihctiges Thema ist, an der Urne geht es immer nur ums eigene Geld.

    Also Renten, Arbeitnehmerinterssen, Arbeitgeberinteressen, Steuerpolitik. Die grünen Positionen in diesen Feldern kommen einfach nicht klar genug an. Vor allem die geforderten Entlastungen gehen unter.

    Mit der großen Koalition ist das Interesse an Politik vollkommen in den Keller, weil keine öffentliche Debatte mehr geführt wird und es nur noch die abstrusen Vorschläge der Opposition in die Schlagzeilen schaffen.

    Außerdem lastet den Grünen immer noch etwas der Staub der Altachtundsechziger und ideell verblendeten Langzeitstudenten an, da fehlt einfach der Draht zu den existentiellen Sorgen.

  4. 9 % — sag ich doch ;-/

    Ein Problem bei der ganzen Sache ist die Luhmannsche Gier der Massenmedien nach fortwährend neuen Katastrophen. Das führt zu Wellen öffentlicher Aufmerksamkeit:

    Keine Zeitung, allen voran dieses Blatt, kein Fernsehsender, keine Illustrierte und keine Radiowelle, die in jüngster Zeit nicht mitgemacht hätten bei den Alarmrufen: ein kollektiver Weckruf, eine gesamtmediale Mühe, die Kundschaften ins Bild vom drohenden Unheil zu setzen. Gestern noch titelten wir auf unserer Seite 1: „Klimawandel in Deutschland: Jetzt gibt’s die Quittung.“ Das Problem ist nur: Das Gewitter an Informationen aller Medien wird langsam unverdaulich – die Leserschaften, gleich welche, schalten ab, satt und blutleer im Kopf. (Jan Feddersen in der taz vom 16.3.)

    Nach der Aufmerksamkeitswelle — und befindet sich das Thema Klimawandel — kommt dann allerdings das Wellental. In zwei Monaten ist „Klimawandel“ zwar immer noch so problematisch wie vorher, aber vermutlich medial out. D.h., eigentlich müsste es jetzt (ganz unabhängig davon, was gerade wie in den Medien ankommt), darum gehen, das momentane Aufmerksamkeitshoch dazu zu nutzen, langlebigere institutionelle Arrangements festzuklopfen, die dann wirken, egal, ob Seite 1 oder Kurznachricht auf S. 14.

  5. Ich fürchte nur, dass das was im Moment so „in“ ist, nicht auf ein wirklich steigendes Umwelbewusstsein zurückzuführen ist.

    Im Moment hacken Medien und Politiker zwar mit Elan auf dem Thema rum, doch fehlt mir irgendwo der Angriff auf die wahren Verursacher! Es wird viel auf der Autobilindustrie rumgehackt (und Herr Gabriel hat bei der Aussicht auf einen Steueraufschlag für SUVs und Sportwagen schon wieder die Dollarzeichen in den Augen), allerdings in meinen Augen recht ubegründet.

    Denn die „einfachen“ Wege zur Kohlenstoffdioxid-Reduktion wären andere. Eine Tonne CO2 pro Jahr in der Industrie oder auch bei privaten Heizkosten zu vermeiden, ist um das Zwanzigfache günstiger als beim Automobil – hier wäre Raum für Förderungen. Die würden zwar Geld Kosten, gleichzeitig aber von wahrem Umweltbewusstsein zeugen.

    Ich stimme Martin zu, wenn er das Hybrid-Konzept kritisiert. Schon alleine die Vorstellung, dass die ganzen Akkus und Batterien auch irgendwann entsorgt werden müssen, lässt sie umwelttechnisch weit weniger hell erstrahlen.

    Und das es zwar mittlerweile fahrfähige Wasserstoff-Fahrzeuge von BMW gibt ist ebenfalls eine faszinierende technologische Entwicklung – hält man sich aber vor Augen, wie viel Energie Aufgewendet werden muss um diesen Wasserstoff zu gewinnen… Naja.

    Hoffentlich bleibt das momentane Tam-Tam der Medien (das ohne Zweifel spätestens Mitte des nächsten Monats wieder sang- und klanglos verschwindet) zumindest dem ein oder anderem im Gedächnis.

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