Linke ignorieren Klimawandel

Linke Hochschulgruppe Stuttgart: Alle reden vom Wetter. Wir nicht.Dieses – bei extrem schlechtem Licht mit dem Handy abfotografierte – Plakat der Linken Hochschulgruppe Stuttgart braucht eigentlich nicht weiter kommentiert werden. Die Aussage „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ spricht für sich – und gegen die Linkspartei.

Wer heutzutage immer noch nicht begriffen hat, dass Klimaschutz ein immens wichtiges Thema ist – auch mit enormem sozialen Sprengstoff – stellt sich selbst ins Abseits.

Der Spruch basiert übrigens [doch nicht wie anfangs von mir gedacht; siehe Kommentare] auf einem Wahlslogan der Grünen von 1990: „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Klima.“ Diese Überzeugung, den Klimaschutz in der grünen Programmatik über das damalig alles überstrahlende Thema Wiedervereinigung zu stellen, hat uns damals aus dem Bundestag katapultiert.

Heute, rund 17 Jahre später, ist es Allgemeingut. Fast, wie dieses Plakat wieder einmal zeigt.

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19 Responses to “Linke ignorieren Klimawandel”

  1. Ich würde eher vermuten, dass der Spruch auf dem gleichlautenden alten Slogan der Bundesbahn basiert. Dafür spricht auch die Gestaltung.

  2. Flacher Spruch für eine HSG.

    Aber Hochschulgruppen an der Uni Stuttgart sind ja eh nur „Randerscheinungen“ weil man nichts machen kann ;-)

  3. Henning: Ganz falsch.
    refu: Halb richtig ;)
    Auf dem Plakat der Deutschen Bundesbahn basiert bereits , das wiederum (u.a.) von der Stuttgarter Linken HSG, deren Bundesverband ja DIE LINKE.SDS heißt, zitiert wird (wie der ganze Name).

    Das (Bild-)Zitat muss man erstmal verstehen und zuordnen. Auf den Klimawandel kam ich dabei noch nie — wobei mich das auch zum Schmunzeln bringt. Der „Klimaschock“ war halt der Öko-Hype des Jahres. Nach Feinstaub im Jahr davor, davor „Uns geht 2030 das Öl aus“, davor war’s mal das Ozonloch, … Jedes Jahr ne neue Sau im Dorf, mit der uns Springer, SPD und Co mal wieder von anderen Baustellen ablenken wollen.

    Die Umwelt retten geht nur sozialistisch! :)

  4. Es tut mir fast schon leid das sagen zu müssen, aber hierbei handelt es sich nicht um eine Kampagne der Linken gegen den Klimaschutz sondern um ein aus der Abstellkammer der Geschichte wieder hervorgekramtes Kampfplakat des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) von 1973 – und zwar in einer 1:1-Übernahme (bis auf die Farbgebung und den Hinweis auf Stuttgart). Zu „bewundern“ ist das Original beispielsweise auf den Seiten des Deutschen Historischen Museums in Berlin:

    http://www.dhm.de/lemo/objekte.....index.html

    So gerne ich auf den Linken herumhacke, aber das ganze ist wohl eher eine Recyclingaaktion alter Kommunisten-Kampfsprüche aus den 70ern mangels eigener aktuellerer Ideen oder Themen. Traurig aber wahr. Vielleicht sind die Ideengeber der Partei ja momentan zu beschäftigt mit wichtigeren Vorhaben wie sinnlosen Klagen gegen die Wikipedia etc. um sich mit der Erarbeitung sinnhaltiger Slogans zu beschäftigen…

    http://die-linke.de/presse/pre.....wikipedia/

    Dass es an deutschen Hochschulen aber tatsächlich noch Studenten gibt, die allen Ernstes Plakate mit Lenin und Marx drucken sagt doch einiges über unsere Bildungslandschaft aus…..

  5. Die LINKE ist Pop. Das Plakat ist Pop – ebenso wie Che Guevara oder die RAF mittlerweile zu popkulturellen Symbolen geworden sind, die sich ihrer ursprünglichen Inhalte und Forderungen (z.B. „Sozialismus oder Tod“) völlig entledigt haben, was auch gut so ist.

    Ich finds cool – diese T-Shirts mit Andreas Baader drauf. Und für Freibier bin ich auch gerne mal für die Revolution. Doch was bleibt, wenn der Pop vorbei ist? Andreas Baader war ein Mörder und alles andere als cool. Und die LINKE arbeitet mit Politikkonzepten, die vielleicht mal in den 80er Jahren als richtig galten. Das ist für mich keine Option.

  6. Und schon 1973 (da war ich noch zwei Jahre von meiner Geburt entfernt) war das ein gravierender Fehler des SDS. Nebenwiderspruch und so.

  7. Ich finde auch, dass es sehr widersprüchlich ist, wenn man es rückblickend betrachtet. Aber was solls, das ist nicht das einzige was widersprüchlich ist, wenn man (Hochschul-)politik betrachtet.

  8. Danke für eure ganzen Kommentare und die Hinweise. Hab jetzt den Text entsprechend etwas ergänzt.

    Ich kannte nur den grünen Wahlslogan von 1990, da der innerparteilich öfter mal zur Sprache kommt. War schließlich eine herbe Niederlage damals.

    Und bei Politik und Wetter denke ich automatisch an den Klimawandel, find ich das einzig Logische. Aber vielleicht war Logik auch die falsche Herangehensweise. ;-)

    Wenn nicht der Klimawandel gemeint ist, ist das Plakat ja allerdings totaler Nonsens, denn wer redet denn groß vom Wetter, vor allem in der Politik (Klimawandel jetzt mal ausgenommen)? Irgendwie komm ich nicht dahinter.

  9. Also ich finde ja, dass das Plakat durchaus einiges an Witz hat, wenn man es (und ich bin nun wirklich kein Freund der Linken.SDS – halte den Namensklau schon für peinlich…) halbwegs gutmütig betrachtet.
    Im Moment reden tatsächlich alle – und vor allem Angie – „nur noch“ vom Wetter=Klimawandel. Das Thema dient dabei in zweifacher Weise als Nebelbombe:
    1. Es wird vor allem viel GEREDET und wenig getan.
    2. Es wird auf eine Art und Weise gehyped, dass andere Themen, die ebenfalls wichtig sind, in den Hintergrund treten bzw. dass eine „Klimabilanz“ plötzlich wichtiger wird als eine (Gesamt)Ökobilanz – vgl. z.B. die Debatte um Atomkraft und Klimawandel.

    So sehr gerade Grüne froh sein sollten, dass das Thema Klimawandel nun anscheinend im Mainstream angekommen ist, so wenig sollte man sich damit zufrieden geben – sondern den Prozess kritisch begleiten und – im Sinne der Ganzheitlichkeit – auch andere Ökologie- oder Politikfelder nicht aus den Augen verlieren.

    Das ist vielleicht ein bisschen viel Gutmütigkeit für ein solches Plakat – wenn damit allerdings zu einer kritischen Diskussionsrunde zu „Greenwash“ oder „Wir reden nur noch über Klima“ eingeladen würde, würde ich das Plakat auch als Grüne HSG verwenden ;)

  10. Du würdest das Plakat aber bestimmt abwandeln in „Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Wir handeln.“ :-)

  11. Henning, auf deine Frage, was das soll: Der Link von Christian oben erklärt eigentlich alles. Da heißt es nämlich:

    „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.
    Plakat des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). In ironisierender Weise wird hier auf ein Plakat der Deutschen Bundesbahn Bezug genommen, das denselben Slogan verwendet.“

    Sprich: die Bahn hat darauf hingewiesen, dass sie besser als andere Verkehrsmittel mit Wetterproblemen klarkommt. Klimawandel war da (außerhalb enger Fachkreise, siehe Al-Gore-Film) noch kein Thema. Und der SDS hat das aufgenommen.

    Mehr zum Hintergrund der Original-Parodie hier:

    Bekanntlich ist das Wetter ein dankbares Gesprächsthema: Jeder kann dazu etwas sagen und es lässt sich daraus ein zwangloser Smalltalk spinnen – unverfänglich, bedeutungslos und ohne größeren Anspruch. Bei extremen Wetterlagen scheint jedoch die Bedeutung des Wetters sprunghaft anzusteigen. Das Plakat der Deutschen Bahn aus dem Jahr 1967 zeigt eine Lokomotive, die nicht Wind noch Wetter, weder Eis noch Schnee aufhalten kann. Klimatische Verhältnisse spielen für sie keine Rolle. Darunter der Slogan: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Die Deutsche Bahn.“

    Diesen Slogan stellen die beiden Stuttgarter Studenten Ulrich Bernhardt und Jürgen Holtfreter leicht modifiziert in den Dienst an der Weltrevolution. Als Vorlage dient dabei ein in den Ostblockstaaten häufig verwendetes Bildmotiv, das die Konterfeis des kommunistischen Triumvirats Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Lenin zeigt. Am 16. Januar 1968 präsentieren die beiden Studenten der Stuttgarter Kunstakademie ihren Layout-Entwurf. Und schon bald wird das Motiv auf Plakaten und Fahnen zum Siegeszug ansetzen durch die Straßen der westdeutschen Universitätsstädte, getragen von politischen Aktivisten der Studentenbewegung.

    Wie der Neo-SDS heute das jetzt allerdings wirklich meint (außer als Popikonisierung der Politik), das weiß ich auch nicht.

  12. Nachtrag: das Original (natürlich nicht mit „Die Deutsche Bahn“, sondern mit dem damals noch für die Deutsche Bundesbahn stehenden DB-Logo) findet sich zum Beispiel bei Kristian Köhntopp.

  13. @ alle: Das Plakat hat nix mit der Linkspartei zu tun; schlicht und ergreifend deshalb, weil die Linke Hochschulgruppe nix mit der Linkspartei zu tun hat.
    @ Christian: „Dass es an deutschen Hochschulen aber tatsächlich noch Studenten gibt, die allen Ernstes Plakate mit Lenin und Marx drucken sagt doch einiges über unsere Bildungslandschaft aus…“
    Dass es tatsächlich Menschen gibt, die Leute wie Fischer, Roth oder Bütikofer (Bütikofer!!!) Ernst nehmen, sagt viel über den derzeitigen Verdummungsgrad der Menschheit aus.
    @ Andibü: „Und die LINKE arbeitet mit Politikkonzepten, die vielleicht mal in den 80er Jahren als richtig galten. Das ist für mich keine Option.“ Neoliberale Konzepte, wie sie die Grünen vertretenen, sind erstens noch älter (was spielt denn das Alter überhaupt für eine Rolle?) und zweitens für die meisten anderen Menschen dieses Landes keine Option. Den Müsli an sich mag das nicht stören, solange er noch genug Kohle hat, um sich sein Ökofraß zu kaufen. Andere aber schon.

  14. Das hat nix mit dem Klima zu tun. Nichts. Gar nichts.

    Soll heißen: „Alle reden von belanglosem. Von Irgendwas. Wir nicht, wir kümmern uns um die wichtigen Sachen, die soziale Frage.“ Zugegeben, macht mit dem orginalen Hintergrund von damals mehr Sinn als heute. Tut aber nichts zur Sache.

    Den Linken kannst du viel vorwerfen, wobei Linke-Bashing imho tierisch out ist und nervt. Aber nicht, dass sie den Klimawandel ignorieren. Ich bin auch kein Freund der Partei, aber ausser den Grünen hält keine Partei dieses Thema so hoch.

    Da hat wohl einfach mal jemand geschrien ohne sich zu informieren, einfach mal um zu sagen „Die Linke ignoriert den Klimawandel“. Das klingt nicht nur nach Bild-Schlagzeile, das ist auch genauso gut recherchiert.

  15. Sorry, aber wenn man so wenig Ahnung hat, sollte man vielleicht einfach mal recherchieren, bevor man gleich ein billigen, polemischen Spruch gegen eine andere Partei ablässt. Ich verstehe ja, dass es manche Grünen-Realos saumässig ärgert, dass nicht wenige ehem. grüne Fundis mit der Partei DIE LINKE eine Partei gefunden haben, die ökologisch UND sozial augerichtet ist und dass diese Partei, auch noch mehr Mitglieder und größere Wahlerfolge als die Grünen hat. Trotzdem sollte man auch im Weblog, wenn man schon polemisiert, ein klitzekleines bißchen auf Fakten aufbauen.

    Jetzt komme ich zur Fehleranalyse:
    Fehler 1: Die „Linke Hochschulgruppe Stuttgart“ hat nichts mit der Partei DIE LINKE zu tun.
    Die „Linke Hochschulgruppe Stuttgart“ gibt es erstens schon länger als die Partei DIE LINKE, zweitens ist die „Linke Hochschulgruppe Stuttgart“ auch nicht Mitglied des der Partei DIE LINKE nahestehenden Studierendenverbandes DIE LINKE.SDS. Eigentlich sollte man soviel Ahnung haben, wenn man an der Uni Stuttgart studiert.

    Fehler 2: Herkunft des Plakat-Motivs
    Dazu haben einige Kommentatoren ja schon treffend festgestellt, dass es auf die damalige „Deutsche Bundesbahn“ zurückgeht und vom damaligen „SDS“ übernommen wurde. Bleibt noch auf
    http://de.wikipedia.org/wiki/A....._Wir_nicht.
    zu verweisen, wo die Geschichte genauer erläutert wird. Das SDS-Plakat wurde übrigens von zwei Stuttgarter Studenten für den Uni-Wahlkampf des Stuttgarter SDS entwickelt!

    Fehler 3: Thema des Plakates
    Nein, es ging bei diesem Plakat nicht um das Klima, sondern um das Wetter. Die Deutsche Bundesbahn spielte mit der Tatsache, dass viele Leute gerne über das Wetter reden (zumindest dies dürfte doch Allgemeingut sein) und dass die Bahn bei jedem Wetter fahre (theoretisch). Der SDS der 60er wollte ausdrücken, dass sie sich nicht mit belanglosen Themen wie das Wetter gerade sei beschäftigen (damals sprach eben keiner vom Klima), sondern mit dem Kapitalismus (auch wenn das Wort grünen Realos nicht gefällt).

    Fehler 4: DIE LINKE würde sich nicht mit dem Klimawandel beschäftigen
    Da müsste nun eigentlich jedem/r klar sein, dass diese Falschbehauptung Quatsch ist. Ein Blick z.B. auf die Homepage der umweltpolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE genügt:
    http://www.bulling-schroeter.de
    Es mag schmerzhaft für die Grünen sein, aber sie haben nicht das Monopol auf umweltpolitische Themen!

    Fehler 5: Der „Linke Hochschulgruppe Stuttgart“ ist der Klimawandel egal
    Es ist einfach davon auszugehen, dass die „Linke Hochschulgruppe Stuttgart“ nicht auf das Plakat der Grünen von 1990 geantwortet hat, sondern dass sie das SDS-Plakat einfach wiederaufgelegt hat.

    @“Mehmet Scholl“:
    Warst du nicht derjenige,der gesagt hat: «Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt.»?
    Also tut mit schrecklich leid, aber Marx führt seit ein paar Wochen jedeR im Munde. ;-)

  16. Och ja, Frederico, du machst es dir aber auch etwas einfach. Deine Kritikpunkte 2, 3 und 5 sind doch längst geklärt.

    Punkt 1 ist etwas abenteuerlich: Als ich die Linke Hochschulgruppe kennengelernt habe, hieß sie noch „Offene WASG-Hochschulgruppe“. Die WASG hat bekanntlich mit der PDS zur Linkspartei fusioniert. Die HSG hat also nichts mit der Partei zu tun? Naja, zumindest ihre Gründung steht in diesem Kontext.
    Außerdem erwartest du doch hoffentlich nicht ernsthaft, dass jeder, der an der Uni Stuttgart studiert, genau Bescheid weiß, wie jetzt die „Linke Hochschulgruppe“ gerade zur Linkspartei steht. Die meisten werden nicht einmal wissen, dass es sie gibt.

  17. Zu Punkt 1: Bekanntlicherweise haben aber auch nicht alle WASG-Mitglieder die „Fusion“ mitgemacht… jedenfalls ist die „Linke Hochschulgruppe Stuttgart“ weder Mitglied noch assozierte Gruppe des der Partei DIE LINKE nahestehenden Studierendenverbandes DIE LINKE.SDS. Sie wollen nicht einmal in der Nähe eines in der Näher der LINKEN stehenden Verbandes stehen. Damit wäre ihre Nicht-Nähe zur LINKEN eigentlich geklärt.

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