Milliarden-Schulden trotz großem Steuerplus

Um 18,4 % stiegen die Steuereinnahmen im ersten Halbjahr 2007. Für das Gesamtjahr wird ein Plus von 8,2 % erwartet. Dennoch wird der Bund wieder neue Milliarden-Kredite aufnehmen müssen, wenn auch weniger als geplant. Dass das nicht gesund sein kann, ist doch offensichtlich.

Dennoch werden jetzt wieder Vorschläge kommen, wie man dieses Geld ausgeben kann. Geld, das man gar nicht hat, weil man schon bisher mehr ausgegeben hat als man hatte. Wir sind nur der schwarzen Null etwas näher gekommen. Mehr nicht.

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22 Responses to “Milliarden-Schulden trotz großem Steuerplus”

  1. Dass das nicht gesund sein kann, ist doch offensichtlich.

    Warum? Gib mir mal volkswirtschaftliche Gründe …

  2. Siehst du das etwa anders?

    Aus Wikipedia:
    Zwischen 1965 und 2002 überstieg die Summe der Zinsausgaben die Summe der Neuverschuldung. Die Neuverschuldung deckte also nicht einmal die Zinsausgaben.

    Ist doch klar, dass das nur zu immer höheren Staatsverschuldung führt, die nicht einmal für Investitionen verwendet wird, sondern nur die Zinsen für die Altschulden deckt. Man hat also nichts davon und muss jedes Jahr mehr erwirtschaften, nur um die Zinsen der alten Schulden zu bezahlen. Das verschärft sich von Jahr zu Jahr.

    Außerdem sollte der Staat möglichst nur in konjunkturellen Schwächephasen Schulden aufnehmen und sie im Aufschwung wieder zurückzahlen. Letzteres passiert aber nicht. Im Gegenteil, auch im Aufschwung werden massiv neue Schulden aufgenommen.

  3. Ich seh das erstmal gar nicht.

    Ja, es steigt die Staatsverschuldung. Die Frage ist, wo gibt es dabei ein volkswirtschaftliches Problem? Mein VWL-Prof hat mal sauber aufgezeigt, dass die Staatsverschuldung für Deutschland eigentlich kein Problem ist – Deutschland wird/kann nicht plötzlich insolvent oder so sein.

    Es ist eher die kulturelle Annahme, dass Schulden etwas schlechtes, böses sind, aber volkswirtschaftlich gesehen seien sie kein Problem für Deutschland.

    Leider krieg ich das nicht mehr sauber zusammen, aber deshalb würd mich jetzt um so mehr interessieren, wo deiner Ansicht nach für Deutschland volkswirtschaftliche Probleme bei den Staatsschulden entstehen … es sind doch nur Zahlen die hin und her geschoben werden – jedes Jahr werden Milliarden an Schulden die andere Länder haben erlassen …

    Deshalb ist dein Artikel auf den ersten Blick toll „ist doch offensichtlich“ und so … aber mal knallhart nachgefragt: wieso, weshalb, warum?

  4. Dann sag mir doch mal, wo du das Geld für die ganzen Zinsausgaben hernehmen willst.

  5. Und im nächsten Jahr, wo durch die neuen Schulden noch mehr Zinslasten anfallen? Da müsstest du dann noch mehr (neue, zusätzliche) Schulden als im Jahr zuvor. Irgendwann hast du nen Haushalt, der zu 50 % aus Zinszahlungen besteht.

  6. Irgendwann kann selbst ein Staat pleite gehen … zwar nicht offiziell … aber wer gibt ihm noch Kredite?

  7. @Martin:
    Gibt es Länder, die kein Defizit vorweisen?

  8. @Martin
    Wie Robin schon andeutet, gibt es Grenzen der Staatsverschuldung. Der oben schon zitierte Wikipedia-Artikel dazu:

    Staatsschulden in eigener Währung können theoretisch in unbegrenzter Höhe aufgenommen werden. Allerdings gestaltet sich die Emission von Staatsschuldtiteln für einen bereits hochverschuldeten Staat in der Regel äußerst schwierig, da die Finanzmärkte eine Rückzahlung der aufgenommenen Schulden für sehr fragwürdig erachten (Bonität) und dem Staat somit liquide Mittel entweder gar nicht mehr oder nur noch zu sehr hohen Zinsen anbieten werden. Der verschuldete Staat rutscht so in den Teufelskreis einer Haushaltsnotlage aus immer höheren finanziellen Verpflichtungen (Zinsen und Tilgung bereits bestehender Schulden) und einem immer begrenzteren Zugang zum Finanzmarkt. Diese Spirale kann mit dem Verlust der Kreditwürdigkeit oder gar mit der Zahlungsunfähigkeit des Staates (Staatsbankrott) enden.

    Würdest du privat einen Kredit aufnehmen und im nächsten Monat dann wieder einen, um die Zinsen dieses Kredits zu zahlen, was meinst du, wie lange würde das gut gehen?

    @Joe
    Unter Bill Clinton hatten die USA einen ausgeglichenen Haushalt (mit Überschüssen sogar), den George Bush aber wieder in ein dickes Staatsdefizit verwandelt hat.

  9. Henning, das ist für Staaten wie Argentinien (sic) relevant … aber Deutschland gehört zu den wenigen Länder die mit AAA gerated sind. Aber die Angst vor einer Pleite ist kein volkswirtschaftlicher Grund … welche negativen Folgen hat die Staatsverschuldung und erhöhte Neuverschuldung für die Volkswirtschaft Deutschland? Keine!

  10. sorry für den Insider, aber schau Dir Kapitel 4 aus Englmanns Vorlesung Konjunktur und Beschäftigung noch mal an. Dort wird die gleichgewichtige Staatsschuldenquote im Romermodell hergeleitet.

    Der gesamtwirtschaftliche intere Zinsfuß der Investitionen darf nur nicht geringer sein als der, der verdrängten privaten Investitionen.
    Problematisch ist jetzt halt die Bestimmung des ROI von z.B. Gesundheitsvorsorge, Ausbildung oder Sozialleistungen. Vor allem bei präventiven Maßnahmen sind die Opportunitätskosten schwer zu schätzen.

  11. Matthias

    Ganz anschaulich (da muss man auch nicht VWL studiert haben):

    Die Verschuldung eines Staates wird in % des BIP gemessen. Dadurch schrumpfen die Schulden eines Staates jährlich um Inflation + Wachstum. Was dazu führt, dass selbst mit einer moderaten Neuverschuldung die Verschuldung des Staates kleiner werden (bzw. sich einem Grenzwert nähern).

    Schön anschaulich erklärt hier: http://blog.zeit.de/herdentrieb/?p=87

  12. Die Neuverschuldung sagt doch noch nichts darüber aus, ob das ganze gesundist oder nicht. Wie Matthias schon treffend beschrieben hat, führt eine Neuverschuldung, die unterhalb der Summe aus Wachstum und Inflation liegt, sogar zum Schrumpfen der Schulden. Das interessante ist doch, dass sich der Staat im Endeffekt den größten Teil der neu aufgenommenen Kredite direkt vom Verbraucher oder den Versicherungen und Pensionskassen holt, denn nichts anderes passiert, wenn diese Bundesschuldverschreibungen kaufen.

  13. Schulden

    @Joe:
    Am 19. Juli 2007 um 12:41 Uhr

    Gibt es Länder, die kein Defizit vorweisen?

    Sehr guter Punkt. Das würde mich auch interessieren. Hat dazu jemand eine Antwort?

    Ist es aber nicht so, daß beinahe jedes Land dieser Erde nach und nach immer mehr Schulden anhäuft? Was wäre, wenn man alle Schulden weltweit „verrechnen“ würde? Ein wirklich interessante Vorstellung.

  14. Enrico

    Zitat „Gibt es Länder, die kein Defizit vorweisen?“
    sicherlich nicht. Ich glaube Singapur ist ohne Schulden.

  15. insolvenz

    Das Kaputtsparen der rot-roten Koalition hat offenbar ein Ende. Bei Bildung, Wissenschaft, innerer Sicherheit, Kultur, Sport, Straßenbau wurde in den vergangenen Jahren dermaßen hart gestrichen, dass die derzeitige Füllmentalität die allerwichtigsten Löcher stopft, die man vorher selbst gerissen hatte.

  16. Staat ohne Schulden. Das wäre ja so als würde es in der Wüste schneien ;-)

  17. bin zwar kein wirtschaftsexperte, aber ich glaube dass norwegen schuldenfrei ist. hauptgrund wird wohl das öl sein.

  18. Wenn aus Schulden Geld erst ensteht, wird es wohl nie eine Schuldenfreiheit geben. Sonst wäre ja all das Schuld-Geld weg. ;)

  19. dergsell

    Es gibt KEINEN Staat ohne Schulden auf dieser Welt. Jeder hat Schulden, nur die Frage ist, wenn jeder jemandem was schuldet, wem schuldet er dann eigentlich? Wer ist der jenige der abkassier???

  20. Das ist zwar eine wichtige Frage, aber nicht die einzige. Schließlich muss ich für die ganzen Schulden auch Zinsen zahlen.

    Und in der Tendenz ist es natürlich so, dass Geld von Vermögenden geliehen wird und dementsprechend auch sie von den Zinszahlungen profitieren. Wer kein Geld hat, von dem kann ich ja keins leihen. Also ist Staatsverschuldung letztenendes eine Umverteilung von unten (bzw. von allen) nach oben (an die, die dem Staat das Geld leihen).

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