Nochmal zur Schweizer Politik

Mich hätte echt mal interessiert, wie ihr das seht mit der Schweiz. Mich hat das etwas geschockt, weil ich nicht gedacht hätte, dass 26,6 % der Schweizer eine so rechte Partei wählen.

Das was ich da an Plakaten gesehen habe (siehe Links im oben verlinkten Artikel), spricht jedenfalls klar dafür, dass die bestenfalls mit dem rechten Rand der CSU vergleichbar sind. Und sowas wählt ein gutes Viertel der Schweizer? Wie kommt denn das?

Vielleicht hab ich ein falsches Bild und mich zu wenig mit der politischen Lage und der Einstellung der Gesellschaft in der Schweiz beschäftigt, aber ich dachte, die wären ganz friedlich. Hab da irgendwie eher ein skandinavisch-offenes Gesellschaftsbild im Kopf.

Ist das falsch? Oder ist das im Grunde schon so, nur die SVP ist die Kehrseite davon und hat aus irgendwelchen Gründen 2003 dann besonders viele Stimmen bekommen? Ist die SVP dauernd stärkste Kraft? Hat das vielleicht was mit dieser All-Parteien-Koalition, die es da in der Schweiz immer gibt, zu tun? Ist die SVP da mit drin?

Fragen über Fragen… antwortet mir jemand?

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11 Responses to “Nochmal zur Schweizer Politik”

  1. Kein Ahnung, ob das Deutsche Bild der Schweiz mit der Ricolawerbung zusammenhängt…
    …jedenfalls sind vielen Schweizern eindeutig zu viele Ausländer im eigenen Land, die sie am liebsten früher als später wieder loswerden würden.

  2. Die Schweiz hat weniger Einwohner als Bayern und mehr Berge…und in Bayern wählen 60% CSU. Connect the dots ;-)

  3. Siehe generell hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Schweiz#Politik

    Die SVP ist relativ etabliert und schon länger an den überparteilichen Schweizer Koalitionsregierungen („Zauberformel“) beteiligt.

    Meine persönliche Einschätzung: die Schweiz ist sowohl offener und liberaler als zugleich auch offener fremdenfeindlich als ihre größeren Nachbarländer. Ersteres hat mit der alten demokratischen Tradition und der Mehrsprachigkeit in einem überschaubaren Land zu tun, letzteres mit der Größe, dem Gefühl, als Sonderfall mit alter Tradition zusammenhalten zu müssen, und mit der starken direktdemokratischen Orientierung. Und damit, dass eine Befangheiten zur eigenen Tradition der Schweiz völlig fremd ist.

    Aber ganz so seltsam ist das auch nicht, wenn ich an die REPs und den rechten Rand der CDU in BaWü denke, und die Tatsache, dass die auch immer wieder gewählt werden — sozialstrukturell (bis hin zur demokratischen Tradition, sprich 1848 …) dürfte die Schweiz sogar eher mit BaWü als mit Bayern vergleichbar sein.

  4. So dann gebe ich mal als „Denkanstossgeber“ für die beiden Artikel auch mal meine Meinung kund.

    Ich habe beobachtet, dass in der Schweiz vieles radikaler gedacht wird wie in Deutschland. Die SVP versucht sich rechts zu positionieren, deutlich weiter als die CSU in Deutschland, die Grünen versuchen sich über ganz links zu platzieren, die anderen Parteien haben kein Profil. Der ganze Wahlkampf ist auf Köpfe ausgerichtet. Wenn ich die Wahlplakate betrachte, so stelle ich fest, dass Null inhaltliche Positionen vertreten werden, sondern nur Köpfe (auf Plakaten) gehängt werden. Da steht dann darunter „XY in den Grossrat“, „YX wieder in den Nationalrat“ usw…

    Inhaltlich wird da nicht arg gekämpft. Ausser eben die SVP. und die kämpft dafür besonders hässlich…

  5. Johannes Waldschütz

    @ Allparteienregierung.

    Die SVP ist in der Tat an der Allparteienregierung beteiligt. Während sie über lange Zeit nur einen der 7 Sitze im Bundesrat bekam (zwei gingen jeweils an SP, CVP und FDP) erstritt sie sich 2003, nachdem sie erstmals alleinige stärkste Partei geworden war einen zweiten Sitz, der seitdem von Christoph Blocher innegehalten wird (Die CVP hat jetzt nur noch einen Sitz).

    @ SVP
    Die SVP war über lange Zeit eine zwar sehr konservative aber nicht rechte PArtei. Seit Ende der 80-er Jahre ist sie das unter dem Parteivorsitzenden Christoph Blocher immer mehr geworden.
    Seitdem unterscheidet man in den Züricher und den Berner Flügel.
    Hierzu Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/S.....olkspartei

    * Der Berner Flügel, dessen Vertreter vorwiegend aus den traditionellen SVP-Hochburgen Kantonen Bern und Graubünden stammen (z.B. Samuel Schmid), vertrat bürgerlich-konservative Inhalte, gab sich aber als kooperativer Regierungspartner auf Kantons- und Gemeindeebene. Der Schwerpunkt der politischen Arbeit lag in der Interessenvertretung von Bauern, Klein- und Mittelbetrieben. Er befürwortete eine moderate Öffnung der Schweiz gegen aussen. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Richtung gehörte neben Bundesrat Schmid unter anderem Alt-Bundesrat Adolf Ogi, der von den Führern der SVP wegen seiner von der Parteilinie abweichenden Meinungen regelmässig desavouiert und kritisiert wurde.
    * Der Zürcher Flügel verstand die SVP als oppositionelle Protestpartei – auch dort, wo sie in der Kantons-, Gemeinde- und (neuerdings auch) Bundesexekutive (durch Christoph Blocher) vertreten war. Die Zürcher SVP-Vertreter versuchten, das oben erwähnte Parteiprogramm ohne Kompromisse durchzusetzen.

  6. Johannes Waldschütz

    eine Ergänzung vielleicht noch.
    in den letzten Jahren setzt sich immer mehr der Zürcher-Flügel durch

  7. Sehr interessant eure Kommentare. Das hat mir schon einiges gebracht. Hab dazu noch viel selbst woanders gelesen und bin nun einigermaßen im Bilde.

    Die SVP ist übrigens schon seit Beginn der Zauberformel, seit 1959, im Bundesrat (Regierung) vertreten. Von den sieben Sitzen hatte sie bis 2003 nur einen, weil sie bei der Einführung der Zauberformel die kleinste der vier großen Parteien war. Das hat Johannes ja auch noch weiter ausgeführt.

    Auch den Werdegang der SVP, den Johannes beschrieben hat, habe ich woanders so nachlesen können. Schon lange konservativ, aber nun immer weiter nach rechts driftend.

    Erschreckend dabei aber, dass sie dennoch (oder deswegen?) immer mehr Wähler bekommen. Christoph Blocher scheint das Ganze ja als Diffamierungskampagne zu inszenieren (die anderen gegen uns). Nun könnte ich mir vorstellen, dass das bei der Tradition der Schweiz mit der All-Parteien-Regierung und so nicht besonders gut ankommt. Könnte aber auch sein, dass es zumindest die SVP-Stammwählerschaft abermals mobilisiert. Und möglicherweise auch darüber hinaus, kann das ganz schwer einschätzen, wie so Schweizer Wechselwähler die Aktionen der SVP bewerten.

    Die Wirkung der SVP auf das Ausland wird in der Schweiz offenbar auch sehr stark diskutiert, so z.B. auch in diesem Schweizer Blog.

    Generell finde ich es übrigens sympathisch, dass es dort nicht zwei große Parteien gibt, sondern vier. Das macht die ganze Sache einfach spannender und weniger festgefahren. Wobei das durch die All-Parteien-Regierung nicht so richtig zur Geltung kommt, weil es ja keine Koalitionen gibt.

    Ach ja, bevor ich den Kommentar nun abschicke: Sehe ich das richtig, dass die Grünen – selbst wenn sie 20 % erreichen würden – nicht automatisch in den Bundesrat, also die Regierung, kommen würden?

  8. Carolus Magnus

    Sollten die Grünen auf 20% Wähleranteil kommen, müsste evaluiert werden, woher diese Stimmen abgeworben wurden. Die Grünen erheben bereits heute Anspruch auf einen Bundesratssitz. Die grosse Frage würde bei 20% Wähleranteil lauten: „Wer hat seinen Sessel um Bundesrat zu räumen?“

    Da sich die Politik in der Schweiz mehr und mehr polarisiert, d.h. die Ultra-Linken und die Ultra-Rechten gewinnen Stimmen, während die Mitteparteien wie etwa die CVP und der SVP-Anhängsel FDP an Stimmen verlieren, scheint sich das Land mehr und mehr zu spalten. (Rechter) Druck erzeugt Gegendruck.

    Die Rechten betreiben einen politischen Chauvinismus oder gar Sozialdarwinismus während die linken Grünen einen sogenannten Nanny- oder Überwachungsstaat wünschen, um so unter dem Deckmäntelchen der Gesundheit Macht aufzubauen, die nur auf auf Staatskontrolle bis in das Privatlegben und private Eigentum hineingreifen.

    Siehe auch Rauchverbote in der EU – dort ist derselbe Trend zu verfolgen.

    Auf meiner Website sind unzählige Artikel darüber – schau doch mal rein.

  9. Carolus Magnus

    Viel zu brav geschreiben – es ist um einiges Schlimmer!

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