Oswald Metzger ist kein Grüner mehr

Nun hat er es doch getan. Oswald Metzger hat seinen Parteiaustritt bei den Grünen erklärt. Ich war mir nach dem Parteitag ziemlich sicher, dass er es nicht tun würde. Die Anzeichen, die ich gesehen (und gehört) habe, waren aber vielleicht doch eher Anzeichen dafür, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat.

Oswald Metzger (2005 in Backnang)Es verlässt ein streitbarer, profilierter und über die Lager hinweg geschätzter Politiker die Grünen. Leider hat er jedoch oft dazu geneigt, sehr stark zuzuspitzen und dabei so manche Schmerzgrenze überschritten. Ohne seine populistischen Äußerungen zu Sozialhilfe-Empfängern in den Tagen vor dem Parteitag hätte sein Änderungsantrag sicher deutlich mehr Stimmen bekommen. Und noch mehr, wenn er nicht schon zuvor mit Austritt gedroht hätte. So wurde hier in diesem Punkt definitiv nicht nur anhand von Sachfragen entschieden.

Zum Glück haben wir neben ihm noch einige weitere Leute in unseren Reihen, die nachhaltige Finanzpolitik oder auch grüne Wirtschaftspolitik hochhalten – auch wenn er sicher der lauteste war. Für Oswald Metzger rückt Eugen Schlachter nach, der sich nicht nur namentlich, sondern auch inhaltlich wenig von ihm unterscheidet.

Man sollte es Oswald bei aller Kritik übrigens hoch anrechnen, dass er das Mandat zurückgibt – wenn auch erst nach einer Übergangszeit. Ich kann mich an keinen Parteiwechsel der letzten Jahre erinnern, wo dies der Fall war. Auch wenn es jedesmal hieß, das wäre ja das Mindeste.

Danke, Oswald, für viele gute Impulse, die du unserer Partei gegeben hast. Aber dieses Ende war definitiv unnötig. Im persönlichen Gespräch warst du immer einer der umgänglichsten Abgeordneten. Nach außen hingegen im Stil oft daneben. Auch die Debatte der letzten Wochen war doch viel mehr vom Stil her fatal als von der Sache. Um so trauriger ist dieses Ende.

13 Responses to “Oswald Metzger ist kein Grüner mehr”

  1. Euer (fast noch) einzig vernünftiger Finanz- und Wirtschaftsmann. Schade.

  2. Verstehe ich auch nicht, warum er jetzt noch austritt. Was solls, ich werde es nicht bloggen.

    Das mit dem Schlachter ist aber wirklich skurril. ;)

    Metzger soll ja im Phoenix-Interview gesagt haben:

    „Nun, ich war schon immer in der Minderheitenposition, als Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels der CDU … äh … der Grünen.“

    Goldig!

  3. Sebastian W.

    Irgendwann genügt ein kleiner Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und der Parteitag am Wochenende war’s dann wohl. Wenn Oswald es sich hätte leicht machen wollen, dann hätte er schon früher Lebewohl sagen können, irgendwo kann ich ihn da sehr gut verstehen.

    Ich hab nie viel von seinem Habitus oder seinem Engagement bei der ISNM gehalten, aber er hat die Partei bunter und in seinem speziellen Fall auch kompetenter gemacht. Und deswegen wird er – trotz Eugen Schlachter – sehr fehlen.

    Es beginnt sich so langsam eine Entwicklung innerhalb der Grünen abzuzeichnen, die aus meiner Sicht nur nachteilig sein kann. Die Wählbarkeit im gutsituierten bürgerlichen Spektrum geht zusehends verloren und weiter links ist kein Butterbrot zu gewinnen. Und das alles, weil man meint, dass man sich unbedingt von der Regierungszeit abgrenzen muss, die Integration von verschiedenen Strömungen nicht hinbekommt und bis aufs Messer bekämpfen muss.

    Nur: Von der einen Seite wird Polemik und Undifferenziertheit eher toleriert. Die Beschimpfungen à la „Kriegstreiber“ usw. sprechen da Bände…

    Wenn das so weitergeht, wird das ziemlich hart für die Grünen die kommenden Jahre. Am Ende kommt dann noch ne weitere Abspaltung wie in der Schweiz dabei raus… (–> http://www.schweiz.grunliberale.ch/) CDU und FDP sind ja nicht wirklich ne Alternative…

  4. Ich halte ja die INSM und ihre perfiden Machenschaften für eine der gefährlicheren Entwicklungen in unserem Land – und somit auch Herrn Metzgers „ehrenamtliches“ Engagement für diese Lobbyisten-Tarnorganisation. Somit fände ich es also gut, wenn er in Zukunft noch weniger eine Rolle spielen würde als bisher.
    Übertritte zur CDU scheinen ja bei den Grünen in Baden-Württemberg nicht gerade selten zu sein

  5. Nun wird Metzger endlich seine politische Heimat finden, als Vertreter einer

    Minderheitenposition, als Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels der CDU.

    Was seine persönliche Umgänglichkeit betrifft, lieber Henning Schürig, die ist kein besonderer Maßstab. Man findet persönliche Umgänglichkeit z.B. auch bei Ronald Schill.

    Wie gesagt: Umgänglichkeit eher ein Nebenpunkt. Wichtiger ist, welche Interessen vertreten werden, und welche polititischen Absichten verfolgt werden. Die Neoliberalisierung des Abendlandes, z.B. in Gestalt von Studiengebühren in Höhe von mehreren tausend Euro (Metzger-Forderung) mag man in dem klientelistischen Spezialverein FDP als vorbildlich ansehen, auch sein Engagement in der lügnerischen Tarnorganisation INSM – zu den Grünen passt das aber nun weniger.

  6. luis carlos

    Ich weiß nicht was die GRÜNEN wollen, Macht oder Basisdemokratie. Fischer wollte Macht und ist dafür Kriegsbefürworter geworden, Metzger wollte Macht und ist dadurch zur CDU gewechselt und die Übrigen? Das sinkende Schiff der Lügenbolde verlassen? Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker hat längst den Bundestag verlassen, was wollen die GRÜNEN das GRÜN machen? Die jämmerlichen Vorschläge zum nicht ausreichenden Grundeinkommen? Hier ist Grundeinkommen von ca. 1400 Euro gefragt, womit auch grüne Politiker ehrenamtlich arbeiten können, warum wollen diese so hohe Gehälter? Damit sie sich aus finanziellen Gründen an den Fraktionszwang halten und damit ihr Gewissen Art.38,1 GG verraten?
    Gruß
    Luis Carlos

  7. Zur Kommunalwahl 2004 ist in Konstanz einer der bekanntesten CDUler zur Grünen Liste übergetreten. Gibts also auch andersherum.

  8. @Luis Carlos
    Ich bewundere Menschen wie Sie, und noch mehr Ihre Überzeugung, unserer Gesellschaft sei grenzenlos reich – und könne sich ein Grundeinkommen in Höhe von 1.400,- Euro leisten. Soviel Optimismus verdient Respekt, was freilich – wenngleich nur minimal – dadurch getrübt wird, dass Sie Ihre politische Forderung niemals wirklich ernsthaft be- und durchdacht haben, sondern diese nur aus dem Mund eines übergeschnappten Milliardärs aufklaubten.

    Gut, nehmen wir einfach einmal an, dass 10 Millionen Rentner (die bislang im Schnitt 700 Euro zur Verfügung haben), Ihr Grundeinkommen wünschen (der Rest verzichtet drauf!), sowie 10 Millionen weitere Menschen (die übrigen verzichten drauf!), so erhält man zusätzliche Kosten in Höhe von 252 Milliarden Euro, pro Jahr, außerdem würde das Bruttosozialprodukt binnen weniger Jahre um rund 10% sinken – weil wir nämlich das Reich der Notwendigkeiten verlassen haben, was im oben angeführten Beispiel bei rund 10% der Arbeitnehmer dazu führen wird, dass diese jegliche Arbeit aufgeben. Wozu noch arbeiten, wozu sich den Zwängen der Arbeitswelt unterwerfen, wenn man ohne Arbeit in Saus und Braus leben kann?

    Eine Kleinfamilie mit drei Kindern hätte in Ihrem „Modell“ 7000 Euro zur Verfügung. Vermutlich stellen Sie sich zusätzlich eine komplette Änderung des Steuer- und Gesellschaftssystems vor, die ähnlich durchgreifenden Nutzen stiften wird, nun, und nebenbei alle Einkünfte aus Kapitaleinkommen steuerfrei stellt. Wo wir dann dort angekommen sind, wo Sie angefangen haben, nämlich bei Herrn Götz Werner und dessen durchgeknallten Ideen zur gesellschaftlichen Ordnung.

    Wie gesagt: Ich bewundere Menschen Ihres Schlages, und diese Bewunderung übertrifft meine Hochachtung gegenüber Oswals Metzger sogar noch um ein Vielfaches, wobei man bei Ihnen deutlich mildernd anmerken muss, dass Sie weder die politische Bedeutung von Oswals M. haben, noch sein ungebremstes Profilierungsstreben. Sie mögen zudem sogar ein sehr angenehmer, freundlicher, warmherziger und humorvoller Mensch sein. Nehmens Sie’s mir also nicht krumm.

    Aber ich hoffe nicht, dass Sie ein Grüner sind. Oder sind Sie das etwa doch??

  9. luis carlos

    Lieber Doktor Dean,

    ich bedanke mich herzlich, normalerweise reagieren die Menschen so wie Gandhi das beschrieben hat: Erst ignorieren sie dich, dann versuchen sie dich lächerlich zu machen, dann bekämpfen sie dich, und dann gewinnst du.
    Nun ich war ja mit meinen Ansichten persönlich mit Götz Werner in Kontakt, er schrieb mir u.a.: Getrennt maschieren, vereint schlagen. Ich möchte hier jetzt nicht meine Erkenntnisse die ich in diesem Prozess gewonnen habe, ausbreiten, damit das möglich ist was ich als Utopie habe . Doch wenn es sie interessiert erreichen sie mich unter luis.carlos@email.de, nur als Tipp, der Schlüssel kommt von den Religionen, nicht aus der Wirtschaft oder aus der Politik.
    Herzliche Grüße
    Luis Carlos

  10. schade, dass es so enden musste, aber es gab einfach keine andere wahl. ich hoffe mal, dass der herr schlachter sich da besser schlägt!

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