Klimaschutz: Ohne Eis kein Eisbär

Auch Stuttgart hat ja seinen Knut bzw. seine Flocke, nämlich Wilbär. Gerade vor ein paar Tagen hatte er sein erstes Bad in der Öffentlichkeit. Die nun auch lokal rollende Eisbär-Welle zum Anlass nehmend hat der grüne Landesverband Baden-Württemberg eine Klimaschutz-e-Card auf gruene-bw.de gepackt. Im aktuellen Newsletter „Grünes Blatt“ steht dazu:

Wilbär (Klimaschutz-e-Card der Grünen Baden-Württemberg)„Ohne Eis kein Eisbär. Während der kleine Wilbär zum neuen Star der Stuttgarter Wilhelma avanciert, kämpfen Wilbärs Tanten und Onkel in der Arktis ums Überleben. Durch den Klimawandel schmilzt ihnen das Eis unter den Füßen weg.

Deshalb machen die baden-württembergisch- en Grünen mit ihrer aktuellen E-Card unter dem Motto „Klima schützen – Wilbärs Tante retten“ auf die verheerenden Folgen des Klimawandels für Mensch, Tier und Umwelt aufmerksam. Wichtig ist dabei: Der Klimawandel ist kein Schicksal. Wir alle können selbst gegen die globale Erwärmung aktiv werden. Deshalb erhalten die BesucherInnen und Besucher der Grünen-Website auch konkrete Tipps, was sie im Alltag für den Klimaschutz tun können. >> www.gruene-bw.de

4 Responses to “Klimaschutz: Ohne Eis kein Eisbär”

  1. Auch wenn Eisbären niedlich sind, nervt mich an dieser Aktion, dass Stuttgart sich mal wieder für den Nabel der Welt bzw. des Ländles hält. Okay — nach „Knut“ und „Flocke“ gibt’s jetzt auch im Landeszoo Wilhelma ein Eisbärkind. (BTW: „Wilbur“ als Name wäre ja noch ganz witzig gewesen, aber „Wilbär“?). Die überörtlichen Medien sind nicht mehr ganz so interessiert wie an Eisbärbaby 1 und 2, in der Badischen Zeitung taucht der Eisbär zumindest noch in der Rubrik „Land & Region“ (aka „Nachrichten aus Stuttgart“) auf (die Stuttgarter hatte ihn auf dem Titel, oder?).

    Das Aufspringen auf diesen Zug durch unsere liebe Partei erscheint mir daher dann doch etwas uninnovativ.

    Wo ich schon mal am Nörgeln bin — auch die mit dieser Aktion letztlich beworbenen Klimaschutztipps dürften den meisten Menschen, die diese e-Postkarte zu Gesicht bekommen, bekannt vorkommen:

    Ökostrom – Der Wechsel lohnt sich…
    denn so werden Umwelt und Klima geschont. Einfach und schnell.

    Lass auch mal Dein Auto stehen…
    denn 50 Prozent aller Autofahrten in den Städten sind kürzer als 5 Kilometer – und lassen sich problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen.

    Bleib nicht auf Stand-by…
    denn ein PC oder Fernseher verbraucht bis zu 70 Prozent des Stroms im Stand-by-Modus. Das ist teuer und schadet dem Klima.

    Lecker regional und bio essen…
    denn beim Bioanbau wird nur etwa die Hälfte an Energie benötigt und CO2-Emmissionen durch den Lebensmittel-Transport vermieden. Gerne auch mal fleischlos.

    Energiesparlampen – Der Wechsel lohnt sich…
    denn mit Energiesparlampen kannst Du 65 kg CO2 pro Jahr sparen.

    Misch Dich ein und mach Klimaschutz zum Thema…
    damit auch andere zu KlimaschützerInnen werden und genug Druck auf Politik und Wirtschaft entsteht, endlich konsequent gegen den Klimawandel aktiv werden.

    Das erinnert so ein bißchen an die Mülltrennungspropaganda. Und ist — um beim Eisbären zu bleiben — nicht Fisch, noch Fleisch. Sondern es sind Dinge, die einem vielleicht das Gefühl geben, was Gutes zu tun — der Urlaubsflug nach Mallorca oder London haut die CO2-Einsparung dann wieder raus. Eigentlich (jetzt mal aus Klimaschutzgesichtspunkten) müsste da die Forderung nach einem weitgehenden Lebensstilwandel stehen, die natürlich so auch nicht ankommt. Eine knifflige Kommunikationsaufgabe, auf „Vermischtes“-Niveau lässt sich die meiner Meinung nach jedoch nicht lösen.

  2. Ich kann deine Kritik teilweise nachvollziehen, aber dennoch denke ich, dass es richtig ist, auch auf diesen Zug aufzuspringen. Und wenn’s nur fünf Leute wachrüttelt, dann sind das immerhin fünf mehr als vorher. Gerade wenn man – wie du ja auch – noch nicht weiß, was denn der kommunikative Königsweg hier wäre.

    Außerdem glaube ich, dass die von dir oben zitierten Klimaschutz-im-Alltag-Taten zwar inzwischen vielen bekannt sind, aber noch nicht verinnerlicht. Dazu hilft es definitiv, wenn man sie oft hört/liest etc.

    Ich glaube, wir sind an einem Punkt, wo viele bei der Frage „Was kann man im Alltag für den Klimaschutz tun?“ einige dieser Punkte oben nennen würden. Aber wenn sie gerade das Gegenteil von dem machen, leuchtet noch nicht die rote Lampe im Kopf, die sagt „Das ist jetzt aber klimaschädlich“.

  3. Ich habe mir zu „Dazu hilft es definitiv, wenn man sie oft hört/liest etc.“ ja nun durchaus den Stand der wiss. Literatur angeschaut, und kann sagen, dass es, wenn’s nicht um Klimaschutz, sondern um Umwelt allgemein geht, erstens extrem viel Literatur gibt und dass zweitens seit etwa dreißig Jahren ein Streit darum existiert, ob es einen Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln gibt. Tendenziell sieht das eher nicht so aus. Ich kann mir gut vorstellen, dass inzwischen ziemlich viele Leute wissen, dass Energiesparlampen, Verzicht auf Standby und Auto „gut für die Umwelt sind“ (beim regionalen Bioessen dürfte das m.E. weniger klar sein), und dass es möglicherweise sogar viele gibt, die ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Glühbirnen verwenden, Geräte im Standbymodus laufen lassen, oder Autofahren — nur ändern sich die Handlungen halt trotzdem nicht, oder nur sehr begrenzt. Um im Bild zu bleiben: die rote Ampel leuchtet, wird aber ignoriert.

    Warum das so ist, dazu gibt es unterschiedliche Theorien. Das eine, mir etwas zu ökonomistische, ist die Low-cost-Hypothese aus der Schweiz — kurz gesagt: je größer die Kosten für eine Umweltverhaltensänderung sind, desto eher bleibt es beim alten Verhalten. D.h. bspw., dass die Energiesparlampe vielleicht genutzt wird (jedenfalls die für 3 Euro von Aldi), aber dass trotzdem das Auto weiter Hauptverkehrsmittel bleibt.

    Der andere grundsätzliche Ansatz, der mir näher liegt, ist der, Menschen zu unterstellen, dass ihr Verhalten nur zu einem relativ geringen Teil auf bewussten Entscheidungen beruht, und dass viel „eingefleischte“ Praktiken und Routinen sind. Die ändern sich nur auf erheblichen Druck von außen (z.B., weil jemand ein Kind bekommt und dann anfängt, über Gesundheit und Essen nachzudenken, und dann tatsächlich anfängt, seine Ernährung umzustellen). Das würde heißen: erstens so viel wie möglich Umweltschutz „unbemerkt“ in Technik und Infrastruktur einbauen, ohne dass dazu Verhaltensänderungen notwendig sind (z.B. Energiesparlampen, die wie Glühbirnen aussehen, z.B. Autos, die weniger Sprit verbrauchen, z.B. Bio-Essen im Supermarkt), zweitens genau zu überlegen, wie nachhaltigere Praktiken an den existierenden Praxiskanon in bestimmten Milieus anschlussfähig sind (also für die Energiesparlampen z.B. nicht mit sinkenden Eisbären werben, sondern v.a. mit der finanziellen Ersparnis; generell gibt es zu dieser Thematik eine ganz interessante Studie von Silke Kleinhückelkotten) und drittens — meine ich jedenfalls — das „ganze Paket“ nachhaltiger Konsum parallel zu 1 und 2 auch als identitären Lebensstil anzubieten (karma-konsum.de oder utopia.de gehen in die Richtung).

  4. DerHans

    Warum denn uninnovativ?
    Alles, was mit Klimaschutz und umweltpolitischen Schutzmaßnahmen zu tun hat, finde ich sehr originell, zukunftsweisend und erstrebenswert. Natürlich auch nur solange, wie die wahre Absicht den Klimaschutz beinhaltet und solche Umweltprogramme nicht zur Bekanntheits- bzw. Popularitätssteigerung beitragen soll.
    Mein persönlicher Beitrag zum Klimaschutz ist der Erwerb einer neuen Eismaschine:P

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