Pendlerpauschale – wenn, dann so

Im Prinzip bin ich ja gegen jede Form einer Pendlerpauschale. Warum soll ich den Menschen, die ihren Arbeitsplatz weiter weg suchen, einen Zuschuss zahlen? Warum denen, die auf dem Land leben wollen, aber in der Stadt arbeiten und damit Flächen versiegeln und Verkehr erzeugen, dafür auch noch Steuergelder geben? Wir zahlen den Städtern ja auch keinen Mietzuschuss, weil sie in der Stadt wohnen (obwohl das ökologisch sinnvoller ist und somit eher gefördert werden müsste).

Mal ganz abgesehen davon, dass jegliche steuerliche Absetzbarkeit sowieso immer am meisten denen nutzt, die viel verdienen.

Aber noch bescheuerter als überhaupt eine Pendlerpauschale zu haben, finde ich es, eine Pendlerpauschale zu haben, die denen, die kürzere Wege zurücklegen, gar nichts zahlt und denen, die richtig viel Verkehr erzeugen, dann um so mehr. Aktuell bekommt man ja erst ab 20 km Entfernung etwas (30 Cent pro Kilometer).

Gut fand ich dagegen die noch unter Rot-Grün eingeführte Änderung, dass das Verkehrsmittel egal ist. Ob man zu Fuß geht, mit dem Fahrrad fährt, mit der Bahn oder mit dem Auto – es gilt pro Kilometer (heißt auch offiziell Entfernungspauschale). Wie das vorher genau war, weiß ich allerdings gerade nicht.

Um aber nun auf den Punkt zu kommen: Wenn wir schon eine Pendlerpauschale haben, dann lieber eine mit 15 Cent pro Kilometer ab der Haustür als 30 Cent pro Kilometer für die, die 20 km und mehr zurücklegen. Die bessere Alternative wäre aber immer noch, wenn man das Geld für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs einsetzen würde. Da stimme ich voll mit der stellvertretenden grünen Fraktionsvorsitzenden Bärbel Höhn überein.

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14 Responses to “Pendlerpauschale – wenn, dann so”

  1. Mal ganz abgesehen davon, dass jegliche steuerliche Absetzbarkeit sowieso immer am meisten denen nutzt, die viel verdienen.

    …die viel verdienen, weil sie mehr arbeiten bzw. mehr leisten als andere!

    Abgesehen davon hast Du aber ordnungspolitisch Recht: Pendlerpauschale ist Mist. (frei nach Müntefering)

  2. Das Problem dabei ist, dass die Pendlerpauschale auf dem Land sehr wichtig war/ist. Deswegen waren die Leute über die Änderung dort besonders sauer. Du hast auf dem Land keine Möglichkeit „schnell mal“ den Bus zu nehmen und relativ sicher mit dem Rad zur Arbeit zu kommen.
    Das löst man meist auch kaum mit dem Ausbau des Nahverkehrs. Denn es lohnt sich einfach nicht die kleinen Käffer zu verbinden.

    Deswegen ist z.B. in Bayern im Landtagwahlkampf gerade Feuer unterm Dach. Die CSU – die ja die Pendlerpauschale abgeschafft hat, will diese nun wieder unbedingt zurück und stellt sich als Retter des kleinen Mannes dar.

    Deine Argumente sind durchaus richtig, aber werden dem Pendler wenig zusagen. :)

  3. Besser wäre es trotzdem, die per Pendlerpauschale ausgeschütteten Subventionen auf das Gesamteinkommensteuereinkommen umzulegen, so dass die Steuersätze entsprechend niedriger sind.

    Wenn jemand auf dem Lande wohnt und zur Arbeit in die Stadt pendelt, dann ist das seine eigene Entscheidung. Er könnte ja auch in die Nähe seiner Arbeitsstelle ziehen.

  4. „Wenn jemand auf dem Lande wohnt und zur Arbeit in die Stadt pendelt, dann ist das seine eigene Entscheidung. Er könnte ja auch in die Nähe seiner Arbeitsstelle ziehen.“

    Ja, sicher. Auch wenn das viele bestreiten würden. Jemand hat mal zu mir gesagt: Die Leute haben Lebensqualität gewollt und dafür die lange Strecke in Kauf genommen. Dafür sind ihre Mieten nun billiger.

    Allerdings mit dem Bild vom super flexiblen Arbeitnehmer möchte ich nicht zu 100% so umgehen. Spätestens wenn ich Kinder habe, wird das „schnell mal zum neuen Arbeitsplatz umziehen“ ein Problem.

  5. Es ist schon richtig, dass es nicht sein darf, dass hohe Einkommen, bei denen könnte man wirklich von „Spaß“ sprechen, von einer Pendlerpauschale am meisten profitieren. Wenn ich meine Kollegen sehe, die rund 70-100 TEUR einstecken, ein großes Haus in der Nähe Rosenheims haben und damit wirklich zum Spaß jeden Tag 160 km zurücklegen, die sich dann noch über die Benzinkosten aufregen, dann könnte ich kotzen.
    Geringverdiener und Familienväter, die (häufig in strukturschwächeren Gegenden) für einen Bruchteil dieser Summen teilweise lange Wege auf sich nehmen um überhaupt eine vernünftige Arbeit zu finden, haben von einer steuerlichen Absetzungsmöglichkeit zu gut wie nichts.
    Eine Erhöhung würde somit genau die falschen treffen. Komisch, dass das so noch nie ein CSU-Spezl vor einer Kamera gesagt hat.

  6. Klingt fast so wie Blinde, die von der Farbe sprechen – bezogen auf dieses „könnte ja näher an seine Arbeitsstelle ziehen“. Kann er nämlich eben nicht. Auf dem Land läuft das alles ein bisschen anders. Da baut jeder sein Häuschen, da sind die Urgroßeltern schon zusammen in die Schule gegangen und jetzt wollte der Bub halt Ingenieur werden und muss dafür jeden Tag 100km durch die Gegend gondeln. Seine Wurzeln würde er dafür nie kappen, eher Arbeitslos werden. Für ihn gab´s ne Pendlerpauschale und da gehört sie auch hin. Ausbau des Nahverkehrs klingt gut, allerdings wurde in der ländlichen Region die ich kenne der historische Fehler begangen massiv Nahverkehr abzubauen, also Bahnstrecken stillzulegen, Busverbindungen zu kappen aber die Straße von der Autobahn zum Ryanair-Billigflughafen massiv auszubauen. Nur mal so als kleiner Perspektiv-Wechsel…

  7. Er könnte schön näher an seine Arbeitsstelle ziehen, aber er möchte es aus den oben genannten Gründen nicht. Das ist sein gutes Recht, er muss dafür aber die Konsequenzen selbst tragen. Er kann nicht von der Allgemeinheit verlangen, dass sie ihm diese Entscheidung subventioniert. Im Gegenzug dafür, dass er 100km zur Arbeit fährt konnte er sich ein billigeres Haus bauen oder eine billigere Wohnung kaufen, was in der Großstadt so nicht möglich gewesen wäre. Hohe Mieten / geringe Fahrkosten oder geringe Mieten / hohe Fahrtkosten, das müsste der Markt durch die Preise ausgleichen. Das Problem liegt darin, dass die Pendlerpauschale diesen Marktpreis verfälscht hat. Wenn man die Pendlerpauschale jetzt streichen würde, so würde die Kalkulation, die der jeweiligen Entscheidung zugrunde gelegt wurde, nicht mehr stimmen.

  8. Pffff, naja, was passiert ist, dass sein Arbeitgeber, ehemaliges Staatsunternehmen, ihm anbietet, mit 54 in Vorruhestand zu gehn. Jetzt rate was er machen wird, weil die Fahrtkosten – und ja, er fährt in Fahrgemeinschaft – den Verlust, den er durch den Vorruhestand macht mehr oder weniger ausgleicht…

  9. > Aktuell bekommt man ja erst ab 20 km

    Muss mal bissle korinthen… ;-) Man bekommt aktuell erst ab 21 km…

    Das mit dem Nahverkehr auf dem Land sehe ich aehnlich, auch wenn ich nicht auf dem Land wohne. Allgemein ist der Nahverkehr wohl auch noch zu teuer bzw. im Preis/Leistungsverhaeltnis das Auto NOCH (oft) guenstiger. Vielleicht muesste man sich hier wie bei den Steuern mal mit der sogen. „Laffer-Kurve“ beschaeftigen. Ein guenstigeres OEPNV Ticket koennte dann u.U. mehr Gewinn erzielen!

  10. Da reden wieder einmal viele recht schlau daher! Fest steht, nicht jeder der pendelt tut dies freiwillig, einen guten Arbeitsplatz zu finden ist regelmäßig nicht „vor der Haustüre“ zu machen und man zieht auch nicht einfach mal so um wenn man an einem Ort familiär gebunden ist .. !

  11. Da hat Martin Recht. In den wenigsten Faellen findet man etwas vor der Haustuer. Und es waere theoretisch ja auch kein so grosses Problem, wuerden die Meisten den OEPNV benutzen. Aber das ist den meisten schlichtweg zu teuer oder sie sind schlecht angebunden.

    Wenns nur darum ginge dass man Reiche nicht noch „weiter beschenken“ will, koennte man ja sagen: Pendlerpausch nur dann, wenn Bruttojahreseinkommen

  12. Mein Kommentar wurde in der Haelfte abgeschnitte, wohl wegen dem Kleiner-Zeichen. Hier der Rest:

    , wenn Bruttojahreseinkommen kleiner X Euro. Das wuerde allerdings wieder findige Steuerberater & Co auf den Plan rufen..

    Man koennte ja einen Anreiz schaffen in der Form: wenn Sie nachweislich den OEPNV nutzen, dann … das Ganze muss man halt gut verkaufen. Aber auf dem Land ist die OEPNV Anbindung leider nicht immer gut. Ob man sich mit der Privatisierung der Bahn einen Gefallen tut, muss man eh noch absehen.

  13. Bleibt die Frage, warum der Staat Wege zur Arbeit subventionieren soll. Zumal jegliches Absetzen von der Steuer ja immer denen am meisten bringt, die am meisten Steuern zahlen.

    Wer unter der Steuergrenze ist, hat davon überhaupt nichts.

    Und Stichwort ÖPNV zu teuer: Dann lasst uns doch das Geld für die Pendlerpauschale lieber in den ÖPNV stecken, damit der billiger werden kann.

  14. > Zumal jegliches Absetzen von der Steuer ja immer denen am meisten bringt, die am meisten Steuern zahlen.

    Korrekt. Erschwerend kommt m.E. noch hinzu, dass Absetzen ja nicht etwa „Geld zurueck“ bedeutet, d.h. man bekommt so oder so nicht das raus, was man ausgegeben hat. Was aber einige irgendwie irrtuemlich glauben ,)

    Wenn man die Pendlerpausch streichen und dafuer das Geld (wirklich und langfristig!! also nicht wie beim Soli ;-)) in den OEPNV stecken wuerde, und damit der Ausbau besser und die Tickets billiger werden koennten, verringert man damit auch: Strassenverkehr, dadurch bedingte Unfaelle oder Umweltprobleme. Alles recht theoretisch natuerlich, in der Praxis gibts sicher noch einige Probleme zu loesen.

    Allerdings haben „wir“ Deutschen eh schon kein Vertrauen mehr in die Politik, oder so aehnlich, aufgrund Lobbyismus usw. Auch interessant:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz

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