Autofahrer zahlen das Vierfache der Kosten?

Unser neuer Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat ja schon ein großes Wendemanöver an einem Tag hinter sich. Kurz hat er mal eine Maut gefordert, dann jedoch sofort wieder Kehrt gemacht als Protest kam.

Der Protest ebbt jedoch nicht ab, so las ich eben auf SPON folgenden Protest des ADAC:

Deutschlands größter Autoverband, der ADAC, protestiert derweil gegen Ramsauers Maut-Idee. der Verband beruft sich dabei auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Nach dieser decken die deutschen Pkw-Fahrer die von ihnen verursachten Kosten für Straßenbau und Unterhalt um mehr als das Vierfache. So würden für einen Euro an Kosten 4,15 Euro an Steuern und Abgaben erhoben. Auch die Autofahrer aus dem Ausland, die ohnehin nur einen minimalen Verkehrsanteil haben, deckten über die beim Tanken bezahlte Mineralölsteuer ihre Kosten auf unseren Autobahnen nach der genannten Studie um das Doppelte.

Das klingt erstmal tierisch beeindruckend. Es werden sogar noch weitere Zahlen hinterhergeschoben:

Rechne man die spezifischen Abgaben des Straßenverkehrs zusammen (Mineralölsteuer, Kfz-Steuer, anteilige Mehrwertsteuer auf die Mineralölsteuer und Lkw-Autobahngebühr), komme man auf 53 Milliarden Euro, die an den deutschen Fiskus gehen. Dem gegenüber stünden lediglich rund 18 Milliarden Euro pro Jahr, die Bund, Länder und Gemeinden für das Straßennetz ausgäben. „Wer angesichts dieser Zahlen sagt, die Straßennutzer müssten stärker an den Kosten beteiligt werden, verdreht bewusst die Tatsachen zu Lasten der Autofahrer“, sagte ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker.

Das sind starke Worte vom ADAC. Es stellt sich aber die Frage, wer hier am Ende die Tatsachen verdreht. Schon im Grundstudium lernten wir in VWL was über externe Kosten. Mal ganz einfach gesagt: Autofahren schadet der Umwelt und das zu reparieren oder einigermaßen auszugleichen, kostet Geld. Mal ganz abgesehen davon, was der Klimawandel uns alles an Kosten aufbürdet.

Dies nennt man externe Kosten. Die werden leider selten bezahlt, so auch hier. Ich hab die Zahlen gerade nicht im Kopf, aber um die externen Kosten zu decken, müsste der Benzinpreis noch viel höher sein.
Der ADAC bzw. die Studie vom DIW lässt diese Kosten hier schön weg und kommt so zum Bild des armen, geschröpften Autofahrers.

2 Responses to “Autofahrer zahlen das Vierfache der Kosten?”

  1. Jetzt nur mal das CO2 im Emissionshandel noch dazu wären nach meiner Rechnung ca. 8Mrd.€/a. Das macht den Kohl zwar auch nicht fett aber CO2 ist ja nicht das einzige.

  2. Ich kann den ADAC in vielen Fällen nicht mehr ernst nehmen. Oder aber er vertritt eine allgemeine Grundhaltung die ebenfalls schrecklich ist.
    Ich habe vor kurzem einen Bericht über den Toyota Prius gelesen. Hybrid – relativ niedrige Verbrauchswerte – alles schön. Was der ADAC Bericht bemängelte. war die „lahme“ Fahrweise wegen der schwachen Motorisierung. Also schaut man sich die „schwache Motorisierung“ an und sieht, dass das Ding 136 PS hat !!!!!!
    Die Entwicklung der Autos in den letzen Jahren ist aber allgemnein so. Unter 100 PS gibts fast nix mehr und was den Spritverbrauch angeht werden die Werte immer abenteuerlicher. Da wird an Elektroautos geforscht – die ja auch ihre Energie irgendwoher kriegen müssen und solange es keine Solarkraftwerke gibt wird das ebenfalls CO2 intensiv erzeugt. Dann werden Zahlen von vielleicht 1 Million E-Autos bis 2020 genannt was kaum CO2 Einsparung bringen kann und die naheliegende Idee, dass man eigentlich schon längst mit 3 (bis vielleicht 5) Litern pro 100 km eigentlich problemlos auskommen würde, wenn man die Leistung zurückschrauben würde, wird eigentlich kaum publiziert.
    Irgendwann – und das nicht mehr alzu weit weg – wird Öl wirklich schwer zu fördern sein (die Umweltzerstörung in Kanada beim Ölschieferabbau ist enorm) und der Ölpreis wird seeeeehr stark steigen.
    Und statt diesen Moment hinauszuschieben indem man endlich anfängt sparsamer zu fahren werden auf Teufel komm raus immer stärkere und verbrauchsintensivere Fahrzeuge gebaut.
    Ich fürchte das die Zukunft irgendwann eben dadurch den mobilen Autoverkehr praktisch völlig verhindern wird. Gut für die Klimasituation – aber diese Gesellschaft ist nur auf Mobilität (privat, beruflich, Transportsystm) aufgebaut und das wird eine Krise werden die man sich derzeit gar nicht vorstellen kann.
    Und mir wärs halt lieber mit 2-3 Litern pro 100 km langsam irgendwohin zu kommen (wobei langsam halt heisst, dass man eben bei 100 km/h an Grenzen kommt) als mit 180 durch die Gegend zu rasen und 5 Euro je Liter zahlen zu müssen.
    Und ein generell stark verringerter Verbrauch lässt auch Chancen für regenerativ erzeugte Treibstoffe. Die derzeitigen Verbrauchswerte lassen sich ohne da die Nahrungsmittelproduktion stark zu beeinflussen niemals regenerativ herstellen.

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