Banking ökologisch und sozial

Als ich noch ein kleines Kind war, haben meine Eltern für mich drei Sparbücher eingerichtet. Bei jeder Bank auf unserem Dorf eines. Eines bei der Sparkasse, wo mein Vater Kunde ist, eines bei der Postbank, wo meine Mutter Kundin ist und eines bei der Volksbank.

Vermutlich deshalb überall, weil ich so am Weltspartag dreimal Spardosen, Kuscheltiere oder andere schöne Dinge geschenkt bekam. Die Banken sind ohnehin alle drei nebeneinander im kleinen Dorfzentrum. Genau weiß ich es aber nicht.

Es war dann weniger die Abgrenzung von den Eltern als vielmehr das für mich interessante Jeans-Sparbuch-Konzept das dazu führte, dass die Volksbank vor Ort meine Hauptbank wurde. Nicht nur, dass das Sparbuch von außen dem Stoff einer Jeans ähnelte, nein, für jede eingezahlte Mark bekam ich einen Jeans-Sparpunkt, den ich auf meinen Jeans-Spar-Kalender kleben konnte. Hatte ich 30 Punkte voll, konnte ich das Blatt abgeben und bekam ein Geschenk.

Das Jeans-Sparen hatte allerdings eine Altersgrenze und hörte somit irgendwann auf. Allerdings hatte ich dann ein Girokonto dort – mit eigener ec-Karte. Das war schon was Tolles. Als ich dann 2001 aus unserem Dorf wegzog, blieb ich bei der Volksbank und führte meine Bankgeschäfte per Online-Banking durch.

Jetzt steht ja demnächst das erste richtige Gehalt an und man macht sich so seine Gedanken über alles mögliche. Steuern, Krankenversicherung, Riester-Rente, Berufsunfähigkeitsversicherung und eben auch über seine Bank. Eigentlich war schon lange klar, dass ich nach dem Studium von der Dorf-Volksbank 600 km entfernt von Stuttgart wegmöchte zu einer Bank vor Ort.

GLS-Bank (Logo)Irgendwann innerhalb der letzten 1-2 Jahre stieß ich auf Twitter auf die GLS-Bank. Eine Bank, die selbst twittert, ist ja schon mal was Besonderes. Aber das ist nicht das Einzige, was die GLS-Bank besonders macht. Bei ihr regiert nicht das Geld allein, auch Ethik spielt eine Rolle.

Daher investiert die GLS-Bank ihr Geld nach ökologischen und sozialen Kriterien. „Das Gegenteil der Bad Bank“, schreibt dazu der Tagesspiegel in einem Artikel mit dem Titel „Die Geldverbesserer“. Spekulationen am Finanzmarkt finden nicht statt, die GLS-Bank vergibt stattdessen Kredite für Investitionen, die zu ihren Richtlinien passen.

Jeder Kunde kann zudem angeben, welchen Bereich er mit seinem Geld gefördert haben möchte: Ökologische Baufinanzierung, erneuerbare Energien, Leben im Alter, Freie Schulen und Kindergärten, Gesundheit, ökologische Landwirtschaft, Behinderten-Einrichtungen, Wohnprojekte, Kultur oder die Biobranche. Wohin das Geld fließt, macht die GLS-Bank außerdem sehr transparent.

Möglich wird dies unter anderem dadurch, dass die Mitglieder der GLS-Bank, also diejenigen, die Anteile an der Eingetragenen Genossenschaft (eG) halten, hierfür keine Dividende bekommen. Außerdem kann man als Anleger ganz oder teilweise auf seine Zinsen verzichten – wenn man denn möchte.
Aber auch ohne diesen Verzicht tut man mit seinem Geld bei der GLS-Bank Gutes, denn man kann sicher sein, dass damit nicht die Rüstungsindustrie, Atomkraftwerke oder andere ethisch schwer bis gar nicht vertretbare Dinge unterstützt werden. Bei herkömmlichen Banken weiß man das nicht. Da zählt nur die Rendite, der maximal mögliche Ertrag.

Ich bin jetzt übrigens durch Zufall gestern wieder auf die GLS-Bank aufmerksam geworden als ich auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken durch einen Linktipp beim Utopia-Einkaufsratgeber landete und dann ein paar Klicks weiter bei ökosozialen Banken landete.

GeldEine Bank, die twittert und bloggt, ökologische und soziale Investitionen fördert und noch dazu in Stuttgart eine Filiale hat – was will ich mehr? Ich werde vielleicht noch heute dort vorbeigehen und mich zumindest mal beraten lassen, vielleicht aber auch direkt ein Konto eröffnen.

Vom Girokonto übers Sparbuch bis hin zur Kreditkarte – alles dabei. Und es ist noch dazu auch noch etwa 30 EUR pro Jahr billiger als wenn ich bei der LBBW ein BW-extend-Konto eröffne. Mal ganz abgesehen von der Krisenfestigkeit der beiden Banken.
Bei der Stuttgarter Volksbank wäre es noch etwas billiger, aber die 16 EUR jährlich mehr kann man für den ökologisch-sozialen Hintergrund schon mal ausgeben.

Ach ja, die Einlagen bei der GLS sind über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) abgesichert und Geld abheben kann ich wie bisher auch kostenlos an jedem Automaten der Volksbanken, Raiffeisenbanken oder der Sparda-Bank – oder gegen Gebühr an fremden Automaten.

Einige Videos zur GLS-Bank gibt’s in deren YouTube-Account und ansonsten Infos auf der Website. Per Twitter haben sie sich bei mir auch schon gemeldet. Ich ruf jetzt mal in der Stuttgarter Filiale an.

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27 Responses to “Banking ökologisch und sozial”

  1. Klingt sehr vielversprechend. Suche schon seit längerem nach soetwas (oder suchen ist übertrieben, ich halte meine Augen offen).

  2. Wir freuen uns sehr über Ihren Artikel und die Wertschätzung, die Sie unserer Arbeit damit entgegenbringen. Vielen Dank dafür.
    Wenn wir Sie auf Ihrem Weg, GLS Bank-Kunde zu werden, irgendwie unterstützen können, lassen Sie uns das bitte wissen. Wir sind nicht nur im Netz sondern auch persönlich am Eugensplatz oder telefonisch unter 0234 5797-200 für Sie da und beantworten gerne Ihre Fragen.
    Ihnen noch eine schöne Vorweihnachtszeit und ein herzliches „Glück auf“ aus Bochum!

  3. Man kann imho (Johannes Korten wird es ggf. bestätigen können) auch bei der Reise-Bank kostenlos Geld abholen. Die sind ja fast an jedem Bahnhof und Flughafen.

  4. Hui, das mit der Reisebank wusste ich auch noch nicht ;)
    Ich bin jetzt seit ca. einem halben Jahr Kunde der GLS Bank und bis dato voll zufrieden. Dass ich weiß was mit meinem Geld passiert, gibt mir ein gutes Gefühl, daher habe ich sowohl Privat- als auch Geschäftskonto bei der GLS Bank: http://nuspirit.de/blog/detail.....-foerdern/

  5. … bzw. an rund 18.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken.

    Ich bin auch seit einiger Zeit bei der GLS. Auch, wenn ich als Student nicht allzu viele Transaktionen tätige, ist es hervorragend (& Junges Konto kostenlos).
    so bin ich bei der GLS dabei:
    • Girokonto fürs Tägliche…
    • Sparkonto mit Verzinsung (für die Reserven und dass nicht allzu viel mit der Bankkarte geklaut werden könnte, falls doch geknackt).
    Mit online-Banking innerhalb von Sekunden aufs Giro zu schaufeln…
    • Mitgliedschaft, um „besonders viel zu bewegen”: Die GLS kann das 12,5-fache ihres Kapitalstocks an ihre förderwürdigen Projekte & Kunden verleihen. Dazu braucht es viele Mitglieder.

    Bin einfach begeistert von der Transparenz und ihrem Ziel!

    Mein altes Giro bei der Bank im Dorf brauch ich gar nicht mehr, liegt brach ;)

    ach – noch was: ich verdien‘ keinen Cent, dass ich positive Kommentare schreibe – solls ja auch schon geben… ;)

  6. Mich stört bei GLS so ein bißchen der anthroposophische Hintergrund (gut, denn haben dm und Alnatura und Weleda und … auch). (Stimmt doch, oder?)

    Deswegen, aber auch aus Bequemlichkeit, habe ich, ähnlich wie Henning das oben schreibt, weiterhin mein Girokonto bei einer Raiffeisenbank (sind allerdings nur 5 km bis zu dem Dorf, keine 600). Gut daran finde ich das Genossenschaftsprinzip, schlecht die Tatsache, dass auf meine Frage nach ökologischen Geldanlagen dann erstmal ein Fonds mit Siemens und RWE etc. empfohlen wurde. Insofern liegt mein angespartes Geld schon seit geraumer Zeit bei der Umweltbank Nürnberg (die allerdings eben nur Sparbücher und Fonds anbietet, aber kein Girokonto fürs Tagesgeschäft).

  7. Mit einer Visa-Karte kann man an fast jeden Geldautomaten kostenlos abheben. ;) Was ist falsch an Geweinnmaximierung? – die Anteilseigner brauchen schließlich eine Verzinsung. Anthroposophen sind eigentlich keine üblen Menschen, die schaffen es oft nur nicht sich von uralten Schriften Rudolf Steiners zu distanzieren und haben ein eher gespaltenes Verhältnis zur Wissenschaft.

  8. Die GLS Bank hat ihre Wurzeln in der Anthroposophie, das ist richtig. Doch spätestens seit der Integration der Ökobank sowie der kirchlichen integra-Bank sollte klar sein, dass es uns unabhängig von der Prägung um das Voranbringen einer ökologisch-sozialen Gesellschaft geht. Zumal man als Kunde über die Mittelverwendung selbst mitbestimmen kann, in welchen Bereichen die Gelder investiert werden sollen.

    @sophiste: Wir sind der beste Beweis, dass es nicht allen Anteilseignern um eine Verzinsung geht. Unsere Mitgliedschaftsanteile sind unverzinst. Das sichert uns enorme Unabhängigkeit und macht uns freier in unseren Entscheidungen.

    Was die „Kostenlos“-Kultur angeht gibt es diese m.E. nicht wirklich. Irgendwer zahlt am Ende immer die Zeche. Gerade die gewinnmaximierenden Systeme haben ganz bestimmt nichts zu verschenken und generieren ihre vermeintlich „kostenlosen“ Angebote auf Kosten von Quersubventionierung aus anderen Bereichen. Die Zeche zahlt am Ende immer irgendjemand. Meistens die schwächsten Glieder in der Kette, die sich am wenigsten wehren können. Je nach Firma und Branche entweder Kunden, Lieferanten oder Mitarbeiter. Manchmal auch alle gemeinsam. Aus unserer Sicht ist das wenig nachhaltig und erst Recht nicht transparent.

  9. Wow, da kommt ja jetzt richtig was zusammen an Kommentaren. Sehr schön! :-)

    @Johannes Korten
    Vielen Dank für die Kommentare hier und das Eingehen auf Fragen. Für mich ein weiterer Grund zu sagen, dass das die richtige Bank für mich ist, denn das zeigt, dass man Social Media verstanden hat (ich arbeite ja in dem Bereich).

    Vielen Dank auch für das (natürlich nicht uneigennützige) Angebot weiterer Hilfe auf dem Weg GLS-Kunde zu werden. Ich werd morgen mal in der Stuttgarter Filiale anrufen und vorbeischauen, wenn’s klappt. Hab ich gestern leider doch nicht mehr geschafft und heute war auch keine Zeit dafür.

    @Till
    Wenn ich dann mal groß Geld anzusparen habe, kann ich mir auch die Umweltbank mal näher ansehen (wobei es ja auch Vorteile hat, alles in einer Hand zu haben), aber jetzt geht es mir in erster Linie mal um ein Girokonto – und vielleicht noch ein Sparbuch dazu.

    Die antroposophischen Wurzeln der GLS-Bank stören mich da nicht, zumal ich auch die Wahrnehmung hatte wie es Johannes Korten beschreibt, dass die GLS zwar daher kommt, aber zumindest heute der Fokus einfach auf der ökologischen und sozialen Ausrichtung der Bank und der strikten Transparenz liegt.

    @Jens @Harald @Christian
    Danke für eure Erfahrungen und Tipps! Die sind für mich sehr wertvoll – und für andere sicher auch. So wie Armin Soyka.

    P.S. @ Christian: Ich werd für den Artikel natürlich auch nicht bezahlt, auch nicht indirekt. :-)

    @sophiste
    Damit du nicht als einziger hier unerwähnt bleibst, auch dir herzlichen Dank fürs kritische Mitdiskutieren. :-)

  10. Cooler Tip. So eine Bank habe ich schon länger mal gesucht. Die gehe ich mir auf jeden Fall mal anschauen.

  11. Zum Thema „Gewinnmaximierung“.
    Herr Korten hat recht, von irgendwem muss es ja immer kommen.
    Ich kann euch allen das Buch „1 Billion Dollar“ von Andreas Eschbach empfehlen. Ist natürlich ein Roman und kein Tatsachenbericht und zudem ein sehr dicker Wälzer. Aber äusserst spannend geschrieben und bringt einen dazu, über das ganze globale Wirtschaftssystem nachzudenken.

  12. Eine weitere Alternative zur GLS-Bank wäre ja noch die Ethikbank (www.ethikbank.de). Der Name ist Programm.
    Inwieweit das eine echte Alternative ist kann ich selbst allerdings nicht beurteilen. Ein Bekannter hatte mir nur erzählt, dass er jetzt dort Kunde ist.

    Gruß aus Dortmund

  13. Baufinanzierung

    Die ökologische Baufinanzierung ist mir bislang noch völlig unbekannt gewesen. Allerdings ist das eine lobenswerte und auch zu unterstützende Geschäftsidee, die mehr Nachahmer haben sollte. Weg von der „bad bank“ hin zum verantwortungsvollen Umgang.

  14. Internet-Kredit.org | Konstantin

    Wie zufrieden bist du bei der GLS-Bank? An sich ist das Prinzip der ökologischen Baufinanzierung genial und sollte von mehr Banken angeboten werden.

  15. ich denke, dass es eigentlich egal ist, welchen GLS-Kunden du fragst: wirst praktisch immer ne 1+ bekommen ;)
    Nicht umsonst ist sie „mit Abstand ‚Bank des Jahres 2010’“.
    http://de.wikipedia.org/wiki/G.....s_2010_3-0

    Hab zwar keine Baufinanzierung dort, aber 3 andre Konten – bin äußerst zufrieden
    siehe auch transparente Dialogmöglichkeit bei http://www.facebook.com/glsbank

    Wenn das Urteil junger Tester sehe möchtest, findest hier was:
    http://www.wdr.de/tv/serviceze.....banken.jsp

  16. Bin insofern absolut zufrieden als dass ich keinen Unterschied zu vorher merke – und nun mein Geld in guten Händen weiß.

  17. Ich finde es einfach praktisch, dass Kunden von der GLS Bank einfach bei den nationalen Geldautomaten, deren Geld einfach kostenlos abheben können.

  18. Bevor wieder jemand fragt: Ja, ich bin nach wie vor absolut zufrieden. Keine besonderen Vorkommnisse – außer den üblichen monatlichen Gehaltszahlungen und den unregelmäßigen Abbuchungen durch Ausgaben. :-)

    Aber das ist ja eben nichts Besonderes. Wenn ich’s richtig im Kopf habe, läuft übrigens die Kooperation mit der Reise-Bank bezüglich der Geldautomaten aus oder ist schon ausgelaufen.

  19. Andy´s Artikelportal

    Hallo,

    ich komme aus Österreich und wollte nun einmal fragen, ob das für uns im Alpenland auch möglich ist? Weiß da jemand Bescheid?

    lg, Andy

  20. Hallo Andy,

    unsere Geldanlageangebote können Österreicherinnen und Österreicher bereits heute abschließen. Auch Girokonten können eröffnet werden, allerdings ist hier die Frage, wie Du in Österreich dann an Dein Geld kommst, da wir zurzeit keine Kooperation ins Sachen Geldautomaten dort haben. Es würden also jedesmal Gebühren für die Abhebung fällig.

    Wir arbeiten zurzeit daran, unser Angebot für Österreich nach deutschem Recht auszubauen. Auf unserer Internetseite, bei Facebook und im GLS Bank-Blog werden wir hierzu informieren, wenn es soweit ist.

    Du kannst Dich gern unter +49 234 5797-200 beraten und Dir Kontoeröffnungsunterlagen zusenden lassen. Wir freuen uns, von Dir zu hören.

    Herzliche Grüße,
    Johannes

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