Die digitale Generation mischt sich ein!

Wow, Christian Stöcker, ich bin begeistert. Er hat auf SPON einen tollen Artikel dazu geschrieben, was in letzter Zeit als Kulturkampf oder Generationenkonflikt beschrieben und oft mit der Stoßrichtung „das Internet ist kein rechtsfreier Raum“ sehr negativ und belehrend gegenüber der jüngeren Generation kommentiert wird.

Er hingegen beschreibt hier meiner Ansicht nach richtig und kommentiert es auch richtig. Meine Generation, die mit Computern und (etwas weniger) mit dem Internet aufgewachsen ist sieht einfach vieles anders – vor allem Dinge, die das Internet und Computer betreffen. Im Jargon von Menschen, die sich beruflich mit dem Internet und den Entwicklungen dort beschäftigen, spricht man von Digital Natives (quasi digitale Eingeborene).

Und ja, genau wie er schreibt, viele politische Führungskräfte begreifen das nicht. Es ist nicht ihre Welt. Sie kennen sich da einfach nicht aus. Weder technisch, noch kulturell (von einzelnen Ausnahmen mal abgesehen).

Sie können zum Teil nicht mal etwas dafür. Bei ihnen gab es eben nicht schon vor dem 16. Geburtstag Internetzugang zu Hause.

Aber dass bei Gesetzen, die sich um diese fremde Welt drehen, dann quasi gesetzlich Amok gelaufen wird, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird oder auch einfach nur Unsinn beschlossen wird, das kann man dennoch ankreiden.

Erstens weil es ja nicht so ist, dass es nicht schlaue Stellungnahmen aus dieser Generation, z.B. vom CCC – dem Chaos Computer Club – gibt und zweitens weil oft ja gleichzeitig ganz traditionelle Grundrechte, die im ganz traditionellen Grundgesetz stehen, missachtet werden, siehe zum Beispiel die Debatte um die Netzsperre.

Dieser Konflikt zwischen den Generationen wird vor allem dort entschärft, wo sich Bürgerrechtler älteren Semesters auf die Seite der Jungen schlagen. So bin ich mit der Positionierung der Grünen in diesen Fragen weitgehend sehr zufrieden. Es gibt im Bundestagswahlprogramm auch extra ein eigenes Kapitel mit dem Titel „Digital ist besser„.

Aber auch bei uns gibt es in den älteren Jahrgängen immer mal wieder Irrläufer. Menschen, die diese ihnen fremde Welt zum großen Teil abstoßend finden und keinerlei Verständnis für die jüngere Generation aufbringen – und vor allem viel zu wenig differenzieren.

Zum Glück sind das in aller Regel nur Einzelstimmen (innderhalb der Grünen). Sollte das mal drohen die innerparteiliche Mehrheit zu werden, hilft nur eins: einmischen, Mitglied werden – und damit Einfluss ausüben.

Am besten schon heute – der Artikel von Christian Stöcker endet daher auch mit diesen Worten:

Und es ist für Deutschlands politische Klasse ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Die digitalen Einheimischen haben begonnen sich einzumischen.

Die Wahlbeteiligung bei jungen Menschen ist bisher ziemlich niedrig im Vergleich zu den Älteren. Das gilt es anzugehen und auch die Anzahl der jungen Mitglieder in den Parteien ist definitiv steigerungsfähig.

Gerade wegen solcher Sachen bin ich durchaus der Meinung, dass jung sein ein Argument für Kandidatinnen und Kandidaten ist – zumindest für jüngere Wähler. Nutzt eure Einflussmöglichkeiten!

Die digitale Generation soll mitregieren!

{lang: 'de'}

3 Responses to “Die digitale Generation mischt sich ein!”

  1. Sebastian

    Meinste wirklich, dass das auch bei den Grünen nur Einzelstimmen sind, die Zensurmaßnahmen gutheißen oder diese zumindest tolerieren würden? Ich habe da mittlerweile nämlich meine argen Zweifel…

    Ohne Malte Spitz hätte die Bundespartei die vergangenen Wochen kein einziges Wort zum Thema verloren und selbst er hat durchweg extrem vorsichtig formuliert. Die Grüne Jugend hat sich kein einziges Mal dazu geäußert. Von einer Oppositionspartei, die sich Bürgerrechte auf Fahnen geschrieben hat, hätte ich mir im Wahlkampf da deutlich mehr Profil erwartet. Die Pressemitteilungen klangen eher nach vorsichtiger Kritik an einem Koalitionspartner als nach Breitseiten gegen den politischen Gegner. Warum also diese Vorsicht? Kein Mut, Wahrheiten auch mal auszusprechen?

    Das gilt in ähnlicher Art und Weise für den Spiegel. Mehr als 100000 Leute waren nötig, bis sich das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie in die richtige Richtung bewegt hat. Vor 6 Wochen lasen sich die Artikel zum Thema noch absolut anders. Das ist kein Sturmgeschütz mehr, das ist ne Fahne, die sich mit dem Wind dreht, auch wenn es heute wirklich mal gut getan hat, den Artikel zu lesen.

  2. So recht Du hast, aber mit Ihren Aktionen der letzten Jahre haben die Old-Schooler auf jeden Fall eines schon mal geschafft:
    Die digitale Generation ist (erst mal) erfolgreich politisch abgehängt. Wie ich befürchte ein Vorsprung, der nicht so schnell aufgeholt werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.