Direktmandat für Cem Özdemir – am 27.09. Cem!

Die letzten Tage kam ich nicht zum Bloggen, daher hole ich nun ein bisschen nach. Am Montag war in Stuttgart ein Supporter-Treffen von Cem Özdemir angesagt. Cem ist ja Bundesvorsitzender der Grünen, Direktkandidat für die Bundestagswahl im Wahlkreis Stuttgart I und steht nicht auf der Landesliste zur Bundestagswahl.

Cem Özdemir im Merlin, StuttgartDaher will er versuchen, das Direktmandat in Stuttgart I zu erlangen. Bisher gibt es nur ein grünes Direktmandat für die Grünen – das dafür schon zum zweiten Mal in Folge – und zwar das von Hans-Christian Ströbele.

Warum hat außer Ströbele noch nie ein Grüner ein Direktmandat erlangt? Warum nicht Rezzo Schlauch in Stuttgart, der 1996 hier fast Oberbürgermeister geworden wäre? Wieso nicht die Kandidaten in klassischen, grünen Hochburgen wie Freiburg oder Tübingen? Wieso nicht wenigstens Joschka Fischer, der lange Zeit der beliebteste Politiker im Land war?

Sie alle waren immer über die Landesliste abgesichert, wie es immer so schön heißt. Das heißt, ob sie das Direktmandat gewinnen oder nicht, spielte keine Rolle für die Frage, ob sie in den Bundestag einziehen. Es hätte eine rein symbolische Wirkung gehabt – wenn auch sicher keine kleine.

Bei Ströbele war das 2002 anders. Er stand unfreiwillig nicht mehr auf einem aussichtsreichen Platz auf der Landesliste der Berliner Grünen. Daraufhin startete er einen Erststimmen-Wahlkampf – und wurde als erster Grüner per Direktmandat gewählt. 2005 verteidigte er das Direktmandat mit sensationellen 43,2 %.

Die Situation von Cem ist mit der von Ströbele also eher vergleichbar als mit der von Rezzo oder Joschka. Er kommt nur über das Direktmandat in den Bundestag – oder gar nicht. Das unterscheidet ihn auch von der SPD-Kandidatin Ute Vogt, die durch Platz 1 der SPD-Landesliste sicher im Bundestag ist, solange die SPD die 5-%-Hürde schafft.

Bei der Kommunalwahl erreichten die Grünen in Stuttgart nun auch noch mit 25,3 % Platz 1 der Parteien. Vor der CDU und vor der SPD. Natürlich ist das nicht Eins zu Eins auf die Bundestagswahl übertragbar und 25 % bei den Erststimmen würden für das Direktmandat wohl auch nicht reichen. Aber es ist eine sehr gute Ausgangslage für grüne Kandidaten und für so prominente wie Cem sowieso.

Es ist alles andere als sicher, dass er das Direktmandat bekommt. Aber ich halte es für gut möglich. Ute Vogt ist erstens sowieso drin und zweitens auch innerhalb der SPD sehr umstritten und der CDU-Kandidat Stefan Kaufmann gehört mit Sicherheit auch nicht gerade zur ersten Reihe der CDU.

Gute Chancen also? Wenn jetzt über die Reihen der grünen Parteimitglieder hinaus kräftig Stimmung für Cem gemacht wird, durchaus.

Auch um das auszuloten, gab es am Montag das Supporter-Treffen zu dem glaub ich nur per Facebook eingeladen wurde. Die Anwesenheit zweier Gäste der Jungen Union zeigt, dass die CDU die Direktkandidatur von Cem auf jeden Fall ernstnimmt.

Dabei hätten sie gar nicht spionieren brauchen. Das folgende Video von Malte Wolman aus Karlsruhe fasst das Treffen kurz zusammen. Mit O-Tönen von anwesenden Supportern (auch von mir) und ein paar Statements von Cem.

Übrigens, Cem im Netz gibt’s auf oezdemir.de, auf Facebook (als Fan-Seite und als Profil) und im StudiVZ.

7 Responses to “Direktmandat für Cem Özdemir – am 27.09. Cem!”

  1. Daniel Campolieti

    Hey Henning,

    warum ist denn der Cem Özdemir nicht über die Landesliste abgesichert?

    Grüße

    Daniel

  2. Das steht alles im oben verlinkten Eintrag zur LDK im Oktober 2008.

    Kurz gesagt: Die Mehrheit auf dem Parteitag hat auf Platz 6 und 8 die bereits amtierenden Bundestagsabgeordneten bestätigt – teilweise sehr knapp.

    Wie du siehst, kämpfen selbst Menschen, die auf dem Parteitag auf Platz 8 für Alex Bonde gekämpft haben, jetzt für Cems Direktmandat. Ich bin nämlich absolut dafür, dass Cem wieder in den Bundestag einzieht – ich wollte nur auch Alex behalten.

  3. Hinzu kommt: Das strikte Dogma der Trennung von Amt und Mandat ist zwar offiziell abgeschafft, spukt als naive Wunschvorstellung aber noch in vielen Köpfen von Parteitagsdelegierten und übriger Basis herum.

  4. Ja, knapp einem guten Drittel der Delegierten in Baden-Württemberg ist die Trennung von Amt und Mandat noch sehr wichtig. Daher steht das auch nach wie vor noch in der Landessatzung für die Wahl der beiden Landesvorsitzenden. Die Zwei-Drittel-Mehrheit für die Satzungsänderung wurde bisher nie erreicht.

  5. „Dogma“, „naive Wunschvorstellung“ – äh, hallo? Dahinter steckt auch der mE sehr nachvollziehbare Gedanke, dass Amt und mandat zugleich die Qualität der gemachten Politik sneken, da die so belasteten Personen sich zu verzetteln beginnen. Vom Risiko einer Nachwuchsblokade ganz zu schweigen, Überalterung ist ja in der Politik fast allgegenwärtig.

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