Rente mit 67 – zu früh oder zu spät?

Ich verstehe ja, dass es viele Vorbehalte dagegen gibt, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Wer will schon länger arbeiten? Das sind die wenigsten.

Ich verstehe auch, dass das nicht in jedem Beruf gleich machbar ist. Gerade bei schwerer körperlicher Arbeit können wohl nur wenige mit 67 noch ihren Beruf zu ihrer Zufriedenheit und zur Zufriedenheit des Arbeitgebers ausüben.

Ich sehe aber nicht, wie es funktionieren soll, dass wir zwar immer länger leben – und damit immer länger Geld aus der Rentenkasse bekommen – ohne länger zu arbeiten und in die Rentenkasse einzuzahlen.

Zumal jedes Jahr späterer Renteneintritt uns da gleich an beiden Seiten hilft: es wird ein Jahr länger eingezahlt – und ein Jahr kürzer ausbezahlt.

Außerdem haben wir doch großzügige Übergangsregelungen. Von 2012 bis 2029 jedes Jahr einen Monat später in Rente. Der erste Jahrgang, der erst mit 67 in Rente ginge, wäre Jahrgang 1964.

Ganz ehrlich: Ich frage mich eher, ob das überhaupt ausreicht. 2029 werden wir sicher noch älter und sind noch fitter im Alter. Andererseits arbeiten schon heute die wenigsten bis 65.

Was meint ihr? Wie kommt man aus dem Dilemma raus?

Update: Lesenswerter Artikel zum Thema in der Süddeutschen (via Alex Bonde auf Facebook).

6 Responses to “Rente mit 67 – zu früh oder zu spät?”

  1. Hannes Griepentrog

    Ich halte die Rente mit 67 insgesamt nicht für ausreichend. Wir müssen ja nicht ganz zurück zu den Anfängen, als damit wirklich noch das Risiko abgesichert wurde, die durchschnittliche Lebenserwartung zu übertreffen ;-) Aber dass sich eine im Mittel höhere Lebenszeit (bei besserer Gesundheit) nicht in einer entsprechend höheren Lebensarbeitszeit niederschlägt ist schlicht nicht finanzierbar.

    Ich hielte jedoch ein Modell für sinnvoller, das sich nicht an einer starren Obergrenze, sondern eben an der Lebensarbeitszeit orientiert. Also eine „Rente nach 45“ — wer mit 16 eine Ausbildung anfängt, hat die vollen Ansprüche mit 61 Jahren; wer bis 26 studiert, muss bis 71 arbeiten (oder privat vorsorgen, um die Lücke zu schlieszen). Zeiten, in denen man als arbeitssuchend gemeldet ist, würden natürlich entsprechend berücksichtigt; wie stark oder schwach Nebenjobs als Schüler und Student berücksichtigt werden, müsste man noch überlegen. In den allermeisten Fällen sind Berufe, die ein Studium erfordern, entweder körperlich weniger anstrengend oder werden besser bezahlt, sodass man auf diese Weise ein gerechteres System schaffen könnte (ohne dass mit riesigem Bürokratieaufwand jeder Berufszweig auf sein angemessenes Rentenalter überprüft wird).

    Grüsze aus Frankreich (deswegen auch ohne sz auf der Tastatur),

    Hannes

  2. Klingt für mich nach einem sehr interessanten und plausiblen Ansatz (wenn auch eher ungünstig für mich, aber darum geht’s ja nicht).

    Gibt’s zu dieser Idee was konkreter ausgearbeitetes oder vertritt jemand (MdB, Partei, Organisation) diese Position offiziell?

  3. Hannes Griepentrog

    Puh… Letztes Jahr haben wir die Forderung am JU-Landestag in den Leitantrag aufgenommen (http://www.ju-bw.de/dokumente/.....chance.pdf – Z. 294-295) aber das ist auch nicht weiter ausgearbeitet und ob die Position sonst jemand vertritt, weisz ich jetzt ad hoc auch nicht…

  4. Die Briten sind gerade dabei, die fixe Altersgrenze vollkommen abzuschaffen. Das finde ich eigentlich auch sinnvoll. In einigen Berufen – z. B. die in dieser Debatte inzwischen sprichwörtlichen Dachdecker – wird man nicht bis 67 arbeiten können, in anderen, eher Schreibtisch-lastigen Berufen ist es auch ok, wenn jemand mit 70 noch arbeitet (solange er es will). Das fixe Renteneintrittsalter ist ein Relikt aus einer Erwerbswelt, die noch ganz anders aussah.

  5. Das mach ja alles sein, aber dann bitte für ALLE!
    … für Ministeriums Mitarbeiter, Beamte, Politiker und soetwas. Momentan gibt es da noch ganz schlimme Sachen …

  6. Viel zu spät. Die meisten Leute arbeiten in diesem Alter doch nicht mehr. Und wenn doch, dann nur um die Rente aufzubessern.

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