Verdrängt Facebook Twitter?

In den letzten Wochen kam mir immer öfter der Gedanke, was eigentlich Twitter noch positiv von Facebook abhebt.

Okay, man kann den Datenschutz anführen, man kann die Einfachheit von Twitter ins Spiel bringen oder auch das Follower-Prinzip (im Gegensatz zu gegenseitig bestätigten “Freundschaften”).

Aber für die allermeisten Menschen gibt es eigentlich kaum einen Grund, Twitter gegenüber Facebook zu bevorzugen. Ich fahre schon seit langem zweigleisig. Was ich twittere, geht automatisch in Facebook rein. So addiert sich auch die Reichweite, die – mal von den reinen Zahlen bezüglich Freunde bzw. Follower ausgehend – bei beiden rund um 1000 liegt. Facebook im Moment noch etwas weniger, Twitter um einiges mehr.

Facebook vs. TwitterAber wenn ich mich für eines entscheiden müsste, würde ich immer mehr zu Facebook tendieren. Dort kommen ohnehin mehr Reaktionen (Diskussionen lassen sich dort auch viel besser führen), die anderen können ganz niedrigschwellig “Gefällt mir” anklicken und bei Links wird direkt ein Bild hinzugefügt.

Dass mich jetzt keiner falsch versteht: Ich will Twitter nicht den Rücken kehren. Dafür gibt es für mich keinen Grund, solange der Twitter-Facebook-Import gut funktioniert.

Aber die Zeiten in denen Twitter für mich im Zentrum des Webs stand, sind vorbei. Da ist nun Facebook.

Im Blog von MOSAIQ MEDIA hat heute auch eine Kollegin dazu Ähnliches geschrieben: Facebook hat mein Twitter aufgefressen

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12 Responses to “Verdrängt Facebook Twitter?”

  1. Wie jetzt, die allermeisten Menschen? Hallooo? Vielleicht die allermeisten Menschen deiner Altersklasse etc.? ;) Ich hab überhaupt kein Interesse an Facebook. Ich seh da keinen Sinn, und ja, die Datenschutzgeschichte… Vielleicht bin ich wirklich zu alt. Aber ich hab halt XING für Geschäftskontakte, Stayfriends um zu gucken was aus den ollen Schulfreunden geworden ist und Twitter, um mal ein paar Sachen mit Leuten auszutauschen, die ich teilweise nicht mal persönlich kenne. Ich brauch einfach kein Facebook.

  2. Man muss auch noch bedenken, dass im Gegensatz zu Facebook, die meisten twitter-Nachrichten für jeden öffentlich einsehbar sind und leichter referenziert werden können. Das macht sie bei vertrauenswürdigen Personen zu einer besseren und vor allem schnelleren Quelle.

  3. Für mich ist Facebook eigentlich völlig uninteressant. Die Seite finde ich nach wie vor überladen und unübersichtlich und auch sonst nutzt mein Freundes-/Bekannten- und Internet-Bekanntschaftenkreis das recht wenig.

    Twitter ist für mich viel interessanter weil es kürzer, übersichtlicher und schneller ist, durch das Follower-Prinzip einen ganz anderen Ansatz als Facebook bietet und vor allem weil die Integration in Webseiten, mobile Endgeräte etc. um einiges besser ist als bei Facebook.

  4. @Trixy
    Stayfriends ist mir alleine schon wegen der Preispolitik ein Graus. Mir schreibt jemand eine Nachricht und ich muss dafür bezahlen, dass ich sie lesen kann!
    Man findet aber inzwischen viel mehr alte Schulfreunde ohnehin auf Facebook – und das kostenlos. Wozu brauch ich da Stayfriends?

    Mit den “allermeisten Menschen” meinte ich übrigens auch nicht die Web-Szene, sondern den Mainstream. Die haben meist keinen Vorteil von Twitter. Und über die Fan-Pages kann ich auch das Following-Prinzip begint abbilden. Ich kann meinen Lieblingsbands, Unternehmen usw. “followen”, indem ich Fan werde bzw. “Gefällt mir” anklicke.

    Erklär da mal dem “normalen” Menschen, wozu er Twitter braucht. Zumal eben die Diskussionen bei Facebook vieeel besser aufgehoben sind.

    @Henry
    Ja, das stimmt. Keine Frage. Ähnlich hab ich auch eben hier kommentiert.

    @Bastian
    Echt? Also, in meinem Web-Bekanntenkreis ist es seit einer ganzen Weile extrem verbreitet, die politischen Bekannten und Freunde sind seit 1-2 Jahren auch zu einem Großteil dort zu finden und die Freunde und Uni-Kontakte sind inzwischen auch weitgehend nachgezogen. Selbst lange Verweigerer kommen früher oder später meist rein.

    Zum Follower-Prinzip siehe Antwort an Trixy. Was die Integration angeht: d’accord. Aber das interessiert uns – nicht die allermeisten Internetnutzer.

  5. Lieber Henning,

    aber dann würd ich search.twitter.com doch sehr missen, wenn das nicht mehr wäre.. wo bekomm ich schneller Bundesligaergebnisse, Infos, warum grad irgendwo Polizei im Grossaufgebot ist oder sonstige Infos her? Das klappt mit fb nicht…

    Aber WENN ich entscheiden müsste – dann klar auch auf fb ;)

  6. Stimme zu! Ich habe meinen Twitter-Account ohne großes Überlegen spontan vor ein paar Monaten gelöscht und es bis heute nicht bereut.

  7. Funktionale Ausdifferenzierung: persönlicher “Nachrichten”-Stream über alles wissenswerte vs. community.

  8. @Hubert
    Ich würde auch was vermissen, klar. Wobei ich viele dieser Infos heute auch schon auf Facebook habe. Ich will ja auch nicht drauf verzichten. Aber für die meisten Menschen gibt es da wohl keinen Mehrwert.

    @SG
    Für mich wäre das keine Alternative – aber für die meisten Menschen trifft das wohl zu.

    @Till
    Aber über “Freundschaften” und “Fan-schaften” kann ich über Facebook ja beides abbilden.

  9. Ich finde, Facebook und Twitter sind zu unterschiedlich, dass eines das andere verdrängt. Angesichts rund 70 Mrd. Stunden (ich hoffe, die Zahl ist richtig), welche User derzeit weltweit pro Monat bei Facebook verbringen, ist dieses auf jeden Fall das aktiver genutzte Netzwerk und hat ja nun sogar schon in Deutschland die VZ-Gruppe hinter sich gelassen.

  10. Unterschiedlich… jein, das gilt vor allem in eine Richtung. Was kann denn Twitter, was Facebook nicht kann?

  11. @Henning: es geht mir nicht um technische Features, sondern darum, wie das jeweils tatsächlich genutzt wird. Vermutlich auch ein Grund, warum diese ganze Konvergenz bei Smartphones etc. (“Fernsehen auf dem Telefon”) noch nicht da ist, wo sie immer hin prognostiziert wird. Soll heißen: wenn Menschen Twitter anders lesen/nutzen als Facebook – auch wenn beide technisch im Prinzip das gleiche können, oder Twitter technisch letztlich ein Subset der Facebook-Funktionalität ist, wäre meine These, dass die damit verbundenen Gemeinschaftsvorstellungen, die Wahrnehmung (oben mit Nachrichtenstrom vs. Community angedeutet) und so weiter sich unterscheiden. Sollte es diese Differenzen tatsächlichen geben, und schaffen Twitter und Facebook es, diese auch imagemäßig aufzuladen (Twitter als halb-seriöser Gerüchtekanal, Facebook als Ort, an dem ich Freunde und Bekannte treffe), dann sehe ich keinen Grund, warum beides an einem Kanal zusammenkommen muss.

  12. Es muss nicht beides an einem Kanal zusammenkommen. Aber ich denke, dass für immer mehr Menschen (nicht alle!) Twitter einzeln unattraktiv ist.

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