Warum ist der Protest gegen Stuttgart 21 so spät?

Immer wieder wird im Zuge der Demos gegen Stuttgart 21 die Frage gestellt: Warum kommt der Protest gegen Stuttgart 21 so spät?

Die Stuttgarter Nachrichten hatten letztens eine Chronologie der Proteste, die bereits 1996 begann und auch im OB-Wahlkampf von Boris Palmer im Jahr 2004* spielte das Thema eine sehr große Rolle – auch wenn ich zugeben muss, dass damals keine 100.000 Menschen auf die Straße gegangen sind wie letzten Freitag.

Aber ich möchte euch vor allem dieses Video zeigen, das deutlich macht, dass bereits 1997 erheblicher Unmut über das Projekt Stuttgart 21 laut wurde und bereits damals darauf von Schuster & Co. nicht eingegangen wurde. Man sprach viel mehr von den engen Spielregeln der Bürgerbeteiligung:

Quelle: http://www.archive.org/details/Stuttgart_1997&reCache=1

* Da fing ich dann auch an, mich mit dem Thema zu beschäftigen, denn ich war ja erst 2001 nach Stuttgart gezogen und im Wahlkampf von Boris viel an seiner Seite.

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9 Responses to “Warum ist der Protest gegen Stuttgart 21 so spät?”

  1. Das entzieht sich leider der Aufmerksamkeit, weil damals noch niemand dafür auf die Straße ging.

  2. Ich war da noch nicht in Stuttgart, aber man kann spätestens nach diesem Video nun nicht mehr behaupten, es hätte früher keinen Protest gegeben.

    Und in der Bildergalerie der StN sieht man schon auch Proteste draußen.

  3. Es geht doch nicht darum ob einzelne zu welchem Zeitpunkt auch immer gegen Stuttgart21 waren.

    Es geht darum das man die CDU offensichtlich mehrheitlich gewählt hat.
    Und die CDU war ganz klar pro,das war jedem Stuttgarter vor jeder Wahl bewusst.
    Genauso wie bei den Atomlaufzeiten auf Bundesebene.
    Mann kann sich kein Wasser bestellen und sich dann beschweren das es Nass ist

  4. Fakten statt Emotionen!

    Wann wurde Stuttgart 21 (S 21) demokratisch legitimiert?
    Als Pro Bahn Mitglied kenne ich die fundierte Kritik an Stuttgart 21 seit Jahren. Als verkehrspolitischer Sprecher der ÖDP Oberberg und als Bundestagskandidat wende ich mich seit Jahren gegen Stuttgart 21 und die damit verbundene Arroganz der Macht! In der Schweiz hätte sich kein Politiker getraut, sowas wie Stuttgart 21 den Bürgern vorzulegen, weil die wirklich in einer Demokratie leben!
    Wo ist die Widerlegung zu den Aussagen vieler Verkehrsexperten, dass
    –S 21 die Kapazitäten der Schiene im Vgl. zum modernisierten Kopfbahnhof reduziert
    –der Zulauf zu S 21 viel störanfälliger ist, als der zum Kopfbahnhof
    –auf 8 Gleisen nicht so viele Züge gleichzeitig stehen können, wie auf 16!
    –Verspätungen im Durchgangsbahnhof nicht mehr abgewartet werden können!
    –die Engpässe der Bahn an ganz anderen Stellen drücken!
    –Zuverlässigkeit und und Berechenbarkeit der Bahn wichtiger sind, als Höchsttempo auf wenigen Strecken!

    Wo sind Fakten für Stuttgart 21! Das meiste, was ich lese sind nur Wunschtäume und Emotionen! Auch damit kann man Mehrheiten gewinnen! Aber dann wird der Sturz in die Realität um so schwerer sein!

    Noch kann für Stuttgart alles gerettet werden! Denn gerade im Bahnbereich sollte es immer dies hier geben: Die Notbremse! Bahnchef Grube sollte dankbar sein, dass sich so viele Menschen für das Wohl des von ihm geführten Unternehmens einsetzen!

    Abs. Felix Staratschek, Freiligrathstr. 2, 42477 Radevormwald, 02195/8592

    Pressemitteilung: http://www.fair-news.de/news-156343.html
    Aktuelles von mir: http://twitter.com/FJStaratschek

  5. „–S 21 die Kapazitäten der Schiene im Vgl. zum modernisierten Kopfbahnhof reduziert“
    Das ist auch nur eine Behauptung. Außerdem wird der Schienenverkehr in Zukunft eher abnehmen, weil zu teuer.
    „–der Zulauf zu S 21 viel störanfälliger ist, als der zum Kopfbahnhof“
    Störanfälliger als der Kopfbahnhof kann es kaum werden. Ist zudem etwas das im Verlaufe des Projektes noch verbessert werden kann, also kein echtes Gegenargument.
    „–auf 8 Gleisen nicht so viele Züge gleichzeitig stehen können, wie auf 16!“
    Züge sollen nicht stehen, sonder Fahren. Mit der richtigen Zugfolge spielt es auch keine Rolle, ob der Zug im oder vor dem Bahnhof wartet. Ob man nun am Bahngleis wartet oder im stehenden Zug ist ja nun wirklich egal.
    „–Verspätungen im Durchgangsbahnhof nicht mehr abgewartet werden können!“
    Siehe weiter oben zur Zugfolge. Ob die Praxis des Abwarten und Folgeverspätungen ideal sind, kann auch diskutiert werden.
    „–die Engpässe der Bahn an ganz anderen Stellen drücken!“
    Stuttgart 21 soll ja nicht das letzte Verbesserungsprojekt sein. In Zukunft werde sich das aber die Entscheidungsträger zweimal überlegen, bei all dem Theater, selbst jetzt wo schon gebaut wird.
    „–Zuverlässigkeit und und Berechenbarkeit der Bahn wichtiger sind, als Höchsttempo auf wenigen Strecken!“
    Schnelligkeit ist mir schon wichtig und kein Widerspruch zu Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit.

    Die Pro-Argumente werden hier natürlich unterschlagen:
    Neben den verkehrlichen Verbesserungen, den Fördermitteln für Stuttgart, den neuen Arbeitsplätze, Prestige durch ein Aushängeschild für eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt(internationale Besucher) sind dies insbesondere die Stadtentwicklung.
    Auch die Kosten ziehen nicht als Argument, da man eine sehr lange Laufzeit zu Grunde legen muss, es eben etwas dauern wird bis es sich rechnet und auch eine reine Modernisierung des alten Bahnhofs sehr teuer wäre. Über Denkmalschutz möchte ich gar nicht reden bei so einem Un-Gebäude. Um neues zu Bauen muss altes Abgerissen werde. Wenn immer auf der grünen Wiese gebaut wird ist das auch wieder nicht recht. Umweltschutz vor Denkmalschutz.
    Am entlarvensten ist aber das Argument, gegen S21 zu sein, wegen ein paar Bäumen. Das ist nun wirklich unverhältnismäßig, bei aller Liebe zur Natur(Damit meine ich jetzt die sogenannten „Parkschützer“ unter den Fortschrittsgegnern) – wobei das Beste ist das der ohnehin schon sehr große Park noch größer wird, statt die Flächen zum Bebauen zu benutzen, ein beispielloses entgegenkommen auf hart gesottene Umweltschützer.

  6. @s5p
    Ich greif mir mal zwei Dinge raus:

    Züge sollen nicht stehen, sonder Fahren. Mit der richtigen Zugfolge spielt es auch keine Rolle, ob der Zug im oder vor dem Bahnhof wartet. Ob man nun am Bahngleis wartet oder im stehenden Zug ist ja nun wirklich egal.
    “–Verspätungen im Durchgangsbahnhof nicht mehr abgewartet werden können!”
    Siehe weiter oben zur Zugfolge. Ob die Praxis des Abwarten und Folgeverspätungen ideal sind, kann auch diskutiert werden.

    Natürlich sollen Züge fahren und nicht stehen. Für einen Integralen Taktfahrplan ist es aber manchmal wichtig, auch zu stehen, damit es optimale Anschlüsse gibt und nicht zwei Minuten vor Ankunft meines Zuges mein Anschlusszug weg ist (und das sogar nach Plan und nicht, weil meiner Verspätung hatte).

    Du schreibst, die Züge könnten auch vor dem Bahnhof stehen, wo denn? Die Zufahrtsgleise sind doch weniger als die Gleise im Bahnhof. Und auf acht Gleisen kann eben weniger gewartet werden als auf 16. Gerade weil die Zufahrtsgleise der Flaschenhals sind.

  7. @Felix Staratschek: Sie irren! Emotionen verkaufen – Fakten hingegen nicht! Genau DAS ist ja das Problem :-)

    @s5P: „…Neben den verkehrlichen Verbesserungen, den Fördermitteln für Stuttgart, den neuen Arbeitsplätze, Prestige durch ein Aushängeschild für eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt(internationale Besucher) sind dies insbesondere die Stadtentwicklung…..“

    Das sind natürlich absolut schlagkräftige Argumente. Welche verkehrlichen Verbesserungen? Welche Fördermittel? Was für Arbeitsplätze? Das sind doch alles nur hohle Phrasen. Mehr haben Sie nicht zu bieten?

  8. Nun das deutsche Wort „reich“ althochdeutsch „rihhi“ englisch „rich“ gotisch „reiks“ < germanisch "rikja" zu germanisch "rik" = Herrscher ! erklärt doch so einiges, nicht wahr?! Das Wort "reich" ist auch eng mit dem Wort "recht" verwandt. Dieses Verwandtschaftverhältnis schlägt sich z.Bs. auch in der Regel: "Die Großen lässt man laufen, die Kleinen hängt man" nieder.
    S21 ist ein gigantisches Immobilienunternehmen, in dem einige Wenige mit Hilfe lobbyistisch bearbeiteter Politiker (um es mal höflich, vorsichtig auszudrücken) einen immensen Profit, auf Kosten der Steuerzahler, machen werden. Die Reichen herrschen und die Herrscher sind die Reichen. Auch deshalb muss man Reichtum begrenzen!

  9. Bin gerade auf den Beitrag aufmerksam geworden.
    Ich bin zwar „nur“ gebürtiger Stuttgarter (beruflich hat es mich mit 20 verschlagen) aber ich kann WhiteHaven da nur zustimmen.

    Bei solchen Sachen sollte man sich immer die Frage stellen „Cui bonum?“
    Die Eliten unseres Landes sind ja mittlerweile bei der Ausbeutung des selbigen schon immens schamlos geworden … zeit das sich was dreht!

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