Der große Crash – der Film zur Finanzkrise

Da ich ein großer Fan der „Wall Street„-Filme mit Michael Douglas bin, war ich sehr gespannt als ich von „Der große Crash – Margin Call“ hörte bzw. den Trailer sah. Ein Finanzkrisen-Thriller.

Da es in der Sneak gestern für uns nur noch Einzelplätze gegeben hätte, haben wir uns spontan stattdessen dann „Der große Crash“ angesehen und ich war – naja, begeistert und enttäuscht zugleich.

Enttäuscht, weil es so richtig thriller-artig dann doch nicht wurde und der Trailer mehr Spannung suggerierte. Außerdem kam die Dramatik des Trailers im Film nicht mehr so richtig rüber. Anfangs dachte ich, ich habe es einfach noch nicht vollständig verstanden. Aber das Problem wurde dann bei der Weiterreichung Richtung Chefetage immer weiter simplifiziert, so dass mir am Ende eher klar wurde: mehr ist es gar nicht.

Gleichzeitig bin ich aber auch begeistert, weil der Film einfach total gute Zitate zur Finanzkrise – und damit zu unserer Zeit – liefert. Irgendwo hatte ein Finanzer gemeint, dass der Film erschreckend nah an der Realität dran ist. Die einzelnen Charaktere kann man sich jedenfalls sehr gut vorstellen und sie wirken auch keineswegs so überzeichnet, dass sie schon eher persifliert rüberkommen. Im Prinzip ist es ein gesellschaftskritischer Film zur Finanzwelt, der aber nicht wirklich wertet, sondern eher zeigt.

Man hätte vielleicht noch etwas zu den Auswirkungen der dort getätigten Börsengeschäfte zeigen sollen. Was hatte das Ganze beispielsweise für Auswirkungen auf die Käufer wertloser Papiere und auf unmittelbar eigentlich unbeteiligte Dritte.

Letztlich definitiv ein interessanter Film. Empfehlen würde ich ihn allen, die sich für solche Themen interessieren. Großes Know-how braucht man nicht mitbringen, aber ohne ein Interesse an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursachen für die Finanzkrise macht der Film glaub wenig Spaß.

Sehr gut finde ich übrigens auch den Artikel von n-tv zum Film: „Der große Crash“ ist erschreckend aktuell: Lehman-Brothers ist überall

„Der große Crash – Margin Call“ ist am 29. September 2011 in Deutschland angelaufen, in den USA startet er erst am 21. Oktober. Hab ich bei einem amerikanischen Film so noch nie bewusst gesehen.
Wer ihn sich im Kino ansehen will, sollte sich beeilen, da ich nicht weiß, wie lange er noch läuft. Der Kino-Saal war gestern leider sehr, sehr leer.

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13 Responses to “Der große Crash – der Film zur Finanzkrise”

  1. Auf jeden Fall war es der bessere Film des Abends. Der pseudointellektuelle Handkamera Dra-Fi Film aus der Sneak war ziemlich krude.

    PS: Meld Dich einfach bei mir, dann laß ich für Dich eine oder mehrere Karten mit reservieren.

  2. Ach, hab ich noch ganz vergessen. Ein richtig guter Dokumentarfilm zu dem Thema ist „Let’s make Money“. Der ist vor der Finanzkrise entstanden und ist erstaunlich oder besser gesagt erschreckend präzise. Kennst Du den? Ich kann ihn dir gern mal auf DVD ausleihen: http://www.letsmakemoney.at/

  3. Bei diesem “Let’s make Money”-Film passiert erst mal wenig: es gibt Investoren und es gibt Armut in der Welt; Globalisierungsgegner kommen zu Wort. Dann wird klar worauf es angelegt ist: Von einer kleinen Gruppe sei eine neue Weltordnung ersonnen worden, das „Neo-Liberale“-Weltbild. Weltbank, CIA schickt „Economic Hitmans“ (was durch die Aussage eines Ehemaligen belegt wird, dem schon in anderen Reportagen ein Forum gegeben wurde), Krieg, Erdöl, Fonds-Diffamierung, usw. komplettieren die Verschwörungstheorie.

  4. Also mir gehts wie dir, ich bin totaler Fann von den Wallstreetfilmen. Sie waren einfach perfekt gemacht, cool gedreht und doch mit dem Touch „Realität“ der vielen anderen Filmen fehlt.

    Von “Der große Crash – Margin Call” hatte ich bisher noch nicht viel gehört, aber du hast mich neugierig gemacht ergo … anschaun *g*

  5. “Der große Crash – Margin Call” ist wirklich empfehlenswert. Er überlässt die Interpretation und die Wertung der Ereignisse weitgehend dem Zuschauer. Kein erhobener Zeigefinger oder einseitige populistische Zeichnung eines „Böse Banken“-Bildes – mit ein paar Ausnahmen, die in diese Richtung gehen.

  6. Ehrlich gesagt konnte ich dem Film rein gar nichts abgewinnen, was wohl an 2 Faktoren liegt: nostalgische Verklärung der dann aus heutiger Sicht mit dem Wissen um Corporate Raider nur oberflächlichen Film Wall Street (nur getoppt von Teil 2), auch wenn ich den damals auch mochte, und eine langatmiges und einfallslos präsentiertes Szenario, welches (wenn man mehr Hintergrundwissen als Franz Josef Wagner & Freunde mitbringt) wieder nur oberflächlich ist.

    Entweder macht man einen sauberen, inhaltlich guten Film – was bei dieser Thematik im Grunde nur eine Dokumentation schafft, die wohl nur angesprochene Teilaspekte abbilden kann – oder man macht bewusst eine Hollywoodschmonzette mit dem üblichen Triritrara Inhalt (wie es Wall Street im Grunde war). Margin Call ist deswegen wieder so ein Film, der sich nicht entscheiden kann, was er sein will (pseudodokumentarisch mit inhaltlicher Tiefe / oberflächlich und unterhaltsam) und deswegen scheitert.

    Auch wenn ich hier einigen vor den Kopf stoße: Im Grunde ist es ein reiner, irgendwie doch inhaltsleerer Trendfilm (da täuscht auch der Cast nicht drüber hinweg), so wie vor ein paar Jahren Terrorfilme, Irakkriegsfilme / Filme mit dem Fokus auf amerikanische Einsatzgebiete usw. – oder anders: Nimm ein aktuelles Thema, packe ein paar Boulevardschlagwörter drauf und fertig ist der Film, der „den Nerv trifft“.

  7. @Gerd
    Sicher hast Du damit Recht, die Frage ist halt, ob ein (Hollywood) Film letztendlich genug Anstöße und Anreize dazu liefern kann. Wenn ich den aktuellen Bezug weglasse, ist es für mich dank Spacey & Irons (und überraschenderweise auch Demi Moore) ein Stück Unterhaltungskino für zwischendurch, aber (leider) auch nicht mehr.

    Das soll natürlich nicht heißen, dass ich anderen ihren Spaß nicht gönne – ich hab mir nur leider (angefacht durch Hörensagen) mehr erwartet :(.

  8. Gerd Gröde

    Hallo Anubis,
    ja du hast in gewisser Art und Weise vollkommen Recht. Die Filme werden -selbst wenn sie kritisch sein sollen- immer mit einem Pathos und einer Prise Patriotismus produziert. Aber das ist halt bei den Amis so. Wenn sie in Kriegsfilmen nicht mindestens soundso oft sagen, wie toll das Militär ist dann gibt es von denen ja auch keine Unterstützung was Fahrzeuge und Gerät angeht. Ich denke so, oder so ähnlich ist es bei jedem Film in Hollywood. Klar übt auch der Film Margin Call eine gewisse Kritik, nur will die einer hören? Nicht wir sollten den Film schauen, denn wir haben doch nix davon- außer, dass wir hinterher vielleicht wissen, wie sie uns übers Ohr gehauen haben. Die die es betrifft sollten solche Filme schauen und zwar so oft, bis sie es begriffen haben.
    Wir können den Bankern ja ne Weihnachtsgrußkarte schicken, mit ner DVD des Films [Link entfernt –Admin]

    Aber Spaß bei Seite, die werden immer so weiter machen. Bis es denen echt mal an die eigene Tasche geht. Aber vorher sind wir alle dran.

  9. Hi, vielen Dank für Deine Filmvorstellung – den Film habe ich irgendwie völlig verpennt. Ich werde ihn mir auf jeden Fall mal ausleihen, wenn er in die Videothek kommt.

    Den ersten Wall Street fand ich übrigens ebenfalls faszinierend. Der kam ungefähr raus, als ich mit meinem VWL-Studium begann. Danach folgten u.a. ein paar Jahre Berufserfahrung im Risikomanagement (schöne Grüße an Demi ;-)) eines großen Finanzdienstleisters – vielleicht lag es daran, aber der zweite Teil von Wall Street war doch ziemlich enttäuschend. Wie Anubis schon anmerkte, gab es kaum ein aktuelles Schlagwort / Thema, welches der Film nicht streifte – mehr war es aber auch nicht.

    Von einem Kinofilm zu erwarten, dass er eine Lösung für diese gesellschaftlichen Problem aufzeigt, ist schon sportlich! Ich vermisse sie trotzdem. Nach jedem Sci-Fi Film habe ich eine Vorstellung, wie man Ausserirdische besiegen könnte – aber wie kann man Finanzkrisen verhindern?

    Die Beteiligung der Banken würde meiner Meinung nach nicht zu weniger Risiko führen. Die Banken stehen im Wettbewerb um die zig Milliarden, die gewinnbringend angelegt werden sollen. Was passiert wohl mit dem Vorstandsvorsitzenden, der seinen Aktionären nicht die berühmten 25% RoE der deutschen Bank verspricht sondern nur 5-10%?
    Allein die private Rentenvorsorge führt dazu, dass mehrere Billionen Euro irgendwo angelegt werden müssen. Mir ist nicht klar, wie man dies bewerkstelligen möchte, ohne die nächsten Blasen zu verursachen!?

    Naja, ich werde mir den Film trotzdem anschauen – Danke!

  10. Bin sehr gespannt auf den Film. Habe bisher noch nicht viel Gutes darüber gehört und werde ihn mir deshalb wohl erst auf DVD ansehen. Allerdings interessiert mich eher das Schicksal der kleinen Opfer. Die, die ihre Häuser verloren haben und in Armut leben. Die Superbänker, die sich noch ne fette Abfindung in die Tasche stecken, weil sie alles in den Sand gesetzt haben, will ich eher weniger als „Leinwandhelden“ sehen. Aber man muss ihn ja trotzdem mal gesehen haben ;)

  11. Die Story an sich wurde recht spannend und atmosphärisch dicht inszeniert , womit man sehr gut die Dramatik und die Unruhen aus den Chefetagen erfassen kann. Gleichzeitig geht der Film auch sehr auf die Charaktere und deren Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren, ein. Das wird besonders deutlich wenn sie auf den hohen Gebäuden die beeindruckende Skyline New Yorks betrachten, und sie erkennen müssen, dass sie trotz eines so hohen Aufstiegs immer noch fallen und somit alles wieder verlieren können.

  12. Sebastian Steff

    Ich hab mir den Film auch letztens angesehen und muss wirklich sagen, top und gut gemacht! Kann ich nur jedem empfehlen. ich selbst bin schon damals ein riesen Fan von Wall Street gewesen und deshalb ist dieser Streifen natürlich auch für mich ein Muss gewesen.

  13. Alexander

    Hatte mir den Film vor zwei Tagen auf DVD angeschaut und war wirklich begeistert. Endlich mal wieder ein Film mit Story, Hintergrund und guten Schauspielern. Zwar fand ich das Ende etwas abrupt, aber eigentlich wissen wir ja, was danach kam und immer noch brandaktuell ist. Also von mir bekommt der Film eine klare Kauf- bzw. „Guckempfehlung“.

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