Unerträgliche Vorverurteilung bei Strauss-Kahn

Ähnlich wie bei Jörg Tauss damals find ich es ehrlich gesagt schlimm wie stark die öffentliche Vorverurteilung im Fall von Dominique Strauss-Kahn schon wieder ist. Er wurde gerade vor ein paar Tagen festgenommen, bestreitet die Vorwürfe vehement und trotzdem wurde sofort nach der Festnahme schon über Nachfolger diskutiert.

Sein heutiger Rücktritt als IWF-Chef war quasi schon deshalb unausweichlich, weil die Diskussion um seine Nachfolge natürlich auch eine gewisse Eigendynamik auslöst. Außerdem kann er natürlich die nächsten Tage und Wochen und – im Falle einer Verurteilung natürlich Jahre – nicht wirklich arbeiten.

Und übrigens auch ähnlich wie im Fall Tauss – der inzwischen ja allerdings abgeschlossen ist – finde ich hier beide Seiten nicht so wirklich schlüssig und richtig nachvollziehbar.

Sollte sich herausstellen, dass die Vorwürfe gegen Strauss-Kahn ungerechtfertigt sind – wogegen ja einiges spricht – bekommt er dann seinen Job zurück? Wohl kaum.

9 Responses to “Unerträgliche Vorverurteilung bei Strauss-Kahn”

  1. volker

    die Unschuldsvermutung in der Form wie in D existiert im amerikanischen System nicht ganz, Unterschiede in den Rechtssytemen sind zu größenteils zu akzeptieren denk ich, ist ureigenste hoheitsrechtliche Aufgabe ein staatenspezifisches Rechtssystem nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten …

    die Unschuldsvermutung + Presseöffentlichkeit des Falles sind in USA völlig anderst gelagert als bei einem vergleichbaren Fall in Europa
    http://www.lto.de/de/html/nach.....ettbetrug/

    fakt ist, DSK wäre in den meißten Teilen der Welt, von der Polizei nicht aus dem Flugzeug zu holen gewesen (Immunitätsschutz)
    http://www.lto.de/index.php/de.....afe_nicht/

    und übrigens, hast Du den WIKIPEDIA Link von Dir auch gelesen ?
    Tauss ist rechtskräftig verurteilt, dem Gericht erschien es als erwiesen, dass er aus ausschließlich privaten Interesse Kinderpornografie beschafft hatte !!

    DSK, Kachelmann, Assange und viele Fälle mehr, zeigen die Sprengkraft von Vergewaltigung(svorwürfen), am Ende ist es m.E. nach, oftmals ein Desaster für Klägerin und Angeklagten …

  2. NeckarStadt

    DSK kennt das Geschäft. Er weiss wie es abläuft. Vergewaltigungsvorwürfe sind ein Mittel im politischen Machtkampf. Das ist aber ganz normal. Für mich sah DSK aus wie ein Mann, der genau weiß was ihm nun blüt (bezüglich des Jobverlustes). Auf dieser Ebene sind die Einsätz eben hoch.
    Aber darüber hinaus ist Vergewaltigung auch ein Verbrechen, welches vor Gericht behandelt werden muss. Ein schwerwiegendes Verbrechen wohlgemerkt. Dazu muss ein Ausgleich zwischen potentiellem Täter und Opfer herbeigeführt werden. Ausgleich nicht im sinne von Lösung, sondern von der Beantwortung der Schuldfrage!

    @Volker: wie meinst du, dass man dieses Desaster verhindern könnte? Weil das ein oder andere mal ist wirklich ein Verbrechen passiert.

  3. Schaps

    Rufmord war und ist halt immernoch ein gutes Mittel um Leute zu beiseitigen denen man nicht mehr traut. Ob nun schuldig oder nicht, heute will niemand mehr auf das Urteil warten. Wobei schon ein Verdacht auch in der Geschichte häufig schon gereicht hat um jemanden mundtot zu machen.
    Ob es da in Zukunft besser wird glaub ich nicht. Und die Medien werden erst recht nicht anders handeln. Die Boulevardseiten tun den Rest.

  4. @Volker
    Ich hab nicht jeden Wikipedia-Artikel, den ich verlinke, vollständig gelesen, aber natürlich weiß ich, dass Jörg Tauss bereits verurteilt wurde, daher sprach ich bei ihm auch in der Vergangenheitsform und hab sogar erwähnt, dass der Fall ja inzwischen abgeschlossen ist.

    Was für ein Rechtssystem die USA haben, finde ich bei dieser Frage auch weniger wichtig. Ich kritisiere ja nicht die Staatsanwaltschaft in diesem Fall, sondern den öffentlichen Umgang mit Strauss-Kahn.

    @NeckarStadt
    Argumente wie „er wusste, was ihm blüht“ finde ich nicht akzeptabel. Das heißt ja, ich müsste mich als politisch aktiver Mensch ab einer gewissen Ebene damit abfinden, dass man mir Vergewaltigungen unterstellt. Das kann und darf ja wohl nicht sein!

    Und natürlich ist Vergewaltigung ein Verbrechen, das vor Gericht muss. Nur wissen wir halt momentan noch nicht, wer dieses Verbrechen begangen hat (oder ob es überhaupt stattgefunden hat). Darum geht es mir. Bis zu einem Geständnis oder einer Verurteilung ist Strauss-Kahn ein Verdächtiger und kein Täter.

    @Schaps
    Und genau das finde ich schlimm.

  5. jochen

    Das schlimme in der Diskussion ist wirklich das egal was dabei heraus kommt Herr Strauss-Kahn politisch am Ende ist. Französischer Präsident wird er nicht mehr werden und auch den Weg zum IWF zurück gibt es nicht mehr.
    Der Höhepunkt ist allerdings das er sogar Probleme hat ein Hotel zu finden!! Die Nachbarn wollen Ihn nicht und schon setzt Ihn ein Hotel vor die Tür.

  6. Als Kachelmann vorverurteilt wurde, gab es nicht soviele die im zur Seite gesprungen sind wie nun bei DSK. Kann mir nicht so richtig erklären, woran das liegt.

  7. Kachelmann hätte ich genauso nennen können. Fiel mir einfach nur in dem Moment nicht ein, weil ich wohl in Gedanken eher bei der Politik war als bei Fernsehmoderatoren. Jedenfalls gilt da natürlich das Gleiche.

  8. Ich finde das auch schlimm. Immer erst mal druff auch wenn man gar nicht weis was wirklich passiert ist. Und wenn sich dann später raus stellt es war alles nur ein Irrtum interessiert sich keiner mehr dafür. Aber so ist es eben. Die Menschen sind sensationssüchtig und gerade bei so was sind sie immer gleich alle Moralapostel. Dabei hat doch wenn wir mal ehrlich sind jeder Dreck am Stecken. Lg Chrissi

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