Landtagswahl in Bayern und Bundestagswahl 2013

Groß war der Jubel vor fünf Jahren als 2008 das erste Mal seit 1962 die CSU keine absolute Mehrheit in Bayern hatte. Dafür nahm man gern in Kauf, dass die FDP ausnahmsweise mal in den bayerischen Landtag kam und sogar mitregieren durfte. Bayern (Karte mit weiß-blauen Rauten und Wappen)Ungeachtet der jetzigen Entwicklung finde ich das auch wichtig. Es tut einem Land nicht gut, wenn eine Partei alleine so lange Zeit regiert.

Nun hat sich die FDP in Bayern als so überflüssig erwiesen, dass sie mit etwa 3 % am vergangenen Sonntag wieder aus dem Landtag gekegelt wurde. Dafür hat nun die CSU wieder eine absolute Mehrheit. Die SPD gewinnt ein paar Prozent (das erste Mal seit 1994), dafür müssen Freie Wähler und Grüne etwas Federn lassen.

Wie hat die CSU das geschafft? Aus meiner (fernen) Sicht sind es vor allem drei Punkte:

  1. Die CSU hat einfach alle Themen abgeräumt, die ihr hätten gefährlich werden können (z.B. Studiengebühren).
  2. Den schwarz-gelben Wählern war es wohl genug, der CSU 2008 einen Warnschuss gegeben zu haben.
  3. Die FDP-Wähler waren unzufrieden und sahen die CSU als beste Alternative.

Rückenwind für die Bundestagswahl ist das eigentlich für niemanden – am ehesten noch für die Union. Aber der fehlt der Partner, wenn man den Trend der Landtagswahl auf den Bund überträgt. Der SPD blieben sowohl Triumph als auch Blamage erspart. Für die Grünen ist es Enttäuschung, Warnschuss und Ansporn zugleich. Und für die FDP eine Mischung aus Katastrophe und möglicherweise der idealen Voraussetzung für die Bundestagswahl.

Die Vermutung, dass viele schwarz-gelbe Wähler, die mit der FDP unzufrieden sind und daher zuletzt eher der CDU zuneigten, nun bei der Bundestagswahl FDP wählen, um die schwarz-gelbe Koalition zu retten, liegt nahe. So nahe, dass die CDU-Prominenz auffallend deutlich dazu aufruft jetzt bitte nicht aus Mitleid oder Koalitionsdenke der FDP die Stimme zu geben. Zu sehr hat sie noch Niedersachsen im Kopf, wo die FDP in den Wahlumfragen sehr kippelig um die Fünf-Prozent-Hürde tanzte und durch die Koalitionsdenke vieler CDU-Wähler dann plötzlich doch bei fast zehn Prozent landete. Doppelt bitter für die CDU, denn es reichte dann trotzdem nicht für eine Koalition und sie ist nun geschwächt im Landtag von Niedersachsen.

Für mich heißt das allerdings: Eine schwarz-gelbe Mehrheit erscheint der CDU viel zu unsicher als dass sie ein paar Stimmen an die FDP abgibt. Da will sie lieber gestärkt in Verhandlungen um Alternativen, wie z.B. eine große Koalition.

Alles in allem ist die Lage allerdings ziemlich verworren und die einzelnen Wahlergebnisse der Parteien am Wahlabend sind extrem schwierig vorhersehbar. Daher bleibt es sehr spannend. Zumal die Linkspartei auch wieder etwas erstarkt ist und uns Grünen in einer Umfrage sogar den dritten Platz streitig macht. In Bayern hat sie allerdings sehr enttäuschend abgeschnitten, was auf ihre Wähler auch wiederum demobilisierend wirken kann.

Und zusätzlich zur Spannung bezüglich der Zweitstimmen kommt in Stuttgart bzw. im Wahlkreis Stuttgart I noch die Spannung um das Erststimmen-Ergebnis. Hier kandidiert ja der grüne Bundesvorsitzende Cem Özdemir, der schon letztes Mal recht knapp hinter dem CDU-Kandidaten lag – und deutlich vor der SPD-Kandidatin Ute Vogt. Die SPD ist nun bereit, in diesem Wahlkreis nicht um eigene Erststimmen zu werben und wir tun dies wiederum in Stuttgart II nicht. Laut SPIEGEL-Wahlwette und wie ich hörte auch election.de stehen die Prognosen so, dass Cem den Wahlkreis direkt gewinnt. Das wär doch schon mal was. :-)

Ich wähl grün – und du?

Bevor jetzt hier drei Wochen vor der Bundestagswahl der Eindruck entsteht, ich würde der FDP hier kostenlose Werbefläche zur Verfügung stellen und damit eine indirekte Wahlempfehlung aussprechen wollen… Nein, nein. Das mach ich dann schon lieber direkt und mit einem anderen Spot, dem der Grünen nämlich – mit Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt:

Schon interessant übrigens, dass die meisten Themen im Wahlkampf auf diese eine Partei zurückzuführen waren: Steuererhöhungen für hohe Einkommen und Veggie Day waren doch die großen Themen an denen die Menschheit zugrundegehen wird, oder?

Am 22. September also: Zweitstimme GRÜN – und in Stuttgart I haben wir auch gute Chancen, mit vielen Erststimmen Cem Özdemir als zweiten direkt gewählten Abgeordneten neben Christian Ströbele in den Bundestag zu schicken.

Wahlwerbespot der FDP mit Rainer Brüderle

Ihr wisst ja, ich bin nicht der allergrößte FDP-Fan. Aber diesen Wahlwerbespot mit Rainer Brüderle kann ich euch nicht vorenthalten. Bei ihm ist es eigentlich sowieso immer lustig – egal, was er sagt (man versteht es ja meist eh nur sehr schwer). Auch in der Vergangenheit hat der FDP-Spitzenkandidat 2013 daher schon prominente Platzierungen hier im Blog erreicht.

Aber diese Wahlwerbung von der FDP ist nicht nur wegen Brüderles Genuschel lustig, sondern weil er sich offenbar das Ziel gesetzt hat, möglichst viele seiner Sätze auch mit einer Handlung zu unterstreichen. Bei den Worten „Menschen, die hart arbeiten“ streicht er sich Butter aufs Brot. Beim Eier essen bringt er den Schenkelklopfer, dass „Rot-Rot-Grün […] nicht das Gelbe vom Ei“ sei. Über sein „P.S.“ am Ende – aus den Streuern für Pfeffer und Salz gebaut – gibt es sogar schon nicht so ernst gemeinte Spekulationen, ob das P.S. nun für Peer Steinbrück stehe und ein heimliches Ampel-Signal sei.

Aber seht selbst:

Auf die FDP ist Verlass. Der Wahlkampf wird mit der Spaßpartei immer lustig. Und mit Rainer Brüderle sowieso. :-)

Ach ja, auch hier ein P.S.: Es ist natürlich Quatsch, dass wir die Mitte für reich halten und höher besteuern wollen. Das ist nicht nur nach den eigenen grünen Berechnungen (für Singles, Alleinerziehende, Ehepaare und Selbstständige) falsch, sondern selbst die BILD hat in der Tabelle zu diesem Artikel (etwas runterscrollen) aufgezeigt, dass bis 60.000 EUR Jahreseinkommen eine Steuerentlastung kommt – und es in der Gruppe darüber mit moderaten Steuererhöhungen in Höhe von 13 EUR jährlich losgeht.

Wer das für die Mitte hält, der hat – sorry – keine Ahnung (Lesetipp!). Soviel zur Seriosität des FDP-Spots.

Warum die Bundesregierung PRISM immer besser findet…

Nach anfänglicher öffentlicher Erschrockenheit aller Parteien im Bundestag schwenkt die Bundesregierung und allen voran die CDU nun auch einen Verharmlosungskurs gegenüber der NSA und PRISM um.

Kein Wunder: Nach der ersten Kritik kam gleich die Retourkutsche zurück: „Wie könnt ihr PRISM kritisieren und gleichzeitig für Vorratsdatenspeicherung u.ä. in Deutschland eintreten?“ Der Vorwurf trifft auch die SPD.

PRISM-Logo (NSA)Die Schönrederei von PRISM und Tempora (Großbritannien) und Betonung der „großen Erfolge“ beim Kampf gegen den Terrorismus („vielleicht mehr, vielleicht weniger“) beenden daher eigentlich nur die Schizophrenie der Union in dieser Debatte. Wobei natürlich immer im Raum steht, dass die Gegner der Überwachung dem Terrorismus Tür und Tor öffnen. Dabei geht es bei der Kritik nicht gegen jede Überwachung, sondern gegen die anlasslose Bespitzelung. Nur Verdächtige dürfen überwacht werden und auch dafür gibt es Regeln in einem Rechtstaat. Wer darf das? Unter welchen Voraussetzungen? Usw. In der Regel braucht es dafür einen richterlichen Beschluss.

Aber es gibt noch einen Grund für CDU und CSU die Empörung zurück und das Loben und Beschwichtigen hochzufahren: Wenn in den kommenden Monaten bis zur Bundestagswahl rauskommt, dass die Bundesregierung das alles gewusst hat, dann steht man eindeutig besser da, wenn man das alles sowieso toll fand.

Und die SPD? Die bleibt dabei, dass sie in Deutschland die Überwachung hochfahren will, gleichzeitig aber die USA und Großbritannien für PRISM und Tempora kritisiert. Keine glaubwürdige Alternative – dabei ist genau das die Chance auch mal Kanzlerin Angela Merkel von ihrem hohen Thron zu stoßen auf dem sie nach Ansicht der meisten Bürger nach wie vor zu Recht sitzt.

Ich bin gespannt, was da noch kommt und wie sich der Wahlkampf auch unter diesem Aspekt entwickelt. Immerhin sind Bürgerrechte mal ein Top-Thema. Der NSA sei Dank!

Update zur Selbstständigkeit

Ich mach mich selbstständig, war der Titel eines Blogeintrags hier kürzlich. Sicher wartet ihr gespannt auf ein Update oder fragt euch, ob es ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, dass seitdem zu diesem Thema nichts mehr kam. Die (klare) Antwort: Weder noch.

Es ist eher so, dass ich mir noch unsicher bin, was ich öffentlich nachlesbar rausposaune und was nicht. Vielleicht denkt ihr, als Social-Media-Berater sollte das doch leicht fallen. Aber es ist doch etwas anderes, wenn es um das eigene Unternehmen bzw. die eigene Freiberufler-Tätigkeit geht. Berät man Kunden, entscheidet letztlich der Kunde, wo die Grenze ist. Betreibt man Social-Media-Kommunikation für den eigenen Arbeitgeber (oder erwähnt ihn privaterweise) gibt es auch extern gesetzte Grenzen. Bei meiner eigenen Selbstständigkeit entfällt diese Kontrollinstanz. Daher mache ich mir natürlich Gedanken, wie zum Beispiel Kunden oder Interessenten darauf reagieren, wenn ich es zu sehr an die große Glocke hänge, dass ich noch ganz frisch selbstständig bin.

Manche wollen mich vielleicht gerade dann beauftragen, weil sie wissen, dass aller Anfang schwer ist. Manche sind aber vielleicht auch eher abgeschreckt. Daher ist meine Strategie bisher: Nicht an die große Glocke hängen, aber auch nicht verschweigen. Wobei ich hier im Blog ja überwiegend andere Menschen erreiche als die, die aktuell schon bereits Kunden sind oder darüber nachdenken, es zu werden. Eher noch welche, die durch den Blog vielleicht erst auf die Idee kommen, mich als Berater für ihre Online-Kommunikation zu beauftragen oder ein Seminar bei mir zu buchen.

Genug der Vorrede: Es läuft an. Nach viel unbezahlter Vorarbeit in Form der Website für Henning Schürig // Online Business Consulting (schuerig.com), der Logo-Entwicklung (vielen Dank, Jenny!) und der Visitenkarten (wiederum großer Dank an Jenny) kam nach den ersten paar Anfragen, die mal mehr und mal weniger passten, erstmal nichts nach. Natürlich macht man sich da so seine Gedanken, aber andererseits weiß ich ja auch aus den Erfahrungen aus der Festanstellung, dass sowas sich oft mal zieht und gerade bei größeren Unternehmen auch gerne mal zwei Monate vergehen zwischen der ersten Anfrage und dem ersten Termin.

Henning Schürig // Online Business Consulting (Logo)

Ich hab derweil erstmal unbeirrt weitergemacht und Networking betrieben, mich mit anderen Gründern ausgetauscht, das eine oder andere Buch gelesen, Veranstaltungen besucht und die ersten Kunden glücklich gemacht. So glücklich, dass ich gleich von der ersten Kundin auch weiterempfohlen wurde, was jetzt auch zu einem neuen Auftrag geführt hat. Wie ein guter Berater das so macht, habe ich nicht nur angeboten, was direkt gefragt war, sondern auch, was ich darüber hinaus empfehlen würde. Natürlich hab ich nur mit einer Teil-Beauftragung gerechnet – aber es wurde dann alles beauftragt, was mich natürlich sehr freut. Einerseits steigt der Nutzen auf Kundenseite damit enorm und andererseits war meine Beratung damit ja offenbar überzeugend. Und mehr Geld verdiene ich auch.

Als Vortragsreisender bin ich schon bis nach Bayern Franken gekommen. Im Rahmen eines Seminars „Digitale Welt“ in Würzburg habe ich in mehreren Vorträgen über die digitale Gesellschaft, Online als Wirtschaftsfaktor und die digitale Ökonomie referiert. Die Atmosphäre war toll, die Neugier groß und das Feedback erfreulich. Das gab mir auch den Impuls, Schulungen, Seminare und Vorträge nicht nur auf Anfrage anzubieten, sondern auch aktiv. Mein nächster „Auftritt“ wird morgen sein. Ich bin schon sehr gespannt.

Ich bereue es also keineswegs, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben. Natürlich ist es für ein richtiges Fazit noch viel zu früh. Aber nach der anfänglichen Ruhe würde ich jetzt sagen, es fängt gerade richtig an. So macht das Spaß, so darf es weitergehen! :-)

Ihr könnt mir dabei übrigens natürlich helfen. Empfehlt mich weiter, nutzt die Like- und Sharing-Buttons auf meiner Business-Website eifrig und werdet Fan auf Facebook. Ich kann euch natürlich gerne auch ein paar meiner Visitenkarten geben, wenn ihr beratungsbedürftigen Menschen etwas physisch in die Hand drücken wollt.

Ansonsten drückt mir die Daumen und gebt mir Feedback! Vielen Dank!

Umzug des Webservers, Probleme mit Datenbank

Manche haben’s vielleicht mitbekommen, es gab heute einige Aussetzer meines Blogs. Ich bin auf einen anderen Webserver umgezogen und hatte Probleme mit der Datenbank. Wie das oft so ist, machten die Umlaute Probleme. Beim Ausprobieren verschiedener Lösungsmethoden war dann teilweise die ganze Datenbank futsch und mein Blog war gar nicht mehr erreichbar. Es kam nur die Meldung „Error establishing a database connection“.

Wen’s interessiert: Ich hab die mySQL-Datenbank auf dem alten Webserver mit phpMyAdmin extrahiert und obwohl die Quelle den UTF8-Zeichensatz hatte und ich dies auch beim Import im phpMyAdmin des neuen Servers so angegeben habe, gab es lauter kaputte Umlaute. Interessanterweise aber nicht überall. Die Beiträge schienen in Ordnung, die Tags hingegen nicht. Die Kommentarvorschau in der Sidebar war fehlerhaft, die Kommentare unter dem Eintrag waren korrekt.

Ich hab dann den Tipp gelesen, trotz UTF-8 beim Import latin1 auszuwählen und nach 2-3 Versuchen hat das dann auch funktioniert.

Ansonsten sorry für die Aussetzer und sagt Bescheid, wenn euch was auffällt, was nicht geht.

Obamas Berliner Rede 2013 auf schwäbisch

Barack Obama war in Berlin – und hat endlich auch vor dem Brandenburger Tor sprechen dürfen. Allerdings versteht ja nicht jeder Englisch. Gut also, dass der beliebte dodokay eine schwäbische Synchronisation der wichtigsten Redeteile erstellt hat:

Auch auf Angela Merkel und das von ihr entdeckte Neuland geht er ein. :-)