Blog von Henning Schürig, Stuttgart

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Grüne in Facebook – Politik 2.0

21. September 2008 um 15:33 Uhr von Henning

Gestern beim grünen Kreisvorständetreffen Baden-Württemberg sprach ich einen jüngeren Bundestagsabgeordneten an, dem ich geraten hatte, sich neben dem StudiVZ und Xing auch auf Facebook zu registrieren:

Ich: “Na, viele neue Freunde auf Facebook gefunden?”
Er: “Nee, nur alte…”

Aber auch ganz abgesehen von dieser kleinen Anekdote finde ich es toll, wie grün Facebook derzeit wird. Immer mehr grüne Mitglieder, Funktionäre, Mitarbeiter und auch Abgeordnete tummeln sich dort. Zu finden sind Bundestagsabgeordnete wie Alex Bonde, Omid Nouripour, Josef Winkler und Volker Beck, aber auch Landtagsabgeordnete wie Uli Sckerl und Theresia Bauer. Auch die Europa-Abgeordneten Cem Özdemir und Daniel Cohn-Bendit haben einen Account.

Außerdem kann man ähnlich wie bei Barack Obama dort auch Unterstützer von Daniel Cohn-Bendit oder Cem Özdemir werden. Dany kandidiert dieses Mal übrigens wieder bei den französischen Grünen fürs Europa-Parlament. Er wechselt als Deutsch-Franzose da immer wieder zwischen den Ländern. Dany ist ohnehin der Europäer schlechthin. Wenn ihr wüsstet, wie viele Sprachen er fließend und im fliegenden Wechsel spricht…

Dazu gibt es noch Gruppen von den Grünen in Baden-Württemberg, Berlin und jetzt ganz neu (dank Josef Winkler) auch Rheinland-Pfalz (gibt’s noch mehr?). Auch grüne Veranstaltungen werden dort inzwischen eingetragen und man kann seinen Teilnahme-Status eintragen (komme, komme nicht, vielleicht).

Facebook wird also grüner, die Politik kommt im Web 2.0 an. Bin gespannt, wie das so weitergeht. Lange hab ich mir den Mund fusselig geredet und jetzt… jetzt passiert’s einfach. :-)

Ach ja, und sie nutzen auch die Statusmeldungen dort, was eigentlich nichts anderes heißt als dass sie twittern. :-)

OMD 2008: Menschen, Medien, Marketing

19. September 2008 um 23:59 Uhr von Henning

Zwei Tage OMD, wenig Schlaf, viele Menschen.

Weil der Schlaf so wenig war, schreibe ich auch erst jetzt. Die letzte Nacht hatte bei mir 13 Stunden, aber so richtig wach bin ich jetzt immer noch nicht. Die OMD war für mich absolut genial. Mein Lieblingsstand war definitiv die Blogger-Area (sponsored by roccatune) mit Kaffee von Sonntagmorgen und jeder Menge Bionade und Thai-Bier.

Aber nicht weil der Stand so toll war, sondern vor allem der Menschen wegen. Ich hab an den verschiedensten Stellen auf der Messe Leute getroffen, die ich (mal nur online, mal auch offline) kannte, aber nirgendwo war das so häufig wie in der Blogger-Area, die daher auch oft etwas klein bzw. eng geraten war.

Meine Highlights waren Tina, Robert Basic und Oliver Überholz. Letzteren hätte ich gar nicht erkannt, hatte bisher auch nicht viel mit ihm zu tun. Ich musterte ihn gerade aus ein paar Metern Entfernung, er merkte das trotz seines Gesprächs mit Robert wohl und sah mich fragend an. “Ich guck nur, ob ich dich eventuell irgendwie kenne”, meinte ich sinngemäß. “Henning?”, fragte er. “Ja”, antworte ich leicht irritiert. “Henning Schürig?”, fragte er. “Ja”, antwortete ich noch ein wenig irritierter.

Seine Neugier war damit wohl gestillt, aber ich hatte keine Ahnung, wer dieser Typ nun war, der da mit Robert stand und mich kannte. Das haben wir dann auch noch geklärt und uns später recht lange über Politik und Web 2.0 unterhalten. Genau zu dem Thema will Robert mich übrigens interviewen. Bin mal gespannt.

Tina kannte ich von all den Menschen, die ich dort getroffen habe und noch nicht persönlich kannte, wohl bereits am besten. Von ihrem Stand (metapeople) hab ich dann auch die einzige Tüte mitgenommen. Darin war eine geheimnisvolle Box, ein Kochlöffel und Papierkrams. Beim weiteren Rundgang gesellte sich ein Faltblatt zum Thema Social-Media-Monitoring dazu. Allerdings hab ich die Tüte dann am Ende in der Blogger-Area stehengelassen vergessen.

Außerdem habe ich noch Nico Lumma, Jens Matheuszik, Kathrin Grannemann und Frank Herold, die ich alle online bereits mehr oder weniger kannte, persönlich kennengelernt.

Aber auch sonst war es sehr spannend und interessant. Ich hätte locker noch zwei Tage dranhängen können. Nur mein Körper hätte irgendwann nicht mehr mitgemacht. Aber interessante Themen und Menschen gab es genug. Ich hatte ganz oft übrigens das Gefühl, das Gesicht von jemandem irgendwoher zu kennen. Wahrscheinlich hat es oft sogar gestimmt, aber die Twitter-Bilder sind halt so klitzeklein (wie ich beim Live-Blogging von der OMD im NETFORMIC-Blog schon schrieb). Irgendwie schien an jeder Ecke Sascha Lobo zu stehen und auch Thomas Promny habe ich sehr oft gesehen. Allerdings sind die beiden ja auch sehr auffällig.

Unerwähnt blieb jetzt, dass…

  • …ich noch vor der Party am ersten Abend mit zwei Messern auf mein Essen losgegangen bin. Als ich merkte, dass ich in der linken Hand ein Messer halte, habe ich prompt den Inhalt meiner Hände getauscht und war dann irritiert als ich schon wieder ein Messer in den Händen hielt. Ein Kollege wollte gerade schon ein Foto machen.
  • …ich während der OMD einen NETFORMIC-Kollegen zum Twittern gebracht habe. Welcome @MrPoko!
  • …dass sich am ersten Abend aus einem Gespräch in der Blogger-Area aus verschiedenen Faktoren bei Stephan die Idee bildete, zu dem befreiphone-SEO-Wettbewerb AdWords-Anzeigen zu schalten und andere Agenturen dies dann nachgemacht haben.
  • …ich in der Blogger-Area fotografisch erwischt wurde.
  • …ich zahlreiche Leute hier gar nicht erwähnt habe. Gruß an Ibo übrigens noch!

Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall sehr gerne wieder dabei. Und dann versuche ich wenigstens die Tage vor der Messe ordentlich zu schlafen…

Update: Ein paar wenige Fotos hab ich mit dem Handy gemacht und bei flickr hochgeladen.

OMD: Zwei Tage Online-Marketing am Stück :-)

16. September 2008 um 17:00 Uhr von Henning

Morgen steht wieder eine Messe an. Wir fahren nach Düsseldorf zur OMD. OMD steht für Online-Marketing Düsseldorf – nicht Online-Marketing Deutschland wie immer wieder von einigen gedacht wird.

Nen eigenen Stand haben wir nicht, aber wir von NETFORMIC reisen dennoch zu viert an. Stephan Sigloch, einer unserer Geschäftsführer, ist schon da (oder kommt gerade an) und drei von uns fahren morgen früh um 5:51 Uhr hinterher.

Zusammen mit meinem Kollegen Ingo Pokora und Stephan werde ich dann über Nacht bleiben. Ich bin schon sehr gespannt auf die OMD. Im Gegensatz zur CeBIT ist ja hier dann alles zum Thema Online-Marketing. Bei der CeBIT muss man sich ja seine Themen ganz gezielt suchen. Alles ablaufen geht dort eh nicht. Das dürfte hier dann ja echt das Paradies sein. Online-Marketing, wohin das Auge blickt.

Außerdem werde ich dann zum ersten Mal auch Tina treffen. Sie ist eine von den “beklopptesten Leuten” dort ;-) und arbeitet ganz in der Nähe, nämlich in Duisburg. Dass wir uns beruflich über den Weg laufen war bei den so ähnlichen Berufen und gleichzeitig der Affinität zum Bloggen ja eigentlich schon zu erwarten.

Ich bin also gespannt. Aufregende zwei Tage stehen vor mir. Doof nur, dass ich dazu halt um 5:51 Uhr am Hauptbahnhof in Stuttgart sein muss…

Twitter, Münte, SPON – und ich

15. September 2008 um 19:18 Uhr von Henning

Passiert auch nicht alle Tage, dass mein Twitter-Bild bei SPON-TV auftaucht. Liegt aber auch nur daran, dass sie über den Twitter-Fake-Account von Franz Müntefering berichten und der falsche Münte mir auf Twitter followt.

Aber warum gibt SPON eigentlich die URL www.twitter.com in die Google-Suche ein statt direkt in die Adresszeile des Browsers? Und wieso behaupten sie, dass Hubertus Heil der erste twitternde Politiker wäre? Gut, von den wirklich Prominenten in Deutschland ist er vielleicht der Erste, zumindest einer der Ersten.

Dafür wurde er von SPON und anderen Medien vor gut zwei Wochen übrigens noch total verrissen. Kein Wort davon heute. Jetzt wird Twitter als modernes Kommunikationsmedium sehr positiv dargestellt.

Erfahren hab ich davon, dass ich in dem Video bin übrigens natürlich vor genau 18 Minuten per Twitter – von Daniel Goldberg.

Wer automatisiert hier wen?

15. September 2008 um 14:46 Uhr von Henning

Ich habe eben ein geniales Zitat von Esther Dyson gefunden, das perfekt zu der sich rasant wandelnden Online- und Offline-Welt passt:

Früher automatisierten Maschinen die Arbeit, so dass wir mehr Zeit für andere Sachen hatten, heute jedoch automatisieren Maschinen die Produktion von Aufmerksamkeit beanspruchender Information, was uns Zeit raubt.

Darüber lässt sich trefflich nachdenken – was Esther Dyson auf SPON auch tut.

Westerwelle gegen Ampelkoalition

15. September 2008 um 12:41 Uhr von Henning

Guido Westerwelle lehnt eine Ampelkoalition für 2009 ab:

“Ich werbe für klare Verhältnisse mit bürgerlichen Mehrheiten und einen klaren Kurs, damit dieses Gewurstel der Großen Koalition ein Ende hat”, sagte Westerwelle. Die Sozialdemokraten bereiteten in einem Bundesland nach dem anderen ein Bündnis mit der Linkspartei vor. “Deswegen ist es völlig unglaubwürdig, wenn sie uns schöne Augen machen”, sagte der FDP-Chef.

Der Kerl regt mich so langsam echt auf. Sobald die FDP in Hessen für eine Ampelkoalition zur Verfügung steht, gibt’s in Hessen eine Ampel. Da bin ich mir sicher.

Wieso soll das also unglaubwürdig sein, wenn man nach Alternativen sucht? Die Ampel unmöglich machen und sich dann drüber beschweren, dass man was anderes macht, ist jedenfalls Kindergarten-Niveau.

Wenn Westerwelle nach 2009 nochmal eine große Koalition will, dann soll er ruhig so weitermachen. Aber dann kann er auch gleich in die CDU eintreten.

Update: Extrem passend dazu dieses Bild von Westerwelle.

Bayern wird grün

15. September 2008 um 0:47 Uhr von Henning

Das wird echt noch spannend in Bayern. Ich hab gerade einen Artikel im Donaukurier gelesen:

Doch auch so ist nach dem ersten Themenblock klar, wie die Veranstaltung läuft: Maget sorgt für Kritik mit sarkastischem Unterton, Daxenberger spricht dem Volk aus der Seele. Das war einst die Stärke der CSU. Die wird von Schneider bemüht vertreten. Doch der steife Kultusminister wirkt neben dem erdigen Landwirt Daxenberger so bayerisch wie ein Krabbenfischer neben einem Almbauern.

Und wer ist dieser Daxenberger? Sepp Daxenberger ist Spitzenkandidat der Grünen in Bayern. :-)

Und so überrascht dann auch das Ergebnis der Umfrage oder Probe-Abstimmung unter den Gästen beim “Bunten Gipfel” nicht:

30,8 Prozent für die SPD, 19,4 Prozent für die Grünen. Die CSU kam auf 26,05 Prozent, die Freien Wähler auf 11,4 Prozent.

Ganz so wird es in 14 Tagen wohl nicht aussehen – aber spannend wird’s!

Die Mensa der Musikhochschule

14. September 2008 um 16:34 Uhr von Henning

Diese Woche stand nochmal intensives Lernen an für eine Prüfung am Freitag. Dummerweise hatte genau in dieser Woche die Universitätsbibliothek (UB) Stuttgart ihre jährliche Grundreinigung und war geschlossen. Als Alternative wurde uns die Württembergische Landesbibliothek (kurz WLB oder LaBi) empfohlen. Da war ich bisher nur alleine bei Seminararbeiten, aber auch in einer Zweiergruppe kann man dort gut lernen.

Obwohl die WLB bei genauerem Hinsehen auch nur ein Betonbau ist, so hat man das dort doch ganz geschickt kaschiert bzw. man lenkt einfach davon ab. Die Lernatmosphäre ist also schon eine ganz andere. Dazu kommt die Mensa der Musikhochschule Stuttgart. Die ist direkt nebenan. Mal abgesehen davon, dass auch dort architektonisch einiges viel besser als an der Uni ist auch das ganze Essenssystem dort anders.

In der Uni-Mensa stellst du dir dein Essen modular selbst zusammen. Es gibt einzelne Gerichte (inkl. einem über mehrere Wochen hinweg gleichen “Rennergericht”) und du kannst optional Beilagen, Salat etc. dazunehmen. Das kostet dann etwa 60 Cent extra. Das nackte Einzelgericht bewegt sich meist so zwischen 1,90 und 2,30 EUR. Natürlich abgesehen von der Premium Line – und Externe zahlen mehr.

An der Musikhochschule hingegen muss man sich zunächst an einem Automaten für 2,20 EUR eine Essensmarke kaufen. Als wir am Montag nichtsahnend dort ankamen war das natürlich erstmal sehr verwirrend. Da stand nämlich bei jedem Gericht ein Preis ab 4,45 EUR. Alternativ irgendwas mit ner Essensmarke für 2,20 EUR. Das klang besser.

Also runter zu den Automaten für die Essensmarken. Hm, der eine nimmt nur Münzen und der andere ist kaputt oder jedenfalls aus. Wieder hoch, Geld wechseln. Dann runter, Essensmarke kaufen und wieder hoch. Als wir dann die Marken hatten, sahen wir, dass es drei verschiedene Menüs gibt. Die kosteten alle eine Essensmarke – und bis zu 55 Cent Aufpreis. Eines also ohne Aufpreis, eines mit 55 Cent und eines dazwischen.

Die Menüs beinhalteten eine Suppe, ein Hauptgericht und einen Salat. Bis wir das so richtig verstanden hatten, war der Hunger auch schon um einiges angewachsen. Am zweiten Tag dann etwas Verwirrung. Diesmal gab es keinen Salat. Was wir aber wussten: es gibt dort kostenlosen Nachschlag.

Ab dem dritten Tag bin ich dann fast jedesmal hin und hab mir nochmal einen Nachschlag geholt. Das Essen dort ist nämlich nicht nur unterm Strich günstiger, sondern schmeckt auch besser. Irgendwie eben weniger nach Massen-Kantine und mehr nach selbstgekocht (nicht von mir, von jemandem, der das kann). Nur die Suppen, die sind irgendwie bis auf einmal nie mein Geschmack gewesen. Auch der Salat ist etwas fad.

Aber die Hauptgerichte. Ich hab mir schon überlegt, dass ich unbedingt ein Diplomarbeits-Thema brauche zu dem ich viel in die WLB muss. ;-)

Ich mach dich über mich lustig

10. September 2008 um 23:57 Uhr von Henning

Beim Lernen:
Ich: “Bei mir ist da noch ne Null…”
Er: “Naja, ne Null ist ja aber auch nur ne Null.”

Und dann war da noch: “Ich mach dich über mich lustig…”

Seit sechs Jahren Grüner – ein Rückblick

9. September 2008 um 23:59 Uhr von Henning

Am 09.09.2002 habe ich meinen grünen Mitgliedsantrag unterschrieben. Ich bin nun also genau sechs Jahre lang Grüner – genauer gesagt Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Dass es genau dieser Tag wurde, hat mit Joschka Fischer zu tun.

Joschka war an dem Tag in Stuttgart bei einer Wahlkampfveranstaltung und es gab aus Sicherheitsgründen einen Bereich nur für Mitglieder und Presse (von da konnte man nicht nur sehr gut sehen, sondern auch gut werfen/schießen/etc). Und da mein angeforderter Mitgliedsantrag im Wahlkampf-Stress noch nicht an mich verschickt worden war, trat ich dann an Ort und Stelle ein.

Nachdem ich dann erstmal im Urlaub war und mir danach schwor, nie wieder bei einer Bundestagswahl im Ausland zu sein (es gab nur ein paar Privatsender dort im Hotel und die hörten um 20:15 Uhr erstmal auf mit Wahlberichterstattung – und das bei der knappen Wahl!) wurde ich dann bei meinem zweiten Treffen der gerade kurz vor der Gründung stehenden Grünen Jugend Stuttgart deren Vorsitzender.

Im April 2003 wurde ich dann auch in den Landesvorstand der Grünen Jugend Baden-Württemberg gewählt und wurde Pressesprecher. Im Mai 2004 wurde ich dann leider nicht wiedergewählt. Zwei Stimmen fehlten bei einer sehr hart umkämpften Wahl im zweiten Wahlgang. Entscheidend dabei waren wohl inhaltliche Gründe – einigen in der GJ war ich nicht links genug und nicht allen reichte das Argument, dass ich mich richtig reingehängt hatte.

Das war erstmal sehr bitter für mich. Ich war 1,5 Jahre dabei, hab mich total in die Politik vertieft und damit in höchstem Grade identifiziert – und dann das. Ich fand das extrem unverdient (und viele andere auch). Aber letztlich muss man damit leben, dass in einer Demokratie die Mehrheit eben entscheidet, wie sie will – und inhaltliche Gründe sind ja nun auch nicht die schlechteste Entscheidungsgrundlage (auch wenn der GJ-Landesvorstand de facto vor allem organisatorisch arbeitet).

Langweilig wurde mir dennoch nicht, ich war ja weiterhin Vorsitzender der GJ Stuttgart. So ganz ausgelastet war ich damit wohl nicht. Der damalige GJ-Landesvorstand bekam oft Mails von mir, was ich zu kritisieren hatte und anders machen würde. War natürlich auch dem Frust geschuldet, dass ich es ja tatsächlich auch gerne anders gemacht hätte.

Ich fand dann im Studiengebühren-Protest 2005 eine umfassende neue Beschäftigung. Irgendwann war auch zusammen mit anderen die Idee einer Landtagskandidatur im Wahlkreis Stuttgart II entstanden. Parallel zum Studiengebühren-Protest stellte ich mich also den Ortsverbänden im gewünschten Wahlkreis vor. Vielleicht war es zu viel Studiengebühren-Protest und zu wenig Kandidatur-Vorbereitung – geklappt hat es jedenfalls nicht.

Mein Entschluss zur Kandidatur stand schon fest, bevor (mir) andere Kandidaturen bekannt waren. Es gab dann plötzlich sehr viele Interessenten, die meisten wurden über die Presse angekündigt – oder teilten dort nur ihre Gedankenspiele mit. Ich teilte meine Kandidatur nie der Presse mit, sondern nur intern und dann auf dem ganz normalen Weg einer Bewerbung beim Kreisvorstand. Der Kreisvorstand nahm die Bewerbung dann in seinen Mitglieder-Rundbrief auf und teilte der Presse alle Kandidaturen gesammelt mit. Außer meiner standen dort aber eh schon alle, so dass auch kein Artikel draus wurde. Vielleicht war das ein Fehler, denn zumindest nach außen wurde meine Bewerbung meist nicht so recht ernstgenommen.

Aber so ganz sicher war man sich offenbar doch nicht. Jedenfalls bekam ich dann auch aus Richtung Kreisvorstand mindestens einen Anruf, die Kandidatur doch bitte sein zu lassen. Eindringlich, aber vergeblich. Der Anruf war natürlich offiziell nicht in der Funktion als Kreisvorstand getätigt. Ich wäre eh chancenlos und so. Als Gegenkandidaten blieben nämlich am Ende Werner Wölfle, seit 1996 Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat (damals 52 Jahre alt), und Daniela Feindor, ebenfalls Gemeinderätin in Stuttgart (damals 32).

Geklappt hat es zwar am Ende nicht, aber schlecht war mein Ergebnis auch nicht. Im ersten Wahlgang erreichte Werner Wölfle 76 Stimmen, ich 39 und Daniela Feindor 32. Werner hätte eine Stimme mehr gebraucht, um im ersten Wahlgang gewählt zu sein. Also gab es einen zweiten, wo Daniela aus unerfindlichen Gründen wieder antrat. Werner kam dann auf 85, ich auf 37 und Daniela auf 20.

Also immerhin ein Achtungserfolg als jüngster Kandidat (ich war damals 23) Zweiter zu werden bei der Konkurrenz. Viele hatten mir das nicht zugetraut, andere allerdings hatten mir den Sieg zugetraut. Ich ja auch, wobei es schon eine Sensation gewesen wäre. Ich kandidierte dann in Göppingen, wo leider vorher klar war, dass man als Grüner dort faktisch keine Chance hat, in den Landtag einzuziehen (das Wahlrecht in Baden-Württemberg ist sehr kompliziert). Ich wurde schon für Göppingen angefragt, bevor die Kandidatur in Stuttgart auch nur halb-öffentlich bekannt war. Nun gab es keinen Grund mehr, dort abzusagen.

Die Entscheidung habe ich auch nie bereut. Der Wahlkampf als Kandidat in Göppingen war sehr spannend, aber auch herausfordernd. Ich kannte weder Göppingen, noch die Leute dort vor Ort (bis auf den Grünen-Kreisvorsitzenden und seine halbe Familie) und war auch keine kleinen Kreisverbände gewohnt. Das lief dort doch sehr anders als in Stuttgart. Das Wahlergebnis konnte ich von 5,3 % im Jahr 2001 mit einem lokalen Kandidaten auf 9,03 % im Jahr 2006 mit mir als jungen, unbekannten Kandidaten steigern. Noch wertvoller als dieses schöne Ergebnis sind aber die Erfahrungen, die ich aus dem Wahlkampf mitnehme. (Werner wurde übrigens bei der Wahl wie erwartet Landtagsabgeordneter.)

Kurz danach hab ich dann als Vorsitzender der GJ Stuttgart aufgehört, was schon bei der Kandidatur 2005 so geplant war. Inzwischen war ich auch im Februar 2005 Ortsverbands-Vorsitzender der Grünen in Stuttgart-Nord geworden und seit Oktober 2004 stellvertretendes Mitglied im Bezirksbeirat Stuttgart-Nord (so eine Art Stadtteilparlament) und so nach wie vor nicht ämterlos. Kleinere Ämter auf Landesebene der Grünen Jugend gab’s auch noch (Schiedsgerichts-Vorsitzender z.B., das bin ich bis heute).

Im Herbst 2007 kandidierte ich dann mit Votum der Landesmitgliederversammlung der GJ BaWü für den grünen Landesvorstand Baden-Württemberg (auch Parteirat genannt). Ich bekam 111 Stimmen und damit das zweitbeste Ergebnis bei den Männern. Mal wieder eine Schnapszahl. Zuvor war ich nämlich bereits am 11.11. geboren, am 09.09. eingetreten und am 07.07. nicht für die Landtagskandidatur nominiert worden.

Im Landesvorstand bin ich bis heute. Mein Ortsverbands-Kapitel hab ich erstmal abgeschlossen. Das war nichts für mich. Vielleicht bin ich dazu auch noch nicht sesshaft genug.

Das war nun mein doch etwas lang gewordener Rückblick auf sechs Jahre grüne Mitgliedschaft. Es gab ganz klar Höhen und Tiefen. Aber bereut habe ich den Eintritt nie. Wichtigste Erkenntnis: Man kann echt viel machen, wenn man bereit ist, die Zeit zu investieren.

Aber auch wichtig: nicht zu verbissen sein und auch das Leben außerhalb der Politik nicht schleifen lassen.



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