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Wahl in Berlin: Highlights des Abends

Bis auf die NPD war das doch ein netter Wahlabend. Voller lustiger Momente auch. Nicht nur Pannen bei der Übertragung, wo nach fehlendem Ton und einem gerade abgetupft werdenden Moderator auch mal eine Frauenstimme zu hören war, die vorwurfswoll „Stefan, nein…“ ins Mikrofon stöhnte, während man Harald Ringstorff durch einen Flur laufen sah.

Der Spitzenkandidat der CDU, Friedbert Pflüger, hat das bislang schlechteste Ergebnis der CDU in Berlin diesmal noch unterboten. Und wie nennt er das? „Konsolidierung auf dem Niveau der letzten Wahl“.
Außerdem: „Die CDU ist wieder da, nach fünf schweren Jahren.“ Der CDU-Landesvorsitzende, Ingo Schmitt, hat immerhin erkannt, dass das Wahlergebnis „eines [ist], das uns nicht zu sehr beglückt.“ Ganz weggetreten sind sie also doch noch nicht.

„Eine über den Durst“ nannten die ARD-Moderatoren die ganze Zeit die eine Stimme Mehrheit für Rot-Grün oder Rot-Rot. Auch der FDP-Mann Martin Lindner schloss sich der Formulierung an. Normal heißt das ja aber, dass es zu viel wäre. Hier soll es die Knappheit der Mehrheit verdeutlichen. Also, wenn man in Bildern spricht, sollte man schon gucken, dass es passt. Der eine Sitz wurde bei Rot-Grün übrigens zu nem Doppelsitz (Stand: 21:45 Uhr, ARD).

FDP-Chef Guido Westerwelle traute sich derweil wieder nur mit fünf Parteifreunden um sich rum vor’s Mikro. Ich finde das jedesmal irgendwie seltsam und da sich das gerade bei jeder Wahl wiederholt, musste ich sogar schon laut lachen. Sieht einfach komisch aus. Vor allem, wenn man die Gesichter der Rumsteher betrachtet. Die wissen nämlich selbst nicht so genau, was sie da tun.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt’s möglicherweise eine Koalition der Verlierer (SPD und CDU) und in Berlin eine Koalition der Gewinner (SPD und Grüne). Nach dieser Wahl stehen viele Optionen offen. Die PDS könnte überall in der Regierung bleiben oder überall rausfliegen.

Sehr passend zu den vielen Optionen der SPD auch ein Versprecher in den Tagesthemen von Ulrich Wickert vor fünf Jahren (anhören).

Danke an die ARD und das Inforadio Berlin-Brandenburg für ihre Livestreams. Hab hier nen kleines Wahlstudio eingerichtet und beides gleichzeitig angehabt, nur für mich alleine, aber man will ja nichts verpassen. ;-)

Ich wurde gebeten, die kleine Fliege in meinem Glas Zitronentee mit zu erwähnen. Hab ich jetzt nicht unterbringen können. Schlimm?

Keep off the Grass

Keep of the Grass - Günther Grass

Klein-Günther hat Scheiße gebaut. Groß-Günther hat daraus gelernt. Er war damals 17. Ohne sein Outing wäre niemand auf die Idee gekommen, dass er in der Waffen-SS war. Genau deshalb sind viele jetzt enttäuscht von ihm, dabei zeigt genau das doch, dass er danach viel richtig gemacht hat. Mehr als jetzt seine Kritiker. Deswegen: Keep off the Günther Grass.

Lesenswert dazu auch: Grasswurzel-Journalismus, Demontage einer moralischen Instanz und die Frage, ob der Kirchen-Karrierist Joseph der heutige Papst ist.

Drei, drei, drei… Jahre!

Vor drei Tagen ging es um drei Monate. Nun geht es um drei Jahre. Was kommt wohl dabei raus, wenn man sich selbst drei Jahre lang jeden Tag fotografiert und dann ein Video daraus macht? Ahree Lee aus San Francisco hat sich das wohl auch gefragt und es dann einfach gemacht. Herausgekommen ist ein dreieinminütiges Video:

In der Langversion (2:32 min; also doch fast drei) steht jede Sekunde für eine Woche. Mehr Infos zu dem Film und die komplette Version gibt’s auf Ahrees Website.

Wünsche euch ein schönes Wochenende, ich muss mich jetzt mal dringend um meinen Prüfungsstoff kümmern.

Gefunden bei Andreas Dittes.

Schwarz-Rot-Rot-Grün

In Frankfurt am Main wird schwarz-grün koaliert. „Wer ein solches Bündnis eingeht, braucht nicht zu glauben, er könne mit uns in Berlin regieren“, so Bodo Ramelow, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linkspartei/PDS im Bundestag, bei Spiegel Online.

Interessant daran ist, dass die PDS im Stadtstaat Berlin derzeit mit der SPD regiert, die wiederum im Bund mit CDU und CSU eine Koalition bildet. Das ist schon bemerkenswert, dass eine schwarz-grüne Koalition auf kommunaler Ebene in Frankfurt aus Sicht von Ramelow gegen Rot-Rot-Grün spricht, Schwarz-Rot im Bund jedoch nicht gegen Rot-Rot.

Es spricht sehr viel gegen Rot-Rot-Grün, aber das ist ja wohl lächerlich.

Wolfgangs unpatriotisches Polizeifahrzeug

Keine deutschen Fahnen an Polizeifahrzeugen. Dies hat der Berliner Innensenator angeordnet. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sieht auch seinen Rollstuhl davon betroffen. Wörtlich sagte er: „An meinen Rollstuhl mache ich keine Deutschland-Flagge, weil der Berliner Innensenator gesagt hat, Polizeifahrzeuge sollten keine Fahnen haben“. Ergänzend fügte er hinzu: „Da ich als Bundesinnenminister oberster Dienstherr der Polizei bin, ist mein Rollstuhl auch ein Polizeifahrzeug im erweiterten Sinn“. Armer Schäuble. Es wird ihm vermutlich tagtäglich leid tun. Wäre er doch lieber Bundespräsident geworden.

Gorbatschow gegen Studiengebühren

Während scheinbar die ganze Welt Fußball guckt (Deutschland-Ecuador), sitze ich hier schwitzend am Rechner und entdecke Meldungen, dass Michail Gorbatschow sich offenbar gegen Studiengebühren ausgesprochen hat.

„Koch informierte mich von den Protesten der Studenten gegen die Studiengebühren,“ erzählt der „Vater der Deutschen Einheit“ im Gespräch mit Bild. Davon, daß Vorlesungen gestört und Autobahnen besetzt werden. „Da habe ich Roland Koch gefragt: Wann ist die nächste Studenten-Demo? Da möchte ich hin. Mitmarschieren, vorne, in der allerersten Reihe. Studiengebühren sind doch ein absolutes Unding.“

Super Sache! Komisch ist allerdings, dass ich das nur in BILD und auf unzähligen Studenten-Seiten finden konnte. Die meisten Seiten zitieren BILD.

Und dann erklärt der einzige und zugleich letzte Präsident der Sowjetunion, daß die „kostenlose Bildung“ in seinem Land bis heute in der Verfassung steht. „Und für einen solchen Grundwert würde ich nochmal auf die Straße gehen und kämpfen.“ Dies gelte selbstverständlich für die ganze Welt, nicht nur für Hessen.

Hoffen wir, dass es stimmt und die BILD nicht mal wieder Märchenstunde hat. Wenn es stimmt, ist es allerdings sehr seltsam, dass es von anderen Zeitungen nicht aufgegriffen wurde. Das wäre doch schon eine Meldung wert. Gerade wo Gorbi das auch noch von Roland Koch selbst erfährt und ihm direkt seine Antwort ins Gesicht sagt. Der wär doch mal was als Bundespräsident. Gorbi, nicht Koch.