Kategorie Politik

Stoiber und der Bär als Text

Ich hatte ja schon weiter unten das MP3 mit Stoiber (alias Stoibär) und JJ1 (alias Bruno alias Problembär) verlinkt. Weil’s so schön ist, habe ich mir mal die Mühe gemacht und den Text rausgeschrieben.

Zitat:
Äh… Natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns, und die Reaktion war völlig richtig, einen äh, sich normal verhaltenden Bär in Bayern zu haben. Äh, ja, das ist gar net zum Lachen. Äh, und der… Bär, im Normalfall, ich muss mich ja auch… äh… auch Werner Schnappauf hat sich natürlich hier, äh, intensiv, äh, mit äh, so genannten Experten austausch… austauschen… äh, müssen. Nun haben wir, der normal verhaltende Bär lebt im Wald, geht niemals äh, raus und äh, reißt vielleicht äh, ein bis zwei Schafe im Jahr. Äh, wir haben dann einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden Bär, dem Schadbär und dem äh, Problembär. Und, äh, es ist ganz klar, dass äh, dieser Bär äh, ein Problembär ist und äh, es ist im übrigen auch äh, im Grunde genommen äh, durchaus äh, ein gewisses Glück gewesen. Der hat um 1 Uhr nachts äh, praktisch äh, diese Hühner gerissen. Und äh, Gott sei dank war in dem Haus… äh, war… also jedenfalls ist das nicht bemerkt worden aufgrund von… äh, es ist nicht bemerkt worden. Stellen Sie sich mal vor, der war ja mittendrin, stellen Sie sich mal vor, die Leute wären raus und wären praktisch jetzt dem Bären äh, praktisch begegnet, äh, was da hätte passieren können…

Tipp: Anhören und am besten mitlesen dabei.

Merkel-Podcast: Bloß keine Emotionen!

Völlig emotionslos. Nahezu inhaltslos. Absolut enttäuschend. Mehr braucht man eigentlich nicht über Merkels ersten Video-Podcast sagen. Aber ich finde es so schlecht, dass ich mich doch noch genauer darüber auslassen muss. Die Idee an sich hatte ich ja ausdrücklich gelobt.
Doch dass das so schlecht umgesetzt wird, konnte man echt nicht ahnen. Merkel spricht Sätze, die inhaltlich eigentlich Emotionen ausdrücken, völlig teilnahmslos aus: „Jetzt geht es los“ (WM), „friedlich und fröhlich“ (feiern), „auch ich habe Freude daran“ (neue Technik; Podcast) und „jetzt freue ich mich erstmal auf den Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft“.

Inhalt

Inhaltlich auch ganz schwach. Sie hat sich vor dem Spiel gegen Costa Rica nochmal mit Klinsmann und der Nationalelf getroffen. Merkel-PodcastAlle sind hochmotiviert (hoffentlich haben die sich nicht von ihrer Begeisterung anstecken lassen). Sie weist außerdem auf die Weltoffenheit Deutschlands hin. Wie das wohl Roland Koch oder Edmund Stoiber finden? Mehr war inhaltlich nicht. Oder zählt die Aufforderung, seine Meinung über „die Reformen, die die Bundesregierung anpackt“ an internetpost@ bundesregierung.de zu schreiben auch als Inhalt? Oder dass sie uns künftig „ziemlich regelmäßig“ mit ihren Video-Botschaften beglücken will?

Angefangen hat das Video übrigens mit Bildern von Merkel mit dem Papst, Bush und anderen prominenten Leuten aus aller Welt. Ziemlich überflüssig, weil eigentlich jeder weiß, dass sie die kennt. Das Layout des Logos des Podcasts erinnert irgendwie an Tatort oder sowas.

Feedback

Frau Merkel, das ist nicht nur eine neue Technik! Da steckt auch Kultur dahinter und so ein monotoner Video-Podcast passt einfach nicht dazu. Der wohl bekannteste Video-Podcast in Deutschland, Toni Mahoni von Spreeblick, ist beispielsweise so erfolgreich gerade weil er eben völlig unverkrampft locker daherredet. Jetzt ist das zwar nicht ganz vergleichbar, aber diese Ansprache ist ja noch monotoner als das, was man so im Fernsehen sieht. Netter Versuch, aber total gescheitert. Kann beim nächsten Mal nur besser werden.

Angucken

Hier der Podcast direkt (Format M4V) und bei wem das nicht geht, hier der Link zum Stream, der bei den meisten wahrscheinlich eher funktioniert.
Übrigens: Ehrensenf hat schon vor Merkels Video eine ziemlich treffende Parodie in die aktuelle Folge eingebaut.

Zensur bei Christiansen

Normalerweise ist die Sendung von Sabine Christiansen live. Vergangenen Sonntag wurde sie wegen Terminproblemen der Gäste aufgezeichnet. Und wie ich soeben bei LobbyControl gelesen habe, wurde das offenbar prompt zur Zensur genutzt.
EnBW-Chef Utz Claassen wollte offenbar das Saubermann-Image von FDP-Justizminister Ulrich Goll in Sachen WM-Tickets korrigieren. Der hat bisher nämlich erklärt, nichts angenommen zu haben. Claassen wollte nun der Öffentlichkeit über die Christiansen-Sendung bekannt machen, dass er gebeten wurde, für Goll Tickets zu besorgen. Diese Passage wurde allerdings vor der Ausstrahlung rausgeschnitten.

Sehr kurios klingt die Begründung vom NDR für diese Zensur. LobbyControl zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ):
Claassen, betonte NDR-Sprecher Martin Gartzke, habe „Behauptungen über ein Mitglied der baden-württembergischen Landesregierung“ aufgestellt, „deren Wahrheitsgehalt Sabine Christiansen während der Aufzeichnung nicht überprüfen konnte und der sich auch bis zur Ausstrahlung der Sendung nicht abschließend hat klären lassen“.

Hatte jemand bisher das Gefühl, dass jede Aussage in der Sendung von Sabine Christiansen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft wurde? Hatte jemand bei dieser Sendung vom letzten Sonntag das Gefühl, dass alle ausgestrahlten Statements immer der Wahrheit entsprachen? Wenn nein, wieso dann, wenn es sich um den FDP-Justizminister handelt?

(Bemerkt durch kulturblog.de)

Merkel podcastet

Es merkelt im Internet. Morgen, 8. Juni 2006, bietet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erstmals einen Video-Podcast auf ihrer Seite www.bundeskanzlerin.de an. Dieser Termin außer der Reihe startet um 16 Uhr. Künftig will sie dann immer samstags „die Politik der großen Koalition erklären“. Morgen geht’s allerdings erstmal um die Fußball-WM.

Quellen: bundeskanzlerin.de, SPIEGEL ONLINE

Ich finde es gut, dass Merkel diese neue Technik aufgreift und nutzt. Gerade das Internet sollte dazu genutzt werden, auch ungefilterte Informationen zu verbreiten. Zeitungen, News-Seiten und Nachrichtensendungen filtern immer, alleine schon, indem sie etwas bringen oder nicht bringen. Da ist es gut, wenn man die Infos ungefiltert bekommen kann. Trotz aller Querelen in der großen Koalition ist allerdings nicht davon auszugehen, dass Merkel auch die Rolle der Opposition übernimmt. Daher wäre es sehr wünschenswert, wenn die Oppositionsparteien das aufgreifen. Sonst ist diese direkte Information sehr einseitig.

Nahezu zeitgleich (aber ein kleines bisschen früher) haben auch andere darüber geschrieben, so z.B. Medienauge, Spreeblick, Blog der SPD NRW, netzpolitik.org und kornecke.blog.

Happy birthday, Umweltministerium!

20 Jahre Umweltministerium
Das Bundesumweltministerium wird 20. 41 Tage nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde es gegründet, vor allem um die Bevölkerung zu beruhigen.
Auch die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel war mal Bundesumweltministerin. Laut einem taz-Artikel vom 06.06.06 (ja, ich kann die Zeitung der Zukunft lesen) erstellte „sie eine schwarze Liste mit aufmüpfigen Mitarbeitern des Umweltbundesamtes und untersagte ihnen Kontakte zu Parlamentariern. Merkel schätzte die fortschrittlichen grünen Gedanken nicht.“
Lob bekommt in dem Artikel der bisher einzige grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Zwar hat auch er die Probleme nicht in den Griff bekommen (wie soll das auch so schnell gehen?), doch hat er mit Ökosteuer, Erneuerbaren Energien und einem neuen Naturschutzgesetz einiges erreicht. Umweltpolitisch wichtige Kompetenzen wie Energieeffizienz hat dagegen nach wie vor der Wirtschaftsminister. Und genau das will Sigmar Gabriel (SPD), der aktuelle Umweltminister werden. Ob er das der Umwelt zuliebe anstrebt?
Immerhin gibt es das Ministerium noch. Die CDU plante für die Zeit nach der Bundestagswahl 2005 schon ohne. Wird Zeit, dass Gabriel Wirtschaftsminister wird, dann kann wenigstens wieder jemand wie Klaus Töpfer (CDU) oder Trittin die Umweltpolitik übernehmen. Die Bilanz von Töpfer war der CDU allerdings offenbar zu gut. Daher durfte er 1994 dann auch nach sieben Jahren als Umweltminister ins Bauressort wechseln. Dafür kam dann Merkel.

Umweltschutz aktuell
Nicht alle finden es gut, dass bei Umweltschutz heute sehr viel über Arbeitsplätze gesprochen wird. Natürlich wäre es schön, wenn sich auch ohne andere Argumente die Mehrheit der Bevölkerung dem Umweltschutz verpflichtet fühlen würde (und da gehört mehr dazu als bei einer Umfrage das als wichtiges Thema anzugeben). Aber auf absehbare Zeit kriegen wir die Mehrheit nicht dazu aus ökologischen Gründen weniger Auto zu fahren. Aus ökonomischen Gründen tun sie das. Also muss man ökonomische Anreize setzen – wie mit der Ökosteuer geschehen – damit etwas passiert. Was für den einzelnen Haushalt gilt, gilt auch für die Volkswirtschaft. Der Mehrheit der Abgeordneten im Parlament kann man Umweltschutz pur schwer verkaufen, aber man braucht ihre Zustimmung. Und da Umweltschutz nun mal auch Arbeitsplätze schafft, wäre es töricht dieses Argument nicht stark in den Vordergrund zu rücken. Wichtig ist doch, dass etwas passiert.

Hoffen wir, dass auch Umweltschutz pur als Argument wieder mehr zählt. Solange aber wissen wir, dass wir andere Argumente finden müssen. Überzeugen kann ich politische Gegner nicht mit meinen Argumenten, sondern mit ihren.