Kategorie Stuttgart

Hochschule 2012: Doku vs. Realität

Kürzlich ist die Dokumentation des Kongresses Hochschule 2012 erschienen. Ich war dort als leider einziger Student auf dem Podium. Es gab drei Foren, ein Abschlussplenum und diverse Eingangsstatements, Grußworte bzw. „Impulsreferate“.

Kongress Hochschule 2012

Der Kongress sollte insbesondere Möglichkeiten erarbeiten, wie mit der stark steigenden Zahl der Studienanfänger in Baden-Württemberg umgegangen werden kann. Ausdrücklich soll Zunahme nicht als Problem, sondern als Herausforderung und Chance gesehen werden.
In der Abschluss-Rede sagte Ministerpräsident Günther Oettinger wörtlich: „Bei 30 Prozent mehr Studierenden muss mehr Geld her, mindestens die Hälfte muss durch den Landeshaushalt getragen werden.“ (Seite 65, oben rechts)
Zurzeit ist an den Unis aber eher Realität, dass Mittel gestrichen werden, die dann durch Studiengebühren aufgefangen werden sollen. Soviel zum Thema „zusätzliches Geld“ zur „Verbesserung“ der Lehre. Man darf gespannt sein, was von den Ankündigungen des Kongresses übrigbleibt. Der Kongress fiel in die Wahlkampfzeit.

Oettinger beim Kongress Hochschule 2012Der neue Rektor der Uni Stuttgart, Wolfram Ressel, beschwert sich zu recht darüber, dass die Mittel auf dem Niveau des Jahres 2006 eingefroren werden sollen. Wegen der Inflation ist das faktisch eine Kürzung. Mehr Mittel werden auf dem Kongress versprochen und in der Realität das glatte Gegenteil gemacht: Kürzungen.

Der Kongress war trotzdem sehr interessant, insbesondere weil man viele interessante Menschen kennen lernen konnte. Aber eine richtige Mitwirkung von Studierenden schien nicht erwünscht. Ein Student auf dem Podium bei dem ganzen Kongress ist doch sehr wenig. Noch dazu hatte nicht nur ich bei meinem Podium den Eindruck, dass es der Moderatorin meist gar nicht recht war, wenn ich etwas sagen wollte.

Das Wichtigste was bei diesem Kongress erreicht wurde, war wohl die Sensibilisierung für das Thema. Es kommen gewaltige Herausforderungen auf die Hochschulen zu. 2012 ist nur die Spitze des Eisbergs – bedingt durch den doppelten Abi-Jahrgang.

Jetzt ist der Kongress schön dokumentiert. Aber die schönste Doku nützt nichts, wenn das Dokumentierte nicht beachtet wird. Dass diese Doku nun erst nach vier Monaten erschienen ist, macht sie auch zu einem Erinnerungsinstrument: Herr Oettinger, der Wahlkampf ist vorbei. Taten sind gefragt!

Fotos vom Kongress, Printversion der Dokumentation bestellen (kostenlos).

Rauchfreie Uni

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist soweit. Die Nichtraucherschutzkonzepte für sämtliche Universitätsgebäude sind erstellt. Alle Gebäude und Räume an der Universität Stuttgart sind rauchfrei.

Auch das Studentenwerk wird mitziehen und in allen Cafeterien spätestens zu Beginn des Wintersemesters 2006/2007, in einzelnen Bereichen auch schon früher, ein generelles Rauchverbot erlassen.

Für die Raucher wurden Raucherzonen im Freien eingerichtet. Diese sind entsprechend gekennzeichnet und können auch den aktuellen Gebäudekonzepten (erhältlich bei der Projektleitung Nichtraucherschutz) entnommen werden. […]

Endlich! Seit einer ganzen Weile ist im KII („meinem“ Uni-Gebäude) schon Rauchverbot und man merkt einen sehr großen Unterschied. In der Caféteria wird jedoch überall geraucht, obwohl auch da offiziell nur ein Teil Raucherzone ist. Mal sehen, was sich jetzt tut.
Ich fand das eh schockierend, dass hier an der Uni außer in den Hörsälen nahezu überall geraucht wurde als ich angefangen habe, selbst in der Bibliothek unten.

(Quelle: Rundschreiben der Uni Stuttgart)

Grüne Zukunftsdebatte

Vor ein paar Stunden endete die eintägige Regionalkonferenz Baden-Württemberg zur Zukunftsdebatte der Grünen. Oberthema war die künftige Rolle von Staat, Markt und Bürgergesellschaft. Trotz des sehr guten Wetters und trotz WM war es total voll. Es ist also ganz klar ein Bedarf an dieser Debatte da.

Regionalkonferenz BaWü zur ZukunftsdebatteSehr interessant war das Impulsreferat von Politikwissenschaftler Dr. Warnfried Dettling. Unser Bundesvorsitzender Reinhard Bütikofer hat ein Eingangs-Statement gehalten und die Bundestags- bzw. Landtagsfraktionsvorsitzenden, Fritz Kuhn und Winfried Kretschmann, führten ein sehr lebhaftes Streitgespräch zur Föderalismusreform. Anschließend war ich im Forum zum Thema Haushaltskonsolidierung mit Gerhard Schick und Oswald Metzger, moderiert von Alex Bonde (siehe Foto). Andere Foren waren zu den Themen Bürokratieabbau in der Umweltpolitik (ohne Qualitätsverkust machbar?), bürgernahe Verwaltung am Beispiel der selbstständigen Schule und Soziales, insbesondere Grundeinkommen (ein Vorschlag dazu).

Beim Thema Umwelt und Bürokratie waren einige vom Landesverband der baden-württembergischen Industrie gekommen. Dort gab es wohl eine sehr interessante und sachliche Diskussion. Das Thema Grundeinkommen hätte mich auch sehr interessiert. Es gibt viele interessante Themen, die die Partei bewegen. Ich freu mich auf den Kongress in Berlin und auf die Debatten davor.

Begegnung mit einem englischen Fooligan

Ich hatte heute Abend mein ganz persönliches WM-Erlebnis. Ich bin gegen 19 Uhr raus. Noch ein bisschen die Sonne genießen, den feiernden Fans zuschauen, wenn sich’s ergibt ein bisschen mitfeiern usw. Da sich nichts ergeben hat, bin ich dann zu ner Kneipe, wo Freunde von mir arbeiten. Hier ne Stunde an der Longdrink-Theke, da ne Stunde beim Türsteher. Überall war im Grunde gute Stimmung und es wurde schön gefeiert. Auch wenn nicht alle so begeistert waren, dass längere Zeit niemand mehr reindurfte, weil’s voll war.
Nachdem ich den Abend über viel gelaufen war und nun viel gestanden habe, hab ich mich am Rande des Spektakels draußen auf nen Stuhl gesetzt und dem fröhlichen Treiben schmunzelnd zugesehen. Es wurden Lieder gesungen, gegrölt und getanzt. Ich hab davon nicht viel verstanden, aber irgendwie war’s witzig anzusehen.

Nach einigen Minuten grölten/sangen sie wieder irgendwas und zeigten plötzlich alle auf mich. Weiterlesen “Begegnung mit einem englischen Fooligan” »

Randale und Rassismus bei WM in Stuttgart

Anlieger frei?! Heute nicht...Samstagabend gab es Schlägereien zwischen deutschen und englischen Fans in Stuttgart. Ich kam gegen 22 Uhr in die Stadt, um zu gucken, was so los ist und evtl. mit Freunden oder Bekannten, die ich treffe, etwas zu feiern. Auf dem Weg zum Schlossplatz stand mir jedoch eine Polizeikette im Weg. Keiner kam durch. Begründung: „Chaos“. Mindestens von drei Seiten war der Bereich um den Zebrastreifen Ecke Königstraße/Bolzstraße durch Polizeimauern abgesperrt, teilweise mit Reitern. Das Public-Viewing-Gelände durfte man in die Richtung auch nicht mehr verlassen. Der SWR schreibt dazu:

Nach dem Achtelfinale der deutschen Mannschaft ist es in Stuttgart erneut zu Ausschreitungen von Fußball-Fans gekommen. Zwischen deutschen und englischen Fans gab es Schlägereien. Die Polizei musste eingreifen. Bereits am frühen Samstag hatte die Polizei 122 englische Fans in Gewahrsam genommen, die randaliert hatten.

Es wurde mit Tischen, Stühlen und Flaschen geworfen. Es gab wohl auch einige Verletzte. 200 Polizisten waren im Einsatz und letztenendes wurden auch sie angegriffen:

Zunächst wurden nach Angaben der Polizei nur einzelne Gewalttäter festgenommen. Als auch Polizeibeamte angegriffen worden seien, habe eine Eskalation der Lage gedroht.

Polizeisperre aus Richtung Palast

Sonntag wird’s voll in der Stadt: Etwa 50.000 englische Fans werden erwartet und…

Beim Achtelfinalspiel am Sonntag wird die Polizei mit rund 1.800 Beamten in Stuttgart präsent sein.

Einige Fotos vom Abend habe ich hier hochgeladen. Fotos von der Randale gibt es beim Kölner Express (dort auf das Bild klicken).

Traurig. Sowas muss echt nicht sein. Irgendwo Bei Reuters hab ich eben auch gelesen, dass einige Engländer rassistische und beleidigende Lieder gegrölt haben. Dies hat der Leiter der englischen Polizisten hier gesagt, also sicher niemand, der denen eins reinwürgen wollte. Es gibt leider viele, die die WM als Deckmantel für ihre rechten Parolen verwenden. Und das sind nicht nur Engländer.

Stuttgart steht still… und jubelt

Sechster Stock. Fachschaft BWL. KII. Uni Stuttgart. Ich schaue aus dem Fenster. Kaum Autos unterwegs, wenige Menschen zu sehen, ein Polizeiauto fährt Streife. Zwei Fensterputzer scheinen neben Gastronomiebeschäftigten die Einzigen zu sein, die gerade arbeiten. Warum? Fußball-WM. Deutschland gegen Ecuador. Momentan 1:0 laut dem Jubel, der hier unüberhörbar ist. Zweimal war’s wohl ganz knapp vorbei und jetzt gerade fällt das zweite Tor für Deutschland. 2:0. Live gebloggt quasi. Eine Dreiviertelstunde noch bis zur nächsten Vorlesung. Im Anschluss Uni-Kino. Aber was mach ich bis dahin?

Uni-WG 2.0

Neubau Uni-WGTotgesagt und doch schon fast wieder da: Die Uni-WG. Am 10. Mai 2005 ist sie im Rahmen des Protests gegen Studiengebühren an der Uni Stuttgart entstanden. Es ging um eine neue, kreative Form des Protests. Ein bisschen Besetzung und sich einen Freiraum schaffen, vor allem aber Aufmerksamkeit erregen für das Thema Studiengebühren und eine Anlauf- und Infostelle für alle zufällig oder absichtlich Vorbeikommenden bilden. Und das hat auch wunderbar funktioniert. Fast ein halbes Jahr wurde in der Uni-WG geschlafen (irgendwann hört man den Lärm kaum noch), gewohnt, gegessen und protestiert. Viele Menschen haben zusammengefunden, viele wurden informiert und sehr viel Aufmerksamkeit wurde erreicht. Neben halbseitigen Zeitungsartikeln mit Farbfotos haben u.a. SWR 3 und r.tv über uns berichtet.
Neubau Uni-WGMit dem Jahreswechsel 2005/2006 war erstmal Schluss. Die Antwort der Uni auf die Rückkehr im Januar war zunächst die Polizei. Inzwischen hat man sich einigen können und die Uni-WG wird als Treffpunkt wieder aufgebaut. Anders als vorher, wohnen kann man da auch nicht mehr, aber es ist klar, dass unsere Uni-WG vom letzten Jahr niemals wieder so wird, wie sie mal war. Aber toll ist es, dass es einen Treffpunkt dort geben wird, denn das fehlt eindeutig im KII. Hoffen wir, dass etwas von der Gemütlichkeit der alten WG erhalten bleibt. Seit Montag, den 19. Juni (nicht mehr ganz heute), wird wieder gebaut.

P.S.: Uni-WG 2.0 trifft es nicht ganz, denn die alte war besser und kann nur besser sein. Aber es ist doch so modern jetzt alles 2.0 zu nennen. ;-)