Morgen ist in Baden-Württemberg Landtagswahl – und es ist eine ganz besondere. Einerseits weil Winfried Kretschmann nach 15 Jahren aufhört und es so oder so einen neuen Ministerpräsidenten gibt (ich hoffe natürlich auf Cem Özdemir und die Chancen stehen auch gut, es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit grünem Trend zuletzt).
Andererseits ist es für mich auch ganz persönlich eine besondere Wahl, weil ich vor genau 20 Jahren selbst bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg kandidiert habe. Das waren allerdings noch ganz andere Zeiten (und ein anderes Wahlrecht). In meinem Wahlkreis, in Göppingen, konnten wir damals von 5,3 % auf 9,0 % zulegen. Das war zwar ganz ordentlich, ist aber mit den heutigen Zahlen (seit 2011) nicht vergleichbar. Und es war im Grunde auch vor der Wahl klar, dass ich mit dem Wahlrecht in dem Wahlkreis als Grüner keine Chance habe. Ich wollte ja auch erst einen anderen Wahlkreis, aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Danach war das Thema Berufspolitik für mich abgehakt. Verrückterweise wurde ich dann später noch zwei Mal für Bürgermeister-Kandidaturen angefragt (hab jeweils abgesagt, fühlte mich aber sehr geehrt) und wurde zwei Malin den Landesvorstand der Grünen Baden-Württemberg gewählt. Verrückt, dass die höchste Position dann kam als ich es gar nicht aktiv angestrebt hatte (aber auch das ist eine andere Geschichte).
Die Zeit als Landtagskandidat 2006 war aber wirklich sehr spannend. Von sich selber kleistern und die Wahlplakate in der Stadt hängen sehen über sehr spannende Begegnungen, die man sonst so nicht gehabt hätte (z.B. ein Gespräch mit Walter Riester, der kurz zuvor noch Bundesarbeitsminister war). Meine alte Website zur Landtagswahl ist auch noch konserviert.
Deutlich den Trends der Wahlkampf-Kommunikation voraus war ich mit einem kleinen Video, das ich (mit der Hilfe von ein paar anderen) gemacht habe. Ansonsten schlage ich aus heutiger Sicht bei einigen Dingen, die wir oder ich damals gemacht haben, die Hände über dem Kopf zusammen. Zeiten ändern sich – und man sammelt Erfahrung.
Meine Frau ist 40 geworden. Oder wie sie sagte: 4.0.
Gefällt mir.
Man nennt das hier übrigens das „Schwabenalter“, denn ab 40 ist man „g’scheit“, also klug.
Das passt auch gut zu den Versionsnummern. Bei Version 4.0 sollte etwas doch gut ausgereift sein und schon einige Verbesserungen bekommen haben. Ja, ein paar Bugs gibt es dann vielleicht, aber es kommen ja im Grunde alle paar Tage neue Versionen. Was heute 4.0 ist, ist in 3-4 Tagen dann im Durchschnitt schon 4.0.1. Hin und wieder gibt es sicher auch mal größere Sprünge.
Da hat es doch was, dass ich seit dem letzten 11.11. nicht nur 44 bin (hätte ich ja eigentlich groß feiern müssen, ging aber doch irgendwie unter), sondern im Grunde bei Version 4.4.
Es ist ja inzwischen quasi eine Tradition geworden, dass ich hier im Blog einen Jahresrückblick veröffentliche – nicht mehr und nicht weniger. Wobei ich mir das „mehr“ doch immer wieder mal vornehme. Naja, vielleicht nächstes Jahr.
Gefühlt war es aber die letzten Jahre einfacher hier etwas zu Papier, äh, zu Blog zu bringen. Ich sortiere gerade noch meine Gedanken und tue das nun mehr oder weniger live hier im Text. Es war irgendwie ein wildes Jahr.
Unsere Bundesregierung hat weitgehend die Farben gewechselt – und das bekanntermaßen nicht in eine Richtung, die ich für die richtige halte. Dennoch muss ich dieser Regierung nun viel Erfolg wünschen, damit ihn die AfD nicht noch mehr und noch mehr hat. Leider fällt es unserem Bundeskanzler Friedrich Merz sehr schwer, genau das hinzubekommen. Sei es, dass er durch unbedachte Äußerungen Menschen gegen sich aufbringt oder dass er vollmundig alles Mögliche verspricht, um dann nach der Wahl verkünden zu müssen, dass einiges davon doch eher Unmögliches war. Robert Habeck wurde für seine Ideen von der Union ja geradezu verteufelt – einige davon setzt sie gerade selbst um. Ob man sie selbst für richtig hält oder nicht: Versprechungen gegen die Realität zu machen, macht die Demokratie kaputt.
Besonders irritierend für mich übrigens die Entwicklung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche: Bei der Amtsübergabe lobt sie Habeck, dass er geradezu Unmenschliches geleistet habe – und ich staune ob der wohlwollenden Abschiedsworte bei der Übergabe – und dann wechselt sie in einen Modus, der nichts mehr mit dieser Katherina Reiche von der Amtsübergabe zu tun hat. Völlig absurd auch, dass die Union das Heizungsgesetz umbenennen will, da es ja nie Heizungsgesetz hieß. Aber ich will mich nicht weiter über die Union aufregen, muss ich schon oft genug. Und außerdem sollen sie als Bundesregierung ja wirklich erfolgreich sein. Das wünsche ich mir als Staatsbürger und politischer Mensch wirklich.
Kommen wir lieber zu einem politischen Highlight dieses Jahr für mich: ein Anruf von Cem Özdemir, unserem Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg. Beliebt, erfahren und im Auftritt einem Regierungschef angemessen. Und nachdem ich so lange nur noch an der Seitenlinie der Politik stehe (2009 hatte ich ihn noch vom Rathaus zur Uni begleitet, das Bild hier ist aus 2007), hat mich der Anruf sehr gefreut. Zum Inhalt schweige ich hier, es hätte auch offenbar länger gehen können, nur leider musste ich ihn abwürgen, da er mich in der Mittagspause eines von mir gegebenen SEO-Seminars erwischte.
Nehmen wir das als Überleitung zum beruflichen Teil. Auch dort viel Umbruch und gewissermaßen sowas wie ein Neuanfang. Ich will das hier nicht allzu sehr vertiefen, aber mein GmbH-Partner musste aus gesundheitlichen Gründen nun ganz ausscheiden und das ist nach zehn Jahren Zusammenarbeit natürlich alleine schon eine große Sache, zumal er die allermeisten Kunden betreut hat. Dort gab es auch einige Umbrüche. Viele pausieren derzeit aus wirtschaftlichen Gründen die Zusammenarbeit, einer hat gleich die ganze Abteilung aufgelöst für die wir gearbeitet haben, alles nicht schön. Aber natürlich auch spannend und so sehr KI auch eine Herausforderung ist, so glaube ich, dass sie für uns gerade jetzt eine gute Chance für die Weiterentwicklung ist – in verschiedener Hinsicht.
Nicht zuletzt auch deshalb, da ich 2025 meinen ersten Buchbeitrag veröffentlichen durfte: Suchen und gefunden werden: Wie KI den Zugang zu Informationen verändert. Als E-Book ist er bereits verfügbar, gedruckt wird das Buch auch noch. Ich bin gespannt, was das mittel- und langfristig für berufliche Auswirkungen haben wird (sowohl der Inhalt des Buchbeitrags als auch, dass ich ihn geschrieben habe).
Da der Text schon sehr lang geworden ist, will ich nicht mehr allzu viel ergänzen. Privat gibt es auch nicht allzu viel zu sagen. In dieser Hinsicht war es vielleicht sogar eher ein ruhiges Jahr – wenn man das mit einem vierjährigen Kind so sagen kann. Angesichts der beruflichen und gesellschaftlichen Entwicklungen aber auch irgendwie ein nachdenkliches Jahr mit einem gedanklichen Schritt zurück und nachdenken, wie es 2026 weitergehen soll.
In diesem Sinne: einen guten Rutsch – und gerne ein Lebenszeichen hier im Blog hinterlassen, die Kommentarfunktion funktioniert. 🙂
Es ist eine Binsenweisheit, dass Gesundheit wichtig ist – und dass man sie vor allem dann zu schätzen weiß, wenn man sie (gerade) nicht hat. Auch deshalb komme ich für meinen kleinen Jahresrückblick 2024 auf dieses Thema: Ich bin gerade erkältet. Aber immerhin bin ich auf dem Weg der Besserung.
Gesundheit ist aber auch ein Thema, das im fortschreitenden Alter nicht nur bei einem selbst, sondern auch im Umfeld immer mehr Raum einnimmt – eben weil sie immer öfter fehlt oder in Teilzeit ist. Fehlende Gesundheit erzeugt dabei auch immer Konflikte. Es hätte ja auch ohne Genesungsanstrengungen (oder eben der Ruhe dafür) genug zu tun gegeben und nicht alles davon kann warten. Wie schon in einer Werbung thematisiert, können Eltern sich (in der Elternrolle) nicht einfach krankmelden. Der Nachwuchs interessiert sich nicht für eine AU (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung). Und wenn er selbst krank ist, gibt es oft ja sogar mehr zu tun, weil die Kleinen es auch nicht so mit Bettruhe haben.
Außerdem gibt es – gerade in einem kleinen Unternehmen und als selbstständiger Unternehmer – auch Konflikte mit der Arbeit, wenn man krank ist und spontan ausfällt. Manche Arbeit ist vielleicht dringend, ggf. können auch andere nur mit meiner Arbeit weiterarbeiten usw. Auch das Unternehmen hat eine Gesundheit – oder eben nicht. Und wenn drei Leute gleichzeitig krank sind, ist das in größeren Unternehmen Alltag. Aber wenn es nur drei gibt, ist es natürlich schwierig. Und auch, wenn „nur“ zwei krank sind, sind das zwei Drittel. Welches größere Unternehmen muss schon eine Situation meistern, wo zwei Drittel der Belegschaft gleichzeitig ausfallen?
Um diese Konflikte gering zu halten, ist es zum Beispiel sehr hilfreich, wenn das Unternehmen ein gutes Immunsystem hat. Wenn also erstens alles gut dokumentiert ist, damit jemand anders einspringen oder zumindest den Kunden Bescheid geben kann. Zweitens sollte es finanzielle Puffer geben, damit eine Situation, wo alle drei eine Woche krank sind, nicht gleich das Unternehmen in Existenznöte bringt.
Die unberechenbare Gesundheit ist auch ein (!) Grund dafür, dass man bei einem Website-Relaunchimmer genug Puffer einplanen sollte, was die meisten Kunden nicht so gerne hören. Aber damit vermeidet man eben brenzlige Situationen, wo man abwägen muss, ob eine unfertige Website live geht oder ob man einen bereits kommunizierten GoLive-Termin verschieben muss.
Auch die Gesundheit anderer Unternehmen ist wichtig für das eigene. Vor einigen Jahren hatten uns Bewerberinnen und Bewerber immer wieder nach unserer Abhängigkeit von der Automobilindustrie gefragt. Damals war sie zum Glück bei null. Heute gibt es 1-2 Kunden, die wiederum mal mehr, mal weniger abhängig sind. Einer davon ist in Kurzarbeit.
Spontan fallen mir zwei Punkte zur politischen Gesundheit ein: Die Gesundheit in der Politik insgesamt. Dazu gehört natürlich die Gesundheit innerhalb der Regierungskoalition. Hoffen wir, dass es da nach der Bundestagswahl eine Mehrheit gibt, die (mindestens) vier Jahre gut zusammenarbeiten kann. Wobei die Ampel auch an vielen Stellen besser war als ihr Ruf – wofür sie oft selbst gesorgt hat. Aber auch das politische Klima im Streit mit der Opposition hat gesundheitlich gelitten. Aus meiner Sicht war die Auseinandersetzung früher sachlicher und vor allem wurden weniger Fake News verbreitet. Leider schließt das auch eigentlich demokratische Parteien ein, die damit den undemokratischen ungewollt Unterstützung leisten. Ich hoffe auf eine möglichst starke Rolle von Robert Habeck.
Was mir zu Politik und Gesundheit aber auch noch einfällt: Klimaschutz ist Menschenschutz. Das scheinen viele noch nicht zu verstehen. Es geht nicht darum, die Umwelt einfach so zu schützen, damit sie fröhlich weiterexistieren kann (wobei das auch gut wäre), sondern letztlich schützen wir uns Menschen und unsere Gesundheit mit mehr Klimaschutz. Kein Mensch und kein Unternehmen kann ohne einen (halbwegs) gesunden Planeten auf Dauer existieren. Daher ist Klimaschutz eigentlich in unser aller Interesse und die Grundlage für alles andere – auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird (so nach dem Motto: Klimaschutz können wir uns nur leisten, wenn es der Wirtschaft gut geht).
Abschließend sei noch die Frage gestellt: Ist mein Blog eigentlich gesund? Technisch schaue ich, dass ich alles am Laufen halte und ich „repariere“ immer wieder auch alte Beiträge, wenn mir da was unterkommt, was nicht mehr läuft. Bei (mit diesem) dann 1.750 Beiträgen und 11.615 Kommentaren (ohne Spam) auch keine allzu kleine Aufgabe. Außerdem schaffe ich es immerhin ein Mal pro Jahr hier zu schreiben. Allerdings kommen keine Kommentare mehr. Als ich anfing zu bloggen, war es immer wieder eine Diskussion, ob ein Blog ohne Kommentarfunktion überhaupt wirklich ein Blog ist. Damals war Social Media (inkl. Blogs) noch weitgehend ein nettes Dorf und noch nicht der Stammtisch von heute. Was ist nun ein Blog, wo (quasi) niemand mehr kommentiert? Habe ich noch 1-2 Stammleser? Zu den besten Zeiten kamen hier so 500-700 Leute täglich vorbei.
Also, gebt mal Lebenszeichen – passend zum Thema. Und einen guten Rutsch ins Jahr 2025!
Hier und da schreibe ich ja Jahresrückblicke in diesen Blog. Mal mehrmals hintereinander, mal ein paar Jahre nicht. Zumindest einen kurzen Jahresrückblick möchte ich hier auch mal wieder dokumentieren.
Unterm Strich war 2023 für uns definitiv besser als 2022. Wirklich gut kann es mit einer Ehefrau mit russischer Staatsangehörigkeit und ukrainischen Wurzeln aber gerade kaum sein. Ansonsten war 2023 stark geprägt von Anstrengungen, die sich in der Zukunft auszahlen sollen, insbesondere eine lange und fordernde Weiterbildung bei meiner Frau.
Aber mit vielem haben wir Glück: Wir haben nach dem Umzug z.B. schnell eine neue Kita gefunden (kommt einem Sechser im Lotto schon nahe), sie ist auch noch in der Nähe (das wäre dann wohl der Sechser im Lotto) – und wir sind vollauf zufrieden (jetzt kann der Sechser im Lotto wohl nicht mehr mithalten). Und auch finanziell können wir uns nicht beschweren.
Beruflich war das Jahr erstmal sehr von der Erkrankung und der Wiedereingliederung meines Geschäftspartners geprägt. Unterm Strich lief es aber geschäftlich sehr gut. Man merkt aber, dass einige Kunden weniger Verbindlichkeit bei den Verträgen wollen, während wir sehr froh waren, die letzten Jahre die meisten Kundenbeziehungen im Kontext von Jahresverträgen zu haben. Das scheint gerade in vielen Unternehmen ein Thema zu sein. Kein Wunder: Wort des Jahres „Krisenmodus“, weil wir nicht eine Krise, sondern permanent mehrere gleichzeitig haben. Bei so einer Dynamik wollen und können viele nicht zu sehr verbindlich sein. Denke aber, das wird sich wieder beruhigen. Und wir haben dafür unsere Stundensätze nach oben anpassen können.
Ich bin sehr gespannt auf 2024, aber auch optimistisch – und hoffe, dass auch politisch wieder mehr Ruhe und vor allem Sachlichkeit einkehrt. Da können alle beitragen.
Und heute bin ich gespannt, wie Silvester mit einem Zweieinhalbjährigen so wird dessen Lieblingswort derzeit „Party“ ist.
Es war der 15. April 2013, den ich als Startdatum auswählte als ich im Frühling 2013 in einem Formular den offiziellen Beginn meiner Selbstständigkeit angeben musste. Das ist nun ganze zehn Jahre her. Nach der ersten Ankündigung im Blog gab es nach drei und sechs Monaten noch kurze Updates – sowie eine kleine Andeutung – und so möchte ich auch jetzt nach zehn Jahren hier mal ein bisschen was von meinen Erfahrungen erzählen.
Da das hier sicher auch einige lesen, die ich ganz am Anfang abholen muss, ganz kurz die Vorgeschichte: Im Juni 1997 hatte ich meine erste Website. Dieses Hobby wurde bereits während meines BWL-Studiums an der Uni Stuttgart zu meinem Beruf. Nach dem Studium war ich dann bei diversen Online-Agenturen angestellt, bevor ich nach zwei Jobs, die jeweils nur sechs Monate gingen, dann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. Angefangen habe ich als Freiberufler.
Gute 13 Monate später ging ich dann einen großen Schritt und gründete eine GmbH, die bis heute besteht. So lange war ich zuvor nie bei ein- und demselben Arbeitgeber. Gegründet habe ich die GmbH zusammen mit einer Partnerin, die ich sowohl beruflich als auch privat schon lange kannte. Da war viel Motivation und Dynamik im Spiel – etwas zu viel offenbar, denn meine Partnerin ging schon nach drei Monaten wieder von Bord, nachdem wir feststellten, dass uns bei allen Gemeinsamkeiten für eine gemeinsame Firma wohl doch zu viel trennt.
Das war natürlich einerseits befreiend, weil viel Konfliktpotential wegfiel. Aber was sollte ich denn nun alleine mit einer GmbH? Also habe ich nach neuen Mitgesellschaftern gesucht – einem oder zwei. Fühlte sich zeitweise an wie Dating, das ich allerdings nie so systematisch angegangen war. Aber letztlich hatte ich Glück, doppeltes Glück. Doppelt gar nicht so sehr, weil ich zwei Leute fand, die mit mir und miteinander die noch junge GmbH weiterführen wollten, sondern weil der mit dem es dann auch wieder nicht passte, sich noch vor dem richtigen Neustart wieder rauszog und es mit dem anderen bis heute wunderbar passt.
Die richtigen Leute sind bei sowas das A und O. Das kann man gar nicht genug betonen. Aber man unterschätzt es leicht oder ignoriert teilweise negatives Bauchgefühl, weil auf der anderen Seite ja große Euphorie herrscht. Gefährlich. Das gilt meiner Ansicht nach in abgeschwächter Form auch für Angestellte, aber ganz besonders für Mitgesellschafter. Apropos – mit solchen formal großen Akten haben wir erstmal abgewartet, um zu sehen, wie es läuft. Bei der GmbH-Gründung hieß es von einem Anwalt, da käme man schwieriger wieder raus als aus einer Ehe. Ganz so war es zwar nicht, aber man wird halt vorsichtiger.
Nachdem ich also zum Jahreswechsel 2014/2015 die GmbH zu 100 % übernommen hatte (was auch finanziell erstmal gestemmt werden musste), habe ich dann also erst zum Jahreswechsel 2016/2017 einen Teil wieder weiterverkauft und meinem neuen Partner Prokura gegeben. Auch das war ein Learning: 50/50 hatte nicht funktioniert, daher nun ganz bewusst keine formale Augenhöhe und das war auch für alle in Ordnung so und passt bis heute sehr gut. Faktisch treffen wir eigentlich alle wichtigen Entscheidungen sowieso gemeinsam. Eine Kampfabstimmung gab es noch nie. Aber es ist eben schon so, dass ich die dominierende Figur in dem Ganzen bin.
Warum überhaupt Partner? Seit Beginn meiner Selbstständigkeit hörte ich immer wieder als Reaktion „Selbständig? Ah ja, selbst und ständig“. Ich machte es mir sehr schnell zum Ziel, dass genau das nicht zutreffen darf. Also habe ich von Anfang an daran gearbeitet, die direkte Arbeit für und mit den Kunden zu großen Teil abzugeben. Das war nicht ganz einfach, weil viele ja aufgrund persönlicher Beziehungen, Empfehlungen oder meines Rufs zu mir (!) kamen, aber es hat gut funktioniert. Kurzfristig mehr Geld hätte es wohl gebracht, wenn ich auch mehr für die Kunden gemacht hätte, aber erstens hätte ich dadurch Freiheiten verloren (und die sind mir sehr wichtig) und zweitens wäre das langfristig wahrscheinlich weniger gut gewesen.
Denn ich konnte mich derweil vor allem um die Führung des Unternehmens kümmern, also insbesondere auch die Unternehmensentwicklung. Natürlich werden am Anfang erstmal kleine Brötchen gebacken, aber wie kann man dafür sorgen, dass sie nach und nach größer werden? Das fand und finde ich auch eine sehr spannende Aufgabe, die von Jahr zu Jahr besser gelingt, würde ich sagen. Der Unternehmer und Autor Stefan Merath nennt das übrigens „am Unternehmen arbeiten“ statt „im Unternehmen arbeiten“.
Ein interessanter Meilenstein war übrigens die komplette Aufgabe eines festen Büros im August 2020. Der erste Corona-Herbst stand vor der Tür, aus dem aktuellen Büro wollten wir wieder raus und so entschieden wir, uns „erstmal“ kein neues Büro zu holen, sondern komplett ins Home-Office zu gehen. Nach sechseinhalb Jahren wurden wir also zur Briefkasten-Firma – und das deutlich länger als gedacht. Anfangs trafen wir uns noch mehr oder weniger regelmäßig in einem befreundeten Büro, es pendelte sich in etwa bei monatlich ein bis es irgendwann irgendwie weitgehend aufhörte. Ich kann gar nicht mehr sagen, wann wir uns zuletzt zum gemeinsamen Arbeiten vor Ort getroffen haben. Mal sehen, wie lange wir Briefkasten-Firma bleiben. Es gibt da doch ein gewisses diffuses Bedürfnis nach einem Büro, aber zum praktischen Arbeiten erscheint es uns derzeit nicht besonders hilfreich.
Nach zehn Jahren gäbe es natürlich noch so viel mehr zu erzählen, aber ich will es mal bei diesem groben Rundumschlag belassen (natürlich gerne Fragen stellen). Zufrieden halte ich aber fest, dass wir – mit einer Ausnahme – jedes Jahr finanziell gewachsen sind und wenn man finanziell weglässt, sowieso jedes Jahr. Die Erfahrung wächst, die Herausforderungen auch. Wie bei einem Computerspiel, wo man das nächste Level erreicht. Apropos – Strategiespiele waren früher eh meine Favoriten. Nach einem langsamen und mühsamen Start war ich dann am Ende meist sehr erfolgreich. Ich sehe Parallelen. 🙂
Danke an alle, die in irgendeiner Weise dabei mitgeholfen haben – insbesondere in den ersten Jahren. Sei es durch Logo-Gestaltung, Buch-Tipps (ich hab sehr viel gelesen am Anfang), Ratschläge oder natürlich Empfehlungen, die zu Umsatz führten (gerade am Anfang gibt es wohl nichts Wichtigeres). Vielen Dank, wer weiß, wo ich ohne euch heute wäre?
Überraschend oft habe ich in persönlichen Jahresrückblicken – und sei es nur in Form eines Tweets – gelesen, wie schwierig dieses Jahr für viele war. Das war es auch für uns. Ein wirklich bescheidenes Jahr. Viele, viele Herausforderungen. Die ukrainische Oma meiner Frau lebte monatelang bei uns und wir bekamen eine Eigenbedarfskündigung – um mal nur zwei „Highlights“ zu nennen.
Ich habe mal wieder etwas gedichtet. Wer will, kann es gerne lesen. Wer nicht will, kann es ungern lesen:
Zu Fuß zu gehen ist ja nicht verkehrt. Verkehrt man aber auf diese Weise, weise ich darauf hin, dass das von der Planung her Herr Planer anders gedacht hat. Hat man kein Auto zur Hand, handelt man wider den Verstand. Verstand ich jedenfalls meist so. So kann es aber nicht bleiben, bleiben doch Fußgänger sehr freundlich, freundlich zur Umwelt und zu sich. Sich bewegen und die Umwelt schützen. Schützen wir Fußgänger, ist nicht verkehrt. Verkehrt ist eher, nicht zu Fuß zu gehen.
Design und Technik von henningschuerig.de waren etwas in die Jahre gekommen. So habe ich mich vor einiger Zeit entschieden, die gesamte Seite neu aufzusetzen. Es gab mit der alten Seite ein paar Probleme, die sich nicht wirklich erklären ließen und die so nun behoben sind. Außerdem war https natürlich überfällig. Allerdings hat das Neuaufsetzen und der Import von 1.744 Beiträgen und 11.592 Kommentaren mit vielen Bildern, Verlinkungen etc. auch einige neue Probleme verursacht. Das meiste konnte ich beheben, aber ein paar Punkte sind da noch (z.B. stimmt die Anzeige der Kommentar-Anzahl unter den Beiträgen nicht immer und ich hätte auch gerne wieder eine Uhrzeit-Angabe bei Kommentaren und Posts). Aber man ist ja eh irgendwie nie wirklich fertig mit so nem Blog oder ner Website.
Ich bin jedenfalls sehr froh, das endlich gemacht zu haben. War übrigens schon im Januar, aber die Fehlerbehebung ging natürlich Schritt für Schritt über Wochen verteilt – daher auch erst jetzt dieser Eintrag. Ich wollte den Fokus darauf erst dann legen, wenn möglichst viele Fehler behoben sind. Aber wer noch was findet – oder auch Lösungen oder Vorschläge parat hat – gerne her damit. Die Kommentarfunktion ist offen. Apropos, spamfilterseitig muss ich auch mal noch was machen. Ich hab seit Ende Januar schon wieder über 3.000 neue Spam-Kommentare. Mein alter Spam-Filter hat die größte Menge an Spam gleich ganz herausgefiltert, so dass ich die Kommentare nicht mal löschen musste. Angesichts der Menge, die da kommt, sieht man auch wie sinnvoll das ist. Da kommt man ja kaum hinterher. Anschauen musste ich mir nur noch weniger als 1 % der Spam-Kommentare – eben da, wo der Herr Spamfilter noch Zweifel hatte.
Mein Blog und die Website insgesamt laufen nun mit WordPress 5.7.1 und es läuft hier das Theme OceanWP in seiner kostenlosen Variante. Das habe ich nun bereits in mehreren Projekten kennen- und schätzengelernt. Eine unglaubliche Konfigurationsvielfalt und trotzdem mit sehr guten Ladezeiten.
Ende Mai wird mein Blog dann 15 Jahre alt. Irgendwie auch passend, dass es zur Pubertät ein neues Innen- und Außenleben gab. Der letzte größere Relaunch war 2014 und ist somit sieben Jahre her (dort sind auch Bilder vom Design bis zum Relaunch – und von davor). Damit bin ich nun wohl bei henningschuerig.de 5.0 angekommen.
Nach vielen Jahren CDU-Herrschaft lagen zuletzt nicht nur beim OB-Posten, sondern auch im Gemeinderat und anderen Wahlen öfter mal die Grünen vorne. Entsprechend spannend war die Wahl grundsätzlich, da ja kein Amtsinhaber antrat und es zwei Parteien gibt, die um Platz 1 rangeln und sich gelegentlich abwechseln (mit Tendenz früher CDU, später Grüne). Auch wenn es natürlich eine Persönlichkeitswahl ist, das spielt ja mit rein.
Allerdings fand die OB-Wahl und der Wahlkampf unter Corona-Bedingungen statt, was sowohl Podiumsdiskussionen als auch Infostände mit oder ohne Kandidaten sehr eingeschränkt hat. Für einen Amtsinhaber wäre das wohl wegen des Bekanntheitsgrads tendenziell ein Vorteil gewesen, hier waren aber alle eher so mittelbekannt.
Sorgen machte ich mir gerade wegen Corona um die Wahlbeteiligung. Hat die Stadt eigentlich mitbekommen, dass OB-Wahl ist? Haben die Leute mitbekommen, dass jetzt OB-Wahl ist? Wie gehen sie damit um, dass wohl nur wenige einen oder mehrere der insgesamt 14 Kandidatinnen und Kandidaten kennenlernen konnten? Fragen über Fragen und ich machte mir etwas Sorgen um die Demokratie.
Die Wahlbeteiligung war dann allerdings rekordverdächtig. Es war die höchste seit 24 Jahren. Das klingt grandios – und das trotz Corona. Allerdings ist es dann doch sehr traurig, wenn man sich bewusst macht, dass dieser relative Rekord nur bei 49,0 % liegt. Nur knapp die Hälfte geht wählen und das ist dann auch noch die höchste Wahlbeteiligung seit 1996.
Kommen wir zum Ergebnis des ersten Wahlgangs zur Oberbürgermeister-Wahl in Stuttgart 2020: CDU-Kandidat Frank Nopper liegt mit 31,8 % vorne, dann folgen Veronika Kienzle (Grüne) mit 17,2 %, Marian Schreier (eigentlich SPD, aber unabhängig angetreten) mit 15,0 %, Hannes Rockenbauch (lokale, ökosoziale Liste SÖS) mit 14,0 % und Martin Körner (SPD) mit 9,8 %. Details bei der Stadt Stuttgart.
Nun werden die meisten erwarten, dass es logischerweise und vom Wahlrecht her automatisch eine Stichwahl zwischen Platz 1 (Nopper/CDU) und Platz 2 (Kienzle/Grüne) gibt. Das kommunale Wahlrecht in Baden-Württemberg sieht aber eher das Gegenteil einer Stichwahl vor: Es können alle wieder antreten und es können sogar noch zusätzliche Personen ihre Kandidatur erklären. Nennt sich daher auch „Neuwahl“. Meiner Meinung nach sollte das Wahlrecht hier unbedingt geändert werden.
Aus meiner Sicht sollte dennoch informell klar sein, dass nur noch Platz 1 und 2 antreten, damit man auch erfährt, was die Mehrheit nun bei der verengten Auswahl möchte. Bleiben mehr Kandidaten im Rennen, besteht ja die Gefahr von z.B. 34 zu 33 zu 33. Und das wäre bei nur zwei Kandidaturen womöglich 66 zu 34 ausgegangen – und damit hätte dann jemand anders gewonnen. Sowas sollte ja aber nicht am Wahlrecht hängen (die USA lassen grüßen).
Nun gibt es zahlreiche Gespräche. SPD-Kandidat Martin Körner (Platz 5) hat bereits zurückgezogen – mit Empfehlungen für den zweiten Wahlgang hält er sich (noch?) zurück. Andere stellen Bedingungen oder machen mehr oder weniger deutlich, dass sie eher weiterhin antreten. Mehr als zwei Kandidaturen nutzen aber automatisch dem Erstplatzierten, den wiederum Platz 2 bis 5 eigentlich alle verhindern wollen.
Aber wie sollte es anders sein als dass Platz 2 als Alternative in den Ring steigt? Man kann doch dem Wahlvolk nicht erklären, dass Platz 3 oder 4 gegen Platz 1 antritt. Das würde doch niemand verstehen. Wenn da die Chancen besser wären, hätten doch mehr diese Person gewählt. Und mehrere Kandidaturen aus der gleichen Ecke nutzen wiederum nur CDU-Kandidaten, den da eigentlich einhellig keiner will. Eine Empfehlung für jemand anderen ist schön, kann man aber meiner Meinung nach nicht erwarten. Ein Zurückziehen der Kandidatur finde ich aber im Sinne der Demokratie selbstverständlich, auch wenn das Wahlrecht das hier anders sieht.
Verrückte Lage. Dazu passend oben mein Foto vom Rathaus aus dem Juli 2020 mit dem Banner „Irritierte Stadt“ drauf. Als hätte ich damals geahnt, dass ich vier Monate später ein Foto suchen werde, um diesen Blog-Eintrag zu bebildern.