Bin in Berlin angekommen

Zehn Minuten Verspätung, kleinere Verwirrungen bei der S-Bahn (wenigstens nicht nur bei mir, da war allgemein einiges umgeleitet), aber ich bin sehr gut in Berlin angekommen.

Aber der Reihe nach. Den Beitrag aus dem Zug konnte ich erstmal nicht abschicken, weil ich kein Netz hatte. Nach ner Weile ging’s dann aber. Ich war der Zivilisation wohl wieder etwas näher.

Hab dann erstmal Zeitung gelesen und mich dann zum schlafen hingelegt. Zeitung über’s Gesicht, Kopfkissen an die Scheibe und los. Naja, da unterhielten sich drei ältere Menschen doch recht laut und angeregt. Gar nicht so uninteressant, aber ich wollte pennen. Ging dann auch irgendwann. Nach knapp zwei Stunden Schlaf letzte Nacht musste das ja auch gehen.

Etwa eine halbe Stunde später wache ich eher etwas unsanft auf, da sich neben mir jemand niedergelassen hatte. „Hallo“ sagte er mir direkt in mein verschlafenes Gesicht. „Hallo“, murmelte ich zurück und legte die Zeitung wieder über’s Gesicht. Ich wollte weiterschlafen. Kurz danach tickt er mich an, zeigt auf seinen Rucksack auf seinem Sitz und sagt: „Ich lasse den mal hier, bin kurz weg. Ist auch keine Bombe drin.“ Ich lächle gequält, denke „Jaja, mir doch egal, Hauptsache, du nimmst sie wieder mit, ich will schlafen“. Schwierig, die richtig extreme Müdigkeit war erstmal weg. Er kommt wieder, ich bleibe unter meiner Zeitung, versuche zu schlafen. Geht aber nicht. Gucke also mal unter meiner Zeitung hervor, was er so macht. Und was macht er? Er pennt! Mit Schlafbrille und Oropax. Mich wachhalten und dann selber schlafen. Unverschämtheit!

Das Rentner-Trio unterhält sich derweil darüber, dass Einkaufen im Internet ja ein großes Risiko darstellt, weil man ja vorher bezahlen muss und wenn dann was mit der Ware ist. Ist ja was dran, ist aber das gleiche wie bei Katalogbestellungen. Jeglicher Versand eigentlich. Ich war aber immer wieder erstaunt über die drei. Schienen mir mittendrin im Leben, eigentlich gar nicht verkalkt, lebendig und sehr aufgeschlossen gegenüber Jüngeren.

Jetzt läuft mal wieder einer der jungen Väter mit Säugling im Arm durch die Gegend bzw. er steht bei den Alten und schaukelt sein Kind. Prompt fangen die an über Aufklärung zu diskutieren und dass man da ja heute viel lockerer ist als früher usw. Ich muss vielleicht dazu sagen, dass die drei aus einem Ehepaar bestanden und einer älteren Dame, die sie anfangs nicht kannten. Das Baby fängt etwas an zu quengeln. Nun kommen Anekdoten von Kindern zur Sprache – passend zum Thema Aufklärung. „Oma, hast du vier Brüste?“ – „Wie kommst du denn darauf?“ – „Mama hat weniger als du.“ Währenddessen entschuldigt sich der Zugführer bei jeder Durchsage sehr höflich für unsere zehn Minuten Verspätung. Die Rentner diskutieren darüber, dass hier – im Flachland sind wir mittlerweile – das Verrichten der Notdurft im Freien ja sehr unpraktisch ist, weil alles von überall einsehbar sei. Die beiden anderen beschwichtigen die alte Dame da jedoch. Es gäbe da ja auch noch viele Bäume. Detailliertere Anekdötchen lasse ich jetzt mal weg.

Meine neue Nachbarin scheint derweil beim Lesen eingeschlafen. Etwas später ist sie entweder aufgewacht oder sie konnte doch nicht schlafen. Jedenfalls musste sie über die Alten lachen. So kamen wir ins Gespräch. Ich hab die ja schon ein paar Stunden länger erlebt. Sie kam gerade von einem Bewerbungsgespräch als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Uni. War aber wohl nicht so toll dort, gefiel ihr nicht so. Daher bleibt sie wohl an der Uni, wo sie jetzt ist.

„Wir sind ja gleich da“, sage ich ganz erstaunt. Sie guckt mich fragend an. „Naja, nur noch… hm, etwa eine Stunde.“ Für mich war das wenig, für sie viel. Meine Fahrt war halt insgesamt viel länger. Sie ist dann am Hauptbahnhof ausgestiegen, ich etwas später beim Ostbahnhof. Kleinere Verwirrungen beim Finden der S-Bahn und der richtigen Linie dann. Die Umleitungen dort haben mich eigentlich gar nicht gestört. Hab ja keine Ahnung, wie es sonst gewesen sein sollte. Da kamen halt immer wieder irgendwelche Durchsagen und plötzlich springen Leute aus der S-Bahn, die vorher ganz gemütlich drin standen. Andersrum genauso, plötzlich sprintet jemand in die S-Bahn. Ich frage mich durch, finde die richtige Bahn. Wunderbar. Kleine Feststellungen im Alltag: Rechts von mir wird die FAZ gelesen, schräg hinter mir Sudoku gespielt. Ich steige aus, warte kurz, Andi holt mich ab. Berlin, ich bin da!

Passendes Berlin-Outfit Zug-WC Windräder Nachbarin schläft Berlin-Ostbahnhof Berlin-Neukölln Supermarkt-Bombe Beim Bloggen Andi und Henning Essen
Bild 1: Berlin-Outfit; Bild 2: Zug-WC, die Aufforderung sauberzumachen; Bild 3: Windräder; Bild 4: Schlafende Nachbarin; Bild 5: Berlin-Ostbahnhof; Bild 6: Berlin-Neukölln, meine Unterkunft; Bild 7: Bombe im Supermarkt?; Bild 8: Beim Bloggen; Bild 9: Mit Andi, meinem Gastgeber hier; Bild 10: Lecker Essen!

{lang: 'de'}

4 Responses to “Bin in Berlin angekommen”

  1. Natürlich kommst Du mit nem Spreeblick-Shirt nach Berlin … das mich das wundert?! Also Willkommen. Lass es Dir gut gehen. Wo ist denn der Kongress? Ich hoffe, es bleibt Dir etwas Zeit für die berliner Clubszene?

    Mit den Rentnern ist das so, dass Du welche kennen lernst, die offen für alles sind und Du denkst: »Wow, ich muss mein Bild über alte Menschen drastisch ändern.« Und beim nächsten Mal gehst Du auf einen zu und bist danach ziemlich enttäuscht. Mit dem Alter kommt manchmal leider nicht nur die Weisheit, sondern auch die Dickköpfigkeit, oder wie Linda (my wife) meinte: »Der Klugscheißer weiß nicht, dass auch Idioten intelligent sein können.«

  2. Der Kongress ist im Energieforum, Stralauer Platz 33-34, direkt gegenüber vom Ostbahnhof. Alles weitere unter gruenerzukunftskongress.de.

    Und solche Pauschalisierungen versuche ich sowieso zu vermeiden. Ich hab gestern nicht mein Bild über Rentner revidiert, sondern war einfach überrascht über diese Truppe, vor allem weil sie sich ja nicht kannten. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass man so stark übereinstimmt, ja nicht so groß.

    So, gleich gibt’s Frühstück…

  3. Mal sehen, ob ich es einrichten kann, mal vorbei zu schauen. Wir sind gerade am renouvieren und Linda ist gerade krank geworden.

    Hihi, so ernst, wie es sich beim dritten Lesen anhört, war es nicht gemeint. Natürlich sind Pauschalurteile und Schubladendenken immer falsch. :-)

  4. Schön, dass du da warst. Habe jetzt schon zwei meiner Leser, die ich vorher nicht persönlich kannte, in Berlin getroffen. Nummer 3 kommt morgen dran… :-)
    Ach ja, und dann noch den Einen, der sich mir Freitag als Franklin geoutet hat. Aber den kannte ich ja vorher schon, wusste nur nicht, dass er er ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.